Full text : Volk, Reich und Westgrenze

ist  Biundos  Versuch,  „hinter  das  sog.  ,Christliche1  und  seine  ,Heiligen4  nach  dem
urtümlich  germanisch/völkischen  zu  sehen“.673
Dem  SS-Hauptsturmftihrer  Heinrich  K.  Seibert  vom  SD  half  das  Kaiserslauterer
Institut  im  Frühjahr  1940  bei  der  Drucklegung  seiner  bei  Karl  Alexander  von
Müller  eingereichten  Dissertation  über  die  französische  Pfalzpolitik,  den  pfälzischen
  Separatismus  zwischen  1918  und  1920  und  die  Rolle  der  Kirche.  Seibert
führte  im  zweiten  Teil  seiner  Doktorarbeit  die  Personen  der  pfälzischen  Politik
auf,  die  sich  nach  dem  Ersten  Weltkrieg  für  die  Loslösung  von  Bayern  und  vom
Reich  ausgesprochen  oder  wie  Vertreter  des  pfälzischen  Ultramontanismus  sich
zweifelhaft  verhalten  hätten;  diese  Liste  diente  gleichzeitig  der  SD-Gegnerforschung
  unter  Professor  Franz  Alfred  Six,  für  den  Seibert  sehr  wahrscheinlich
arbeitete,674  zur  Ermittlung  möglicher  Oppositioneller.  Für  Seibert  ergab  sich  als
Gesamteindruck  vom  politischen  Katholizismus  der  Pfalz  „eine  in  gefährlichster
Zeit  bedenkliche  innere  Unsicherheit,  eine  schwankende,  unzuverlässige  Haltung,
die  sich  nicht  an  einem  selbstverständlichen,  festen  Reichsbewusstsein“  ausgerichtet
  habe.  Mehrere  der  katholischen  Führer  hätten  sich  des  Landesverrates
schuldig  gemacht.67"  Ramsauer  suchte  Seibert  in  Berlin  auf  und  sagte  ihm  zu,
dessen  Doktorarbeit  in  die  „Beihefte  zu  den  Saarpfälzischen  Abhandlungen“  aufzunehmen.676
  Im  Gegenzug  versprach  Seibert,  einige  Exemplare  in  Six’  Deutschen
Auslandswissenschaftlichen  Institut  abzusetzen.677  Die  Zusammenarbeit  zwischen
den  westmärkischen  Wissenschaften  und  dem  SD  in  Berlin  wurde  nach  der
Annexion  der  Moselle  ausgebaut.  Im  August  1940  suchte  Ramsauer  Seiberts  Rat
für  seine  eigene  „Arbeit  in  Lothringen“,  besonders  zur  „Schulfrage“,  für  die
Seibert  im  SD-Hauptamt  zuständig  war.678
Schwarze  und  braune  Volkskunde
In  der  DFG  wurde  1934  eine  Reichsgemeinschaft  für  deutsche  Volksforschung  gegründet,
  um  das  deutsche  Volkstum  im  Sinne  des  Nationalsozialismus  zu  erforschen.
Dahinter  stand  der  Versuch  des  Amtes  Rosenberg,  die  deutschen  Wissenschaften

673  HMP,  G/Sach  1943-44,  Allgemein:  Biundo  an  Christmann  v.  31.5.1943,  Christmann  an
Biundo  v.  3.6.1943.
674  Wildt,  Generation  des  Unbedingten,  385  Anm.,  942-43.  Für  seine  Ermittlungen  zu  Seiberts
Postanschrift  (Berlin,  Wilhelmstr.  16,  III.  Stock;  HMP,  G/Allgemein  1941-42:  Emrich  an
Seibert  [Ende  April  1940])  danke  ich  Ingo  Haar.
675  Heinrich  K.  Seibert,  „Französische  Pfalzpolitik  und  pfälzische  Loslösungsbestrebungen
während  der  Waffenstillstandszeit  1918/20:  Eine  historisch-politische  Studie  zur  Rheinfrage“,
München,  Univ.,  Diss.,  1940,  174,  cf.  175-77.
676  HMP,  G/Allgemein  1941-42:  Emrich  an  Seibert  [Ende  April  1940].  Heinrich  K.  Seibert:
*  15.7.1910  Elmstein  (Pfalz),  Studium  in  Heidelberg  und  München  (Deutsch,  Geschichte,  Englisch)
  u.  a.  bei  Andreas,  Raumer  und  von  Müller,  1.  Lehramtsprüfung  Jan./Apr.  1935,  Referendarjahr
  in  München,  2.  Prüfung  März  1936;  Seibert,  „Französische  Pfalzpolitik“,  216:  Lebenslauf.
'  HMP,  G/Allgemein  1941-42:  [Ramsauer]  Rücksprache  mit  Seibert  am  2.5.1940  in  Berlin  v.
18.5.1940;  Hachmeister,  Gegnerforscher.
678  HMP,  G/Allgemein  1941-42:  Ramsauer  an  Seibert  v.  1.8.1940.

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