nationalen Kirche“, die der nationalen Erneuerung im Wege stehe. Fox erhoffte
eine deutsche Wiedergeburt aus den „Grundkräften des Volkstums“, die er für
„ewig und unveränderlich“, „unendlich“ und „in ihrer Einheit göttlich“ hielt. Das
Christentum sei keine zeugende und schöpferische Kraft, am wenigsten für das
deutsche Volk, da es „aus einer (arteigenen) jüdischen Religionsform hervorgegangen“
und also artfremd sei. Die Kirche benutze deutsches Brauchtum,
zerstöre, was sie nicht assimilieren könne, und bemächtige sich der staatlichen
Erziehungsaufgabe und der Volkskunde: „Deshalb gibt es nur zwei Auffassungen,
zwischen denen es keine Brücke gibt und keine Verständigung: Hie deutsche Volkskunde
- hie christliche Volkskunde/“669 670 Die Autorität, auf die Fox sich berief, war
Matthes Ziegler, der volkskundliche Chefideologe des Amtes Rosenberg.6711 ln
Anlehnung an Zieglers Hauptwerk, Volkskunde auf rassischer Grundlage, setzte
Fox deutsche Volkskunde und Frühgeschichtsforschung mit der nationalsozialistischen
Volkstumsforschung gleich.671
Alles was in seinen Volksmärchenaufzeichnungen dem Weltbild der nationalsozialistischen
Volkskunde widersprach, wollte Fox bereinigen. Für die Veröffentlichung
der „Geschichte vom König Sultan“, fragte er das Ahnenerbe, ob er „den
Namen ,Sultan1 durch einen deutschen Namen“ ersetzen solle. Im Märchen vom
„Pechkäppchen“ sei die Einleitung zu christlich. Seiner wissenschaftlichen Befugnis,
sie abzuändern, wollte sich Fox ebenfalls beim SS-Ahnenerbe versichern: „Der
,Herrgott' und der ,heilige Sankt Petrus4 sind erst in später Zeit vor dieses uralte
Märchen geklebt worden. Ich habe Lust, statt dessen zu schreiben: [,]Ein Mann
und sein Knecht.4 Oder ,Ein König und sein Knecht4. Sind solche Änderungen,
die doch nur die alte ,Tradition4 wiederherstellen, gestattet?“672
Fox war nicht der einzige westmärkische Wissenschaftler, der den christlichen
Einfluss auf das Kulturleben zurückdrängen wollte. Pfarrer Georg Biundo aus
Annweiler wechselte von der Kirchengeschichte zur Volksforschung und kam zur
Abteilung Volkskunde im Institut zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf
das deutsche kirchliche Leben in Eisenach. 1943 bat er Christmann, der sich für
Biundos volkskundliche Arbeiten interessierte, um Hilfe bei der Veröffentlichung
seiner Abhandlung „Volkstum und Kirchenjahr“. Für einen Pfarrer bemerkenswert
669 Nikolaus Fox, „Volkskunde und Volkstumsarbeit“, Volkskunde und Volkstumsarbeit (Saarlautem:
Wasel, 1937), 5-15, hier 5, 11.
670 Hannjost Lixfeld, „Matthes Ziegler und die Erzählforschung des Amts Rosenberg: Ein Beitrag
zur Ideologie der nationalsozialistischen Volkskunde: Lutz Röhrich zur Vollendung des 65.
Lebensjahres“, Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde, 26 (1985/86), 37-59, hier 54-55; id„ „Die
weltanschauliche Volkskunde des Amts Rosenberg und ihr Wissenschaftstheoretiker Matthes
Ziegler“, Völkische Wissenschaft: Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen
Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Hg. id„ Wolfgang Jacobeit, Olaf Bockhom,
in Zsarb. mit James R. Dow (Wien: Böhlau, 1994), 192-205.
671 Fox, „Volkskunde und Volkstumsarbeit“, 11-12, 14.
672 BDC, Fox, f. 37: Fox an Mai v. 6.3.1939.
394