Lehre vorn deutschen Volk und von der germanischen Rasse. Von allen wissenschaftlichen
Fachrichtungen stellte die Volkskunde wahrscheinlich die meisten
Nationalsozialisten. Seit 1933 diente sie verstärkt dem „Nachweis der Höherwertigkeit
nordisch-germanischer Kultur“ und erhielt zunehmend Lehrstühle an den
deutschen Universitäten.663 Doch der Weg von der Volkskundeforschung zur NSDAP
war nicht zwingend vorgegeben, wovon einige unangepasste oder gar widerständige
Volkskundler, wie der Wallfahrtskundler Rudolf Kriß oder der der Germanenideologie
nahe stehende Volksliedforscher Kurt Huber, Zeugnis geben.664
Der Nationalsozialismus wandte sich scharf gegen den christlichen Universalismus,
denn die Lehre von der Gleichheit aller Menschen vor Gott widersprach
der faschistischen Rassenideologie. Auf den Feldern der Geschichte und Volkskunde
wurde der Kampf gegen die Kirche besonders hart geführt. Man warf der Kirche
vor, den alten Glauben und die germanischen Gottheiten satanisiert zu haben. Nun
verteufelte der Nationalsozialismus die Kirchen.665 Joseph Otto Plaßmann beklagte
die deutsche Anhänglichkeit an das Christentum und forderte dazu auf, das
antik-christliche Erbe durch das deutsch-germanische zu ersetzen.666 Fast alle
westmärkischen Volkskundler zogen mit dem Regime in den Kampf gegen die so
genannte jüdisch-christliche Religion. Auch Fox, der sich noch 1941 als katholischen
Bekenntnisses bezeichnete,667 war der kirchliche Einfluss auf das deutsche
Volksleben verhasst. 1937, im selben Jahr da sein Gauleiter zum Schlag gegen die
Kirche ausholte,668 verketzerte er in einer Streitschrift die Volkskunde „der über¬6<”
Stefan Maier, „Volkskunde und Heimatpflege: Geschichte und Problematik eines distanzierten
Verhältnisses“, Antimodernismus und Reform: Zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung,
Hg. Edeltraud Klueting (Darmstadt: WBG, 1991), 344-70, hier 359; cf. Rainer Mackensen, „Zur
Einführung: Konstruktion und Rekonstruktion von Bevölkerungswissenschaft im .Dritten
Reich1“, Bevölkerungslehre und Bevölkerungspolitik im ,,Dritten Reich“, Hg. im Auftr. der Deutschen
Gesellschaft für Demographie e.V. in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für
Demographische Forschung v. id. (Opladen: Leske + Budrich, 2004), 9-17, hier 9-10.
664 Elke Fröhlich, „Ein gelehrter Sammler“, Bayern in der NS-Zeit, Bd. 6: Die Herausforderung
des Einzelnen: Geschichten über Widerstand und Verfolgung (München: Oldenbourg, 1983), 193-208;
Anselm Gerhard, „Musikwissenschaften“, Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten
Reich 1933-1945, Hg. Frank-Rutger Hausmann, Mitarb. Elisabeth Müller-Luckner, Schriften des
Historischen Kollegs, Kolloquien 53 (München: Oldenbourg, 2002), 165-92, hier 171-72.
665 Edmund Weber, „Zur Versatanung der germanischen Götter“, Germanien (1940), 150-52;
cf. Dietz-Rüdiger Moser, „Nationalsozialistische Fastnachtsdeutung: Oie Bestreitung der
Christlichkeit des Fastnachtsfestes als zeitgeschichtliches Phänomen“, Zeitschrift für Volkskunde,
78 (1982), 200-19, hier 205-13; Richard Steigmann-Gall, „Rethinking Nazism and
Religion: How Anti-Christian Were the ,Pagans‘?“ Central European History, 36 (2003), 75-105,
hier 103-05.
666 [Joseph Otto] Plaßmann, „Zur Erkenntnis deutschen Wesens: Das verschüttete Erbe“, Germanien,
9 (1937), 1. Plaßmann nannte sich selbst „Otto Plaßmann“ (cf. BABL, NS21/321,
passim), seine Veröffentlichungen zeichnete er meist mit „Joseph Otto Plaßmann“; BABL,
NS21/713: Ahnenerbe an Plaßmann v. 1.2.1937; Gajek, „J. O. Plassmann“, 127; cf. Kater,
Ahnenerbe, 46.
667 LASb, Reko/Personalunterlagen Fox, f. 1: Höhere Lehranstalt für die männliche Jugend,
Personalblatt A: Fox [1941], 1.
668 Schepua, ^Sozialismus der Tat“1, 593.
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