Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Abb.  9:  Arbeitstagung  zur  Eindeutschung  lothringischer  Familiennamen  im  Beamtenerholungsheim
  St.  Johann  bei  Albersweiler  (Pfalz),  24.3.-24.4.1941:  Studienrat  Karl  Arend  (oberste
Reihe  links),  Dr.  Fritz  Braun  (oberste  Reihe  Mitte),  Dr.  Otto  Bertram  (vorne  Mitte),  Amtsrichter
  Adolf  Philipp  Fürst  (wahrscheinlich  Zweiter  von  rechts),  Volkskundler  Dr.  Nikolaus
Fox  (links),  Hans  Krämer,  Professor  Philipp  Fuchs,  Lehrer  Erich  Bernhard,  Edmund  Lang  und
Sekretärinnen

deutsche  Namensgebung  in  Lothringen“  vom  29.  August  1942  führte  aus,  dass  die
deutsche  Schreibweise  latinisierter  Namen  auf  der  Grundlage  eines  Namensverzeichnisses
  festgesetzt  wurde,  „welches  vom  Gauschulungsamt  der  Gauleitung
Westmark  der  NSDAP  nach  volkskundlichen  und  sprachwissenschaftlichen
Grundsätzen  aufgestellt“  worden  sei.624  Tatsächlich  hatte  Bürckels  Administration
die  Eindeutschung  der  Familiennamen  von  graduierten  Volkskundlern,  Sprachwissenschaftlern
  und  Sippenforschern  vornehmen  lassen.  Im  Frühjahr  1941  war
der  Leiter  der  Mittelstelle  Westmark  Fritz  Braun  im  Gauschulungsamt  damit
beauftragt  worden.  Braun  stellte  eine  Arbeitsgruppe  zusammen  und  berief  sie  zum
24.  März  1941  in  den  pfälzischen  Weinbauort  St.  Johann  bei  Albersweiler  ein.  An
diesem  Montagvormittag  bezogen  fünf  Damen  und  neun  Herren  im  dortigen
Beamtenerholungsheim  ihre  Gästezimmer.  Sie  packten  ihre  Koffer  aus,  denn  sie
würden  hier  einige  Wochen  bleiben.  Die  Damen  richteten  eine  Schreibstube  mit
Schreibmaschinen  ein.  Nebenan  im  Tagungsraum  breiteten  die  Herren  unter  den

624 AMSgs,  Hiegel/Lorraine,  Mappe  „Evénements  politiques  1942“:  Verordnungsblatt  für  Lothringen
  (3.9.1942),  Nr.  36,  422:  Verordnung  über  die  deutsche  Namensgebung  in  Lothringen  v.
29.8.1942;  cf.  AMMetz,  3Z7a:  Metzer  Chronik  von  Schrod,  Eintrag  v.  29.8.1942;  H.  Hiegel,
„La  germanisation“,  102-03.

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