in der Frühen Neuzeit romanisiert worden.594 Nun wollte er den Prozess umkehren:
„[...] auch hier fordert die seinerzeitliche Verwelschung jetzt Entwelschung,“595 Er
nutzte die Ergebnisse der Flurnamensammlung, um in Publikationen und öffentlichen
Vorträgen das Deutschtum Lothringens zu postulieren.596
Personennameneindeutschung
Ebenfalls im Zuge der allgemeinen „Entwelschung“ wurde von der deutschen
Zivilverwaltung die Eindeutschung der elsässischen und lothringischen Ruf- und
Familiennamen betrieben.597 Deutsche Vornamen wurden schon immer von den
Nationalsozialisten gefordert. Als im Zweiten Weltkrieg in den annektierten Gebieten
nichtdeutsche Vornamen indiziert wurden, setzte dies eine Entwicklung
fort, die Mitte der 1930-er Jahre in Deutschland begonnen hatte. Die Ahnenerbe-Zeitschrift
Germanien warf 1936 der Kirche vor, „dem Germanentum volks- und
rassefremde Heiligennamen“ aufgenötigt zu haben. „Fremdkörper“ wie Hans,
Anna oder Michel stammten aus dem Judentum und sollten wegen ihrer jüdischalttestamentarischen
Bedeutung der „Ausmerzung“ anheim fallen, damit das deutsche
Volk „zu den echten Quellen [seines] arteigenen Wesens“ zurückfinden
könne.598 1937 wurde im Deutschen Reich erlassen: „Die Kinder deutscher Volksgenossen
sollen grundsätzlich nur deutsche Vornamen erhalten.“599 600 1938 regelte
ein Gesetz die Verwendung deutscher und eingedeutschter Vornamen.'00
Auch Christmann erhob die „deutsche Forderung“ nach deutschen Vornamen für
deutsche Kinder. Die „unnötige Fremdstempelung deutscher Kinder“ war ihm
peinlich, besonders die mit französischen Vornamen: „Wie konnten Eltern bei
dem Feind und Bedrücker und Peiniger ihres Volkes in der Zeit tiefster Erniedrigung
Deutschlands durch diesen Feind eine solch beschämende Anleihe machen?“
Aber vor allem verdammte er die „christlichen“ Vornamen, die dem deutschen
Volk im ausgehenden Mittelalter aufgezwungen worden seien. Christmanns antichristliche
Stoßrichtung scheint ebenfalls in seiner Zurückweisung des Begriffes
„Taufname“ durch: „Auch Taufnamen trifft heute nicht mehr voll zu; denn wie
viele sind nicht getauft und lassen ihre Kinder nicht taufen, weil sie sich von der
Kirche, von den Kirchen wegwenden.“ Ein geschichtlicher Abriss der Namengebung
in Deutschland beweise, dass der germanisch-deutsche Vorname erst seit
594 HMP, G/Sach 1943-44, Allgemein: Christmann an PusteFfm v. 4.3.1944; cf. Christmann,
„Vom Westrich“.
95 Zit. nach H. Hiegel, „La germanisation“, 103.
5% HMP, G/Sach 1943-44, Allgemein: Christmann an Dekan Prof. Dr. R. Herbig (Heidelberg)
v. 16.3.1944; cf. Christmann, Deutsche Charakter, 69.
597 „Les Centres de Travail“, 58.
98 Heinar Schilling, „Warum fremde Vornamen?“ Germanien (1936), 302-05, Zitate 303-05.
" Zit. nach Konrad Kunze, dtv-Atlas Namenskunde: Vor- und Familiennamen im deutschen
Sprachgebiet, Graphiker Hans-Joachim Paul, 2., vollständ. überarb. u. erw. Aufl. (München:
dtv, 1999), 53.
600 „Deutschen Kindern deutsche Namen!“ Germanien (1938), 328.
381