Die beantworteten Fragebogen wurden von Bertram auf Karteikarten verzettelt und
nach Gemeinden sortiert. Nach der Verzettelung folgte die „Bearbeitung des Stoffes
(Verdeutschung)“: Die Flurnamen wurden durch Übersetzung, durch Anflügen deutscher
Endungen oder durch vollkommene Neubildungen an die deutsche Sprache
angeglichen. Damit Neubildungen von der Bevölkerung angenommen würden,
wollte Bertram deren Sprachgewohnheit beachten. Unbeantwortet blieb die Frage,
wie die akademisch eingedeutschten Flurnamen, die das Lothringische Institut für
die Gemeinden herausgeben wollte,587 an die benutzende Bevölkerung weitergegeben
werden und in den populären Alltagsgebrauch eingehen sollten. Als Bertram im
Januar 1942 zur Wehrmacht eingezogen wurde, übernahm Halber seine Aufgabe.588
Im Herbst 1942 musste Halber die säumigen Sammler mahnen und erinnerte die
Gemeinden daran, dass der Auftrag vom CdZ persönlich erteilt worden sei/89 Da
Halber den Flumamensammlem empfahl, zuvorderst die mündliche Überlieferung
zusammenzutragen,590 waren die Gemeinden vor Kapazitätsprobleme gestellt und
blieben oft ihre Antworten schuldig. Dies geschah kaum aus Opposition gegen die
Eindeutschungspobtik, sondern weil den neuen reichsdeutschen Verwaltungsleitem
die Flurnamen ihrer Ortschaft unbekannt waren und sie nach Bürckels Vertreibungen
niemanden mehr antrafen, der noch hätte Auskunft geben können.591
Halber, in Volkskunde und Toponymie wenig bewandert, war auf das Fachwissen
von Christmann angewiesen, der sich von jeder Flumamenkarteikarte eine Kopie
ans pfälzische Flumamenarchiv in Kaiserslautern schicken ließ. Christmann kam
zweimal im Monat nach Metz und half bei der Ausschreibung der lothringischen
Flurnamen.592 593 Er deutete die Flurnamen in der Moselle als lautlich eng verwandt
mit den Flurnamen des Raumes Saarland, Pfalz, Trier und Luxemburg.59, Die
Erforschung der Siedlungsnamen sollte den Zusammenhang zwischen Namen und
Volkstum im lothringischen Grenzraum erhellen. Für Christmann war der größte
Teil der romanischen Namen Lothringens germanischen Ursprungs; sie seien erst
77 (1977), 5-16, hier 6 ließ in der Biographie eine Lücke von 1929-45; François Pétry,
„Linckenheld, Emile“, Encyclopédie de l’Alsace (Strasbourg: Publitotal, 1984), 8: 4763-65.
8 ADM, 1W212: Bertram, Arbeitsplanentwurf für die Flurnamensammlung v. 11.2.1941.
"8S Halber wurde von Leonie Losson unterstützt; HMP, G/Besprechungsbelege, LI: Christmann
an Halber v. 27.1.1942.
889 ADM, 1W213: Halber an Bürgermeister v. Delmen (Kr. Salzburgen) vor dem 3.11.1942; cf.
1W237: Bertram an König v. 11.11.1941.
590 ADM, 1W213: Halber an Legay (Sammler der Gemarkung Auningen) v. 27.10.1942.
891 ADM, 1W213: Bürgermeister von Leyen (Kr. Salzburgen) an Halber v. 25.11.1942;
Sammler aus Reichental an Halber v. 3.12.1942; Schreiben aus Lauterfingen-Jenningen (Kr.
Salzburgen) an Halber v. 7.12.1942; cf. 1W211: [Bertram, ca. Okt. 1941] Bericht Flumamensammlung;
Gmd. Leyen an LI v. 25.11.1942; Gmd. Lauterfingen-Jenningen (Kr. Salzburgen)
an LI v. 7.12.1942; Scheid (Reichentai) an LI v. 3.12.1942; zum Teil kamen die Fragekarten
unausgefüllt zurück, Fossingen (Kr. Salzburgen) an LI v. 10.11.1942.
592 HMP, G/Besprechungsbelege, LI: Christmann an Halber v. 4.2.1942; cf. HMP, G/Schriftverkehr
1944, LI: Christmann an Halber v. 9.6.1942, Halber an Christmann v. 13.10.1942;
HMP, G/Sach 1943-44: Christmann an Emrich v. 19.5.1943
593 HMP, G/Besprechungsbelege, LI: Christmann an Halber v. 23.9.1941.
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