Moselle, durch die der CdZ die Eindeutschung der Ortsnamen ergänzen ließ.575
Paradoxerweise ließ Hitler zur selben Zeit, als die Nationalsozialisten in der
Moselle und im Eisass die letzten „welschen“ Namen aus Wald und Flur
schassten, in der deutschen Philologie die Fremdwortjagd abblasen."76 Noch im
Saarpfälzischen Institut begann Bertram im Dezember 1940 die Kartothek der
lothringischen Flurnamen, deren Fortführung ihn im Lothringischen Institut
auslastete und die beträchtlichen Umfang annahm.577 Mit der Sammlung und
Verdeutschung der französischen Flur- und Geländenamen wollte Bertram den
Grundstock für die Flurnamensammlung der gesamten Moselle legen. Wie bei der
pfälzischen Flumamensammlung verschickte er vorgedruckte Fragebogen an
Bürgermeister, Ortsgruppenleiter, Lehrer und andere Repräsentanten in den Gemeinden.
Die Sammler sollten die Flurnamen aus in den Dörfern vorhandenen
Grundbuchregistern, Katastern und Flurplänen ausschreiben und bei der ortseingesessenen
Bevölkerung abweichende volkstümliche Flurnamen nachfragen.578
Zusammen mit den Fragebogen erhielten im Herbst 1941 die Gemeindevorsteher
in der Moselle eine „Anleitung zum Sammeln von Flurnamen“.574 Flurnamen seien
„lebendige Urkunden der geschichtlichen Vergangenheit der engeren Heimat“, erklärte
Bertram den Sammlern. Ihre Sammlung diene der Sprachforschung und der
Siedlungsgeschichte. Um der Flurnamensammlung und -eindeutschung den
Beigeschmack der Germanisierungspolitik zu nehmen, bereitete Bertram sie als
mittelbare Namensbewahrung zu: „Die Sammlung der Flurnamen in Lothringen
soll vor allem die Flurnamen des französischsprachigen Gebietes dadurch zu
erhalten suchen, daß diese entweder sinnentsprechend übersetzt werden oder
aber durch Angleichung an die deutschen Sprachverhältnisse ihren Wortstamm
575 Wolfanger, „Nationalsozialistische Politik“, 110-11; cf. Werner König, dtv-Atlas Deutsche
Sprache, Graphiker Hans-Joachim Paul, 12. Aufl. nach der 10. überarb. Aufl. (München: dtv,
1998), 131.
576 Erlass des RMWEuV v. 19.11.1940, Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
Amtsblatt, 6 (1940), 534; zit. nach Peter von Polenz, „Sprachpurismus und Nationalsozialismus:
Die ,Fremdwort‘-Frage gestern und heute“, Nationalismus in Germanistik und Dichtung: Dokumentation
des Germanistentages in München vom ¡7.-22. Oktober 1966, Hg. Benno von Wiese,
Rudolf Henß (Berlin: E. Schmidt, 1967), 79-112, hier 96; cf. Johannes Kramer, Das Französische
in Deutschland: Eine Einführung, Mitarb. Sabine Kowallik (Stuttgart: Steiner, 1992), 128-29.
~77 H. Hiegel, „Introduction“, 9-10: In den ADM liegen 14 Karteikästen mit germanischen und
3 mit romanischen Flurnamen, die noch heute der Flurnamenforschung dienen; cf. Henri
Hiegel, „Der Stand der Orts- und Flurnamenforschung im Département de la Moselle“, Zwischen
den Sprachen: Siedlungs- und Flurnamen in germanisch-romanischen Grenzgebieten:
Beiträge des Saarbrückener Kolloquiums vom 9.-11. Oktober 1980, Hg. Wolfgang Haubrichs,
Hans Ramge, Beiträge zur Sprache im Saarland, 4 (Saarbrücken: SDV, 1983), 289-303, hier
291; „Les centres de travail“, Annales de l’Est, 1, sér. 5 (1950), 55-60, hier 58; ADM, 1W211:
Bertram, „Bericht über die Flurnamensammlung“ v. Ende 1941; ADM, 1W237: Bertram an Frl.
Elfriede Vetter v. 26.8.1941.
578 ADM, 1W212: Bertram, „Entwurf eines Arbeitsplanes zur Sammlung und Verdeutschung
der Flur- und Geländenamen Lothringens“ v. 11.2.1941.
579 ADM, 1W213: [Bertram] Erste Anweisung zum Flumamensammeln; cf. HMP, G/Besprechungsbelege,
LI: Christmann an Bertram v. 27.8.1941; ADM, 1W237: Bertram an König v.
15.9.1941.
378