Zahl von Flurnamen umfangreiche lokalgeschichtliche Forschungen vorausschicken
müsse. Emrich betraute die Abteilung für deutsche Sprache mit der
Weiler- und Flurnameneindeutschung in der Moselle.v,x Vom Saarpfälzischen
nahm Bertram die Aufgaben ans Lothringische Institut nach Metz mit.* 569 574 Im Frühjahr
1941 schickte er Emrich seine Vorschläge zur Eindeutschung der Weilernamen.
Die alten Bezeichnungen aus der Reichslandzeit wollte er nur ändern
lassen, wenn sie unrichtig seien oder wenn eine häufiger auftretende französische
Form „durch eine deutsche Form wiedergegeben werden“ könne. Zum Beispiel
sollte „Bellevue“ immer zu „Schönblick“ werden und nicht wie früher mit „Schönhaus“
oder „Schönau“ abwechseln. Rätselhaft bleibt, was Bertram bewog, bei der
Weilemameneindeutschung ein Prinzip der „Einheitlichkeit“ anzuwenden."70 Von
der Reichspost war er sicher nicht darum gebeten worden. Bestand das Bestimmungswort
eines Hofes aus einem Heiligennamen, solle das „Sankt“ wegfallen,
Vororten hingegen wurde die Bezeichnung „St.“ belassen, Brücken wiederum
gestrichen."71 Die Umbenennung von Siedlungs- und Straßennamen verbannte
nicht nur die französische Sprache aus dem öffentlichen Bild der Moselle, als
erwünschtes Nebenprodukt ließ sie christliches Andenken tilgen. Als Ersatz bot
der Nationalsozialismus den Lothringern an, was er für deutsches Volkstum hielt.
So sollten Wirtschaften nicht mehr „Restaurant“ oder „Hotel“, sondern „Rasthaus“
oder „Gasthaus“ heißen.577 Bertram hatte an der Eindeutschung Gefallen gefunden.
Im Juni 1941 entwarf er einen „Vorschlag zum Erlaß einer Verordnung, betr. Verwendung
deutscher Gasthausnamen in Lothringen“ und dekretierte in der Presse:
„Schafft deutsche Gasthausnamen!“575 Bertrams Gasthausnamenwunsch blieb
unerfüllt. Noch 1943 stieß sich die Kulturabteilung des CdZ nicht daran, zu einer
offiziellen Veranstaltung ins Metzer „Hotel Pasteur“ einzuladen."4
Bedeutend mehr Zeit verlangte die Eindeutschung der Flurnamen, der Namen von
Feldfluren, Waldschlägen oder hervorstechenden Landschaftsmerkmalen in der
5<,x Emrich an Bürckel v. 14.9.1940; zit. nach Vautours, 66; cf. Wolfanger, „Nationalsozialistische
Politik“, 110-11; HMP, G/Besprechungsbelege, LI: Dr. Dietrich (LPG Saarpfalz, Neustadt) an
Spl v. 16.12.1940.
569 ADM, 1W211: Bertram, „Vorschläge zur Eindeutschung der Namen der Außensiedlungen
(Annexen) in Lothringen“ v. 12.2.1941.
570 ADM, 1W211: Bertram, Vorschläge v. 12.2.1941, 3, cf. 1; AMMetz, 9Z3: Verzeichnis der
Wohnplätze in Lothringen, hg. v. d. Reichspostdirektion Saarbrücken (Stand v. 1.10.1941).
571 H. Hiegel, „La germanisation“, 103. Die Eindeutschung der Weiler wurde von Dr. Adolf Blind
im Statistischen Amt Saarbrücken zu Ende geführt; die Memoiren von Adolf Blind, Kriegserinnerungen
eines Nachdenklichen: 1943 bis 1945 (Frankfurt, M.: Haag + Herchen, 1994) geben
nichts zu seiner nicht militärischen Tätigkeit her.
72 ADM, 1W211: Bertram, Eindeutschung der Außensiedlungen v. 12.2.1941,4-7, Zitat 4.
573 ADM, 1W212: „Vorschlag zum Erlaß einer Verordnung, betr. Verwendung deutscher Gasthausnamen
in Lothringen“ v. 12.6.1941; 0[tto] Bertram, „Schafft deutsche Gasthausnamen! Kleiner
Leitfaden für die Namensgebung lothringischer Gaststätten“, NSZ [Westmark] (16.7. 1941).
574 LASp, P 22/4, f. 8: Einladung zum 6.1.1943 der Abteilung V LBA des RStH/CdZ an Dir.
der LBA Metz-Montenich und der LBA Metz v. 22.12.1942.
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