dem auch das Staatsarchiv untergebracht war. Da er der Einzige war, der Englisch
konnte, handelte Ewig mit den Amerikanern die Kapitulation der Präfektur aus.556
Ewig war nicht nur der letzte deutsche Wissenschaftler, der die Moselle verließ,
er war auch der erste, der zurückkehrte. Noch nicht einmal ein Jahr nach Kriegsende
finden wir ihn wieder in den Archiven und Bibliotheken von Metz, wobei er
en passant für Robert Schuman und Konrad Adenauer den Postillion spielte.
Später habilitierte er sich und wurde Professor an den Universitäten Mainz und
Bonn. Er war Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Instituts in Paris
und ist Mitglied in zahlreichen historischen Gesellschaften, historischen Instituten
und in- und ausländischen Akademien der Wissenschaften.
Orts- und Flurnameneindeutschung
Am 6. August 1940 legte Hitler seinem Sekretär Martin Bormann dar, wie er sich
die Germanisierung des Elsasses und Lothringens vorstellte. Am selben Abend
setzte sich Bormann an den Schreibtisch und unterrichtete Bürckel von Hitlers
Wunsch: In drei Monaten müsse aus dem Eisass und aus Lothringen jedes
französische Denkmal, jedes Plakat und jede Aufschrift verschwunden sein. Die
deutsche Post dürfe nur noch deutsche Namen kennen. Elsässer oder Lothringer,
die französische Ortsbezeichnungen verwendeten, sollten ihre Briefe als unzustellbar
zurückerhalten.557 Wenige Tage später beraumte der CdZ in der Metzer
Präfektur eine Dienstbesprechung an. Er verhandelte, so erinnerte sich Emrich
nach dem Krieg, unter anderem „die sog. Eindeutschungsfrage,- eine seltsam
primitive, praktisch voellig undurchfuehrbare Aufgabenstellung. Es schwebte
ihm dabei eine allgemeine Angleichung Lothringens an den deutschen Standarfd]
vor, die er besonders durch 2 Ma[ß]nahmen zu erreichen gedachte: einmal die
bauliche Angleichung durch weitgehende Veraenderung des lothringischen]
Dorfbildes; zum zweiten die Angleichung der Namen durch eine umfassende
Verdeutschungsaktion.“
Von Emrich erwartete Bürckel, dass seine Germanisierungspolitik durch die
Landes- und Volkskunde unterstützt würde.558 Da die Nationalsozialisten von
einer germanischen Landnahme in Lothringen ausgingen, waren sie davon überzeugt,
dass alle Namen ursprünglich deutsch gewesen seien, bevor man sie sozusagen
französisch überstrichen habe.559 560 Die Ortsnamen müssten dem französischen
Feind entrissen und wieder deutsch werden. Unter ähnlichen Vorwänden waren
schon 1936 die französischen Namen aus der Saarlandschaft verschwunden.5611 In
56 Denis, Libération de Metz, 261.
557 Vautours, 58-59; cf. Oldenhage, „Verwaltung“, 1153.
55x LASb, NL We 006: Emrich an Welsch v. 2.5.1947. Emrich schützte in diesem Brief wenig
glaubwürdige Widerstände gegen Bürckels Germanisierungspolitik vor.
559 H. Hiegel, „La germanisation“, 103-04; cf. Haubrichs, „Krieg der Professoren“, 232-35.
560 Aus Saarlouis war Saarlautern, aus Beaumarais Schönbruch und aus Bous Buß geworden;
Kölsch, „Sprachenkampf1, 354; Hans-Walter Herrmann, „Von der Entfestigung zur Zerstörung
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