Ewig der Lokalbeilage zur NSZ Westmark einen Aufsatz über „Metz und das Reich
im Mittelalter“ ein. Als Ewig wenige Tage später die Zeitung aufschlug, traute er
seinen Augen nicht. Die Redaktion hatte in seinem Beitrag Änderungen vorgenommen,
die den gesamten Sinn entstellten. Ins Gewicht fiel weniger, dass französische
Ortsbezeichnungen in die deutsche Schreibweise umgewandelt worden
waren. Es war vielmehr - gewiss nicht aus Platzgründen - alles entfernt worden,
was der nationalsozialistischen Geschichtsauffassung und der Germanisierungspolitik
in Lothringen widersprach. Die Tatsache, dass der Reichsgedanke der
Tradition des Imperium Romanum entstammte, musste ebenso verschwiegen werden,
wie die der Christlichkeit der mittelalterlichen Staatsauffassung. Alle Bezüge
zur französischen oder luxemburgischen Geschichte Metz’ oder Diedenhofens
(Thionville) waren gelöscht. Zweifel an der tausendjährigen Reichszugehörigkeit
von Metz ließ die Schriftleitung der NSZ nicht aufkommen. Ob davon die Rede
war, dass es deutsche Fürsten gewesen seien, die Mitte des 16. Jahrhunderts dem
französischen König die Tür zur Stadt geöffnet hätten, oder davon, dass „die alten
Bande zwischen Metz und dem Reich sich bereits sehr gelockert“ hätten, kein
einziges Wort durfte gedruckt werden. Lothringische Eigenständigkeit und Freiheitsliebe,
Metzer Autonomie und Sonderstellung sollten der Vergessenheit
anheim fallen. Ewigs Bemerkung, dass der Reichsstadt Metz „die Beteiligung an
den Reichskriegen“ erlassen worden sei, musste in einer Zeit, da die Lothringer
an die Ostfront gezwungen wurden, nachgerade als gelehrte Wehrkraftzersetzung
gelesen werden. Auch sie wurde gestrichen. Aus Ewigs abwägendem historischem
Aufsatz war ein propagandistisches Machwerk geworden. In einem Aktenvermerk
lehnte Ewig jede Verantwortung für die geänderte Form des Artikels ab.547
Eugen Ewig
Eugen Ewig wurde am 18. Mai 1913 in Bonn geboren.’4* An der Universität Bonn
studierte er Geschichte, Romanistik und Germanistik. Nach der von Max Braubach
betreuten Promotion 1936 absolvierte er eine Ausbildung am Berliner Institut ftir
Archivwissenschaften. Im schlesischen Breslau wurde er als wissenschaftlicher
Assistent im Archivdienst eingesetzt. Ewig, der sich nach seiner rheinischen Heimat
sehnte, bat einen befreundeten Oberarchivrat, ihn im Westen unterzubringen. Dieser
ADM, 1W190, Mappe „N.S.Z. Westmark“: Ewig, „Metz und das Reich im Mittelalter“, 1,
3-9; Ewig, Aktennotiz v. 1.7.1943; cf. Ewig an Poro (Schriftleitung NSZ Westmark) v. 30.
6.1943; H. Hiegel, „La germanisation“, 85.
4X Karl Ferdinand Werner, „Zum Geleit“, Eugen Ewig, Spätantike und fränkisches Gallien:
Gesammelte Schriften (1952-1973), Hg. Hartmut Atsma, Beihefte der Francia, 3, 1 (Zürich:
Artemis, 1976), 1: ix-xii; cf. W. Weber, Biographisches Lexikon, 138-39; DBA II, 245: 366. ln
Leesch, Deutsche Archivare, Bd. 2 fehlt ein Eintrag zu Ewig. Ulrich Pfeil, „Eugen Ewig: Ein
rheinisch-katholischer Historiker zwischen Deutschland und Frankreich“, Der Intellektuelle
und der Mandarin: Für Hans Manfred Bock, Hg. François Beilecke, Katja Marmetschke,
Intervalle, 8 (Kassel: Kassel UP, 2005), 527-52.
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