Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Bibliotheken im Gau Westmark“ verbinden. In Gauselbstverwaltung solle eine 
Landesbibliothek mit zwei Abteilungen entstehen. Die Speyrer Abteilung für die 
Saarpfalz war für den Umzug nach Saarbrücken vorgesehen.474 Für die zweite in 
Metz zu errichtende Abteilung bat Emrich das Reichserziehungsministerium um 
einen Fachmann.479 480 Der Reichsbeirat für Bibliothekenangelegenheiten stimmte 
Emrichs Planung zu: Die Grenzstadt Metz, deren kulturelle Bedeutung zunehmen 
werde, benötige eine eigene Bibliothek. Für diese brachte der Reichsbeirat 
Bibliotheksrat Dr. Hans Wegener von der Handschriftenabteilung der Preußischen 
Staatsbibliothek in Vorschlag.481 Das Reichserziehungsministerium schloss sich 
an482 und Wegener konnte im Frühjahr 1942 seine Arbeit in Metz aufnehmen. Die 
Versetzung Wegeners nach Metz ist in gewisser Weise mit der Büttners zu 
vergleichen. Beide hatten bei der Okkupationsverwaltung in Paris Einblicke in die 
neuen Machtverhältnisse im deutsch-französischen Kulturgeschäft gewonnen, 
bevor sie an den dem Deutschen Reich kulturell wichtigen Posten in Metz 
versetzt wurden. 
Hans Wegener 
Hans Wegener wurde am 27. Mai 1896 in St. Avold im Bezirk Lothringen ge¬ 
boren,483 studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Nationalökonomie an den 
Universitäten Straßburg, Münster und Heidelberg, an der TH und der Kunst¬ 
gewerbeschule Stuttgart. Im Juli 1924 promovierte er mit einer Arbeit über alte 
Bilderhandschriften und trat in den Dienst der Handschriftenabteilung der Preußi¬ 
schen Staatsbibliothek in Berlin. 1929 legte er die bibliothekarische Fachprüfung 
ab, wurde 1934 planmäßiger Bibliothekar und 1940 Bibliotheksrat. Von Oktober 
1940 bis Januar 1942 gehörte Wegener als Kriegsverwaltungsrat der Gruppe 
Bibliotheksschutz des Militärbefehlshabers in Frankreich an,484 die sich neben dem 
konventionellen Bibliothekenschutz, ähnlich der Gruppe Archivschutz, der „Fest¬ 
stellung des nach Frankreich entführten deutschen Bibliotheksgutes“ widmete und 
eine große Rückforderungsaktion aus französischen Bibliotheken vorbereitete.48' 
479 BABL, R21/10599, f. 14: Reker an Kummer v. 5.7.1941. 
480 BABL, R21/10599, f. 35r: Emrich an Kummer v. 30.12.1941. 
481 BABL, R21/10599, f. 37: Vorsitzender Andres Krüss an RMWEuV v. 10.2.1942, Zitat 
f. 37r; cf. Hans-Gerd Happel, Das wissenschaftliche Bibliothekswesen im Nationalsozialismus: 
Unter besonderer Berücksichtigung der Universitätsbibliotheken, Beiträge zur Bibliothekstheo¬ 
rie und Bibliotheksgeschichte, 1 (München: Saur, 1989), 56-60. 
482 BABL, R21/10599, f. 40: Kummer an Emrich v. 24.3.1942. 
48' Die einzige Biographie Wegeners findet sich in Habermann, Klemmt, Siefkes, Lexikon, 375, 
cf. 412; BABL, R21/10599, f. 37v: Krüss an RMWEuV v. 10.2.1942. Nachforschungen in der 
SUB Bremen nach einem N1. Wegener verliefen negativ, Armin Hetzer (SUB Bremen, Referat 
Handschriften/Rara) an den Verf. v. 23.9.1998. 
484 BDC, Ordner Nr. 844 (Organisation Rosenberg: Erkennungsmarkenverzeichnis), 19: MBF- 
Verwaltungsstab v. 3.4.1941; S. 61: MBF-Verwaltungsstab v. 7.2.1942: Verwaltungsstab 103. 
488 Happel, Wissenschaftliche Bibliothekswesen, 58. 
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