1943 meldete Emrich den Zeitschriftentitel Erbe und Heimat: Westmärkische
Volkstumsblätter. Das erste Heft, von Hallier fertig gestellt und von Emrich abgenommen,
erschien Anfang 1944.398
Christmann gefiel der gewählte Titel, weil er „ein zu eng klingendes Lothringen'
oder Lothringisch'“ vermeide und geeignet sei, „auch den schmollend beiseite
stehenden Lothringer anzusprechen“.399 Eine Heimatzeitschrift für den Gesamtgau
hätte Christmann vorgezogen, aber Mittel waren nur für die Eindeutschung
Lothringens zu haben: „Jetzt ist das Kind wenigstens aus der Taufe gehoben, es
heißt ,Heimat und Erbe’ [sic]. Die besonderen Verhältnisse brachten es mit sich,
daß es einen lothringischen Paten erhalten mußte, weil die das Druckpapier
bewilligenden Stellen dem Kind andernfalls schon vor seiner Geburt das Lebenslicht
ausgeblasen hätten.“400 Die kriegsbedingten Sparmaßnahmen verhinderten,
dass sich die westmärkische Heimatzeitschrift, lothringische Partikularthemen
gänzlich hinter sich lassend, auf die nationalsozialistische Westmarkideologie
konzentrieren konnte. Christmann war sich mit Emrich einig, die thematische
Einschränkung der Erbe und Heimat so bald wie möglich aufzugeben.401 Eine nur
lothringische Zeitschrift stehe im Widerspruch zur nationalsozialistischen Politik:
„Lothringen ist Teil der Westmark, ist zum Reich zurückgekehrt und so wie die
Zeitschrift auch Lothringisches herausstellen wird, ebenso sehr wird sie den
Lothringern die übrige Westmark und das Reich vertraut machen müssen.“402 Den
westmärkischen Anspruch erfüllten die Auftaktartikel zur Erbe und Heimat. Emrich
verglich den „gegenwärtige^] Weltkampf1 mit dem historischen Grenzkampf der
Westmark, wobei er den Charakter des aktuellen Krieges „als totales Geschehen“
von der Vergangenheit abhob.403 Christmann gewahrte in der historischen Landschaft
des Westrich einen toponymischen Vorboten von Bürckels Gau.404 Mit ihm
zog Hallier historisch gleich und fand anhand des gemeinsamen Grenzlandschicksals
der Region die neu geschaffene politische Einheit des „Gaues in der
alten Landschaft des Westrich gleichsam vorgebildet“. Dabei war es Hallier
gleichgültig, ob die geschichtliche Landschaft auf der deutschen oder französischen
Seite oder geteilt beiderseits der Grenze gelegen hatte.405 Emst Drumm
beschwor die „blutsmäßige Einheit“ der Westmark.406 Die anderen Artikel der
398 HMP, G/Schriftverkehr 1944, LI: Hallier an Christmann v. 12.5.1943, cf. 5.11.1942 u. 15.2.
u. v. 13.12.1943; Wolfanger, „Nationalsozialistische Politik“, 111.
399 HMP, G/Sach 1943-44: Christmann an Hallier v. 16.10.1943.
4(10 HMP, G/Sach 1943-44: Chr[istmann] an Zint v. 21.12.1943.
401 HMP, G/Schriftverkehr 1944, LI: Christmann an Hallier v. 6.3.1944.
4IL HMP, G/Sach 1943-44, Allgemein: Christmann an Biundo v. 3.6.1943.
403 Hermann Emrich, „Erbe und Heimat“, Erbe und Heimat, 1 (1944), 2-4, hier 2, 3.
404 Christmann, „Vom Westrich“, 10.
405 Christian Hallier, „Vom gemeinsamen Grenzlandschicksal der westmärkischen Landschaften“,
Erbe und Heimat, 1 (1944), 11-14, hier 11.
406 Ernst Drumm, „Die Bevölkerung der Westmark - eine blutsmäßige Einheit“, Erbe und
Heimat, 1 (1944), 14-16.
351