Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Die Gelegenheit der Annexion und Eindeutschung Lothringens eignete sich, den 
lange gehegten Plan „einer großen volkstümlich wissenschaftlichen Heimatzeit¬ 
schrift“ zu verwirklichen. Nikolaus Fox, der schon Unsere Heimat tatkräftig unter¬ 
stützt hatte, überredete Emrich,39' die „mehr praktisch gerichteten Bestrebungen von 
Heimatschutz, Denkmalpflege und lokaler Publizistik“ aus den Westmärkischen Ah- 
handungen auszugliedem und Moos’ Heimatzeitschrift neu zu begründen,39' um 
den „Menschen an der Grenze für die nationalsozialistische Weltanschauung und 
für das großdeutsche Vaterland“ zu gewinnen. Die neue Zeitschrift solle auf die 
französischen Kultureinflüsse in Lothringen reagieren, einen Gegenpol zu den 
beliebten konfessionellen Zeitschriften des Raumes bilden und einen großen 
Leserkreis ansprechen. Mit Hilfe von Geschichte, Volks- und Sippenkunde solle 
den Lothringern ihre Familienverwandtschaft zu den Rheinländern und damit ihre 
persönliche Bindung ans Großdeutsche Reich auseinander gesetzt werden.* 394 
Die deutsche Zivilverwaltung wollte nicht hinter dem zurückstehen, „was in 
französischer Zeit durch die recht gut ausgestattete Zeitschrift für lothringische 
Volkskunde erreicht“ worden sei. Emrich beschloss, vom Lothringischen Institut 
eine neue Heimatzeitschrift herausgeben zu lassen und deren Leitung Bertram zu 
übertragen.395 Bertram stellte im September 1941 sein auf Fox’ Vorarbeiten 
aufbauendes Projekt „Westmärkische Heimat“ vor. Die neue Heimatzeitschrift, 
die zunächst nur für Lothringen gedacht war,396 397 solle zur Pflege des äußeren 
Bildes der Region beitragen und den Schulen heimatkundlichen Stoff liefern. 
Gegenüberstellungen von Saarpfalz und Lothringen hätten die zahlreichen Parallel¬ 
erscheinungen in Sprache, Brauch oder Hausform hervorzuheben. Die westmärki¬ 
sche Heimatzeitschrift solle das lothringische Selbstbewusstsein verdrängen und in 
den Lesern „unaufdringlich deutsches Denken und deutsches Fühlen“ wecken. 
Nach Bertrams Vorstellung würde sie „ein wichtiger Schrittmacher bei der Wieder¬ 
eindeutschung des gesamten lothringischen Raumes“ werden.39 
Als Bertram zur Wehrmacht eingezogen wurde, ruhte das Projekt, bis sich im 
Herbst 1942 Halber seiner annahm. Die Genehmigung der geplanten heimatkund¬ 
lichen Zeitschrift war im vierten Kriegsjahr schwieriger denn je. Erst im Mai 
1943 gab Bürckel seine Zusage, die er an Vorgaben knüpfte. Er forderte „eine 
ganz klare und scharfe Ausrichtung des Inhaltes auf den Volkstumsgedanken“. 
Schon eingegangene Manuskripte mussten überarbeitet werden. Mitte Oktober 
'92 ADM, 1W239, Wmk. Heimat: Bertram, Heimatzeitschrift v. 4,9.1941 [2]. 
393 HMP, G/Allgemein 1941-42: E[mrich] an Wentzcke v. 2.10.1940; HMP, G/Besprechungs- 
belege, Mitarbeiter: Efmrich] an Dittler im Felde v. 7.10.1940. 
394 ADM, 1W239, Wmk. Heimat: [Fox], „Die Heimat: Zeitschrift für Volkskunde und Heimat¬ 
pflege im Gau ,Westmark1“ [o. D.]. 
395 ADM, 1W239, Wmk. Heimat: Bertram, Heimatzeitschrift v. 4.9.1941 [2]. 
396 ADM, 1W237: Bertram an König v. 15.9.1941; cf. 1W239, Wmk. Heimat: Aufsätze von Dr. 
Fox für „Westmärkische Heimat“ übernommen. 
397 ADM, 1W239, Wmk. Heimat: Bertram, Heimatzeitschrift v. 4.9.1941 [3]. 
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