Pinck ging ein volkskundlicher Beitrag zum „Lothringertum“ und von Hellwig
ein Aufsatz zur „wirtschaftlichen Stellung Lothringens“ ein.386
Mit seinen lothringischen Mitarbeitern hatte Hallier weniger Glück. Hiegel lieferte
pflichtschuldig eine Abhandlung zu den „Grundtatsachen und Wesenszügen
der neueren Geschichte Lothringens (15.-18. Jahrhundert)“ ab. Aber Hallier war
unzufrieden und wollte den Beitrag umarbeiten: „Es handelt sich um eine
fleissige, aber völlig in Einzeltatsachen territorialer Art aufgehende Arbeit, die in
dieser Form zur Veröffentlichung nicht geeignet ist.“387 Hiegel hatte sich weder,
wie von Hallier gefordert, die neueste deutsche Forschung angeeignet, noch die
lothringische Territorialgeschichte auf das Reich und das gesamte deutsche Volk
ausgerichtet. Offenkundig arbeitete der Studienrat bei diesem Buchprojekt mit
dem vom CdZ bevollmächtigten Lothringischen Institut nur vordergründig zusammen,
wollte sich aber nicht der nationalsozialistischen Geschichtsinterpretation
unterordnen. So hielt er seinen Aufsatz vorsätzlich lokalgeschichtlich und
schrieb genau jene verfemte kampanilistische Geschichte, die den neuen großdeutschen
Aspekt ignorierte. Ähnlich obstruktiv mutet der mundartliche Beitrag
Boutons an. Hallier hatte von ihm „Belege für das geistige Schaffen in Lothringen
in hochdeutscher Sprache wie in der Mundart“ verlangt. Stattdessen hatte Bouton
eine Sammlung über „Biologie in lothringischen Reimen und sprichwörtlichen
Redensarten“ und sein eigens verfasstes sechsseitiges Mundartstück „Wie jeder
sine Bäl krieht hat: Ein lothringischer Schwank“ eingereicht. So etwas passte
nicht in das Konzept der Lothringenkunde.388 Fast unmerklich waren Hallier seine
lothringischen Mitarbeiter abgesprungen. Wahrscheinlich war ihr Kollaborationsangebot
nie aufrichtig gemeint gewesen. Im November 1941 wurde das Papier für
den Lothringensammelband genehmigt.389 Im Gegensatz zum Eisassbuch, dessen
Absatz gut lief, kam er aber nie auf den Markt.390
Heimatzeitschrift
Heimatzeitschriften in Pfalz und Saar hatten es seit 1933 nicht leicht. Das
Pfälzische Museum überlebte die nationalsozialistische Machtübernahme nicht und
Moos’ Unsere Heimat von 1935 wurde ab 1939 kein Papier mehr zugeteilt. In der
Moselle hatte 1937-39 Pincks Zeitschrift für lothringische Volkskunde bestanden.391
’ 6 ADM, 1W236, Mappe ,,[Lothringen]schrift“: Hallier, Entwurf des Buchprojektes; Anlage
zu Hallier an Dr. Karl Stoll (Diesterweg) v. 7.8.[1941].
387 ADM, 1W236, [Lothringen]schrift: Hallier, Entwurf des Buchprojektes, Anlage v. 7.8.
[1941]; cf. Hallier an Stoll v. 7.8.[1941].
388 ADM, 1W242, Mappe „Lorraine“: Hallier an Bouton v. 3.11.1941.
389 ADM, 1W236, [Lothringen]schrift: Stoll an Hallier v. 4.11.1941.
’90 ADM, 1W236: Diesterweg an Hallier v. 18.9.1941. Der Verlag Moritz Diesterweg GmbH &
Co in Frankfurt konnte keine Auskunft zu den Veröffentlichungen Halliers in seinem Haus
geben; Frau Kirsten Faasch an den Verf. v. 22.3.2000.
391 ADM, 1W239, Mappe „Westmärkische Heimat“: Bertram, Planung einer Heimatzeitschrift
Für Lothringen v. 4,9.1941 [1].
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