Aus Protest gegen die Verhaftung von Abbé François Goldschmitt trat Hiegel
schließlich im Herbst 1942 von seinem Posten als DVG-Ortsgruppenschulungsleiter
zurück.' Als er Anfang 1944 vom DVG-Ortsgruppenleiter zum Ortsbeauftragten
für Volkstumsfragen berufen wurde, entzog er sich, indem er die Einreichung seiner
Papiere verzögerte.378 Ende Mai 1944 wurde Hiegel an die Lehrerbildungsanstalt in
Saarburg (Sarrebourg) abgeordnet.379 Wegen des Lehrermangels war für die Tätigkeit
an einer Lehrerbildungsanstalt nationalsozialistische Gesinnung schon lange
keine Voraussetzung mehr.380 Hiegel lehnte diese Abordnung aus familiären und
forschungstechnischen Gründen ab und bat sogleich um seine Rückversetzung nach
Saargemünd. 81 * Die im Herbst 1944 in voller Auflösung begriffene deutsche Verwaltung
in der Moselle konnte schließlich Hiegels Dienstantritt an der mittlerweile
nach Kaiserslautern evakuierten Lehrerbildungsanstalt nicht mehr erzwingen.383
In der unmittelbaren Nachkriegszeit setzte sich Hiegel für den vor einem französischen
Militärgericht angeklagten Halber ein und hielt nach dessen Rückkehr
nach Frankfurt Kontakt mit ihm.383 Er blieb einer der angesehensten Historiker
der Moselle und verfasste die wichtigsten Arbeiten zur nationalsozialistischen
Kulturpolitik im annektierten Lothringen. Henri Hiegel starb am 23. Dezember
2001 in Sarreguemines.
Lothringische Resistenz
Im Sommer 1941 sammelte Halber die Artikel für seine Lothringenkunde ein. Der
erste Teil des Buches wollte die Vergangenheit schildern, sein zweiter sollte dem
nationalsozialistischen Lothringen gewidmet sein.384 Halber selbst beschrieb den
ihm gut bekannten „Kampf des deutsch-lothringischen Volkstums um seine Selbstbehauptung
in den beiden letzten Jahrhunderten (1735-1940)“. Der Direktor der
Siercker Oberschule Ludwig Martin385 steuerte einen Aufsatz über die „lothringische
Landschaft“ und Hübinger einen Artikel zu den „Grundtatsachen und
Wesenszügen der Geschichte Lothringens im Mittelalter“ bei. Von Merkelbach-37
AMSgs, Hiegel/activité politique 1940-62: Mappe „Demission de Schulungsleiter à cause
de l’incarcération de l’abbé Fr. Goldschmitt“; H. Hiegel, „Comment“, 5.
378 AMSgs, Hiegel/activité politique 1940-62: DVG-Saargemünd an Hiegel v. 16.3.1944.
379 AMSgs, Hiegel/enseignement 1940-44: Wambsganß an Hiegel v. 29.5.1944; cf. Schneider,
„Nécrologie“, 97.
38(1 Harald Scholtz, „Politische und gesellschaftliche Funktionen der Lehrerbildungsanstalten
1941-1945“, Zeitschrift für Pädagogik, 30 (1983), 693-709, hier 705; cf. H. Hiegel,
„Comment“, 5.
'8I AMSgs, Hiegel/enseignement 1940-44: Hiegel an RStH-Abt. Vb/Päd I-P v. 13.6.1944.
'82 AMSgs, Hiegel/enseignement 1940-44: Otto Löhr (LBA Saarburg) an Hiegel v. 7. u. 23.
10.1944.
383 AMSgs, Hiegel/correspondance historique, Halber: passim.
384 ADM, 1W239: Die Westmark.
385 H. Hiegel, „L’enseignement“, 231.
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