Full text : Volk, Reich und Westgrenze

forscher  hatte  er  lockeren  Kontakt  zur  deutschen  Wissenschaft;  er  korrespondierte
gelegentlich  mit  dem  ELI  in  Frankfurt  und  war  1934  einmal  zur  WFG  eingeladen.367
Zu  Kriegsbeginn  wurde  er  zur  französischen  Armee  eingezogen.  Ende  September
1940  kehrte  er  in  seine  lothringische  Heimat  zurück,  in  der  er  wieder  Lehrer  am
Gymnasium  von  Saargemünd  wurde.  Um  die  lothringischen  Lehrer  schneller  ins
Deutsche  Reich  zu  integrieren,  versetzten  die  deutschen  Schulbehörden  Hiegel
wie  viele  seiner  lothringischen  Kollegen  für  das  Jahr  1942  in  die  Saarpfalz.368  Ihm
blieb  die  Einberufung  zur  deutschen  Wehrmacht  erspart,  in  die  ab  1942  die  jüngeren
  lothringischen  Jahrgänge  gezwungen  wurden.
Wie  fast  alle  Lothringer,  die  im  Lande  bleiben  wollten,  ließ  sich  Hiegel  in  die
Deutsche  Volksgemeinschaft  (DVG)  eintragen  und  wurde  Schulungsleiter  der  Saargemünder
  Ortsgruppe  „Dr.  Roos“,369  Die  einzige  NS-Organisation,  der  Hiegel  angehörte,
  war  der  Nationalsozialistische  Altherrenbund  der  deutschen  Studenten.370
Vom  Saargemünder  Kreisleiter  Eduard  Kern  wurde  Hiegel  in  die  lokale  Kulturpolitik
  der  DVG  eingespannt.  Die  Versuche  der  deutschen  Verwaltung,  ihn  zum
Beitritt  in  die  NSDAP  zu  bewegen,  konnte  er  abwehren,371 *  Von  der  NSDAP-Westmark
  wurde  er  im  Januar  1941  für  drei  Wochen  mit  anderen  Lothringern  zu
einem  politischen  Lehrgang  auf  die  Gauschulungsburg  von  Annweiler  geschickt.377
Der  NSZ  Westmark  trug  er  gelegentlich  Artikel  bei.373  Zur  vom  Lothringischen
Institut  realisierten  Gauheimatzeitschrift  wurde  Hiegel  ebenfalls  herangezogen.374
Schließlich  brachte  er  seine  regionalhistorischen  Kenntnisse  in  einige  offizielle
Schulungslehrgänge,  einmal  sogar  vor  Mitgliedern  des  Sicherheitsdienstes  der  SS,
ein.  Doch  wurde  er  selten  gebeten;  die  ideologische  Linie  seiner  Geschichtsvorträge
war  bei  den  Deutschen  nicht  sehr  gefragt.3  "  Für  die  NS-Propaganda  eigneten  sie
sich  nur,  wenn  sie  in  der  Presseberichterstattung  verfälscht  worden  waren.376

AMSgs,  Hiegel/enseignement  1940-44:  Hiegel,  Lebenslauf  v.  8.9.1940;  PAAA,  R60272,
f.  E061874:  Tagung  der  RFG  [=  WFG]  in  Saarburg  v.  26.-28.9.1934.
368  AMSgs,  Hiegel/enseignement  1940-44:  Fr.  Christmann  an  Hiegel  v.  17.12.1941  u.  4.12.
1942.
369  AMSgs,  Hiegel/activité  politique  1940-62:  DVG-Kreis  Saargemünd,  Ausweis  Nr.  47  v.
14.8.1941.
370  AMSgs,  Hiegel/enseignement  1940-44:  Hiegel  an  DVG-Saargemünd  v.  19.7.1942;  Mg.-Nr.
98  391.
71  H.  Hiegel,  „Comment“,  5.
37^  AMSgs,  Hiegel/activité  politique  1940-62:  NSDAP-Saarpfalz  an  Hiegel  v.  31.1.1941;  „O,
ich  armer  Lothringer  Bur!“  NSZ  Westmark,  Beilage  Unsere  Heimat  (3.2.1941).
37'  AMSgs,  Hiegel/activité  littéraire  1940-44:  passim.
374  AMSgs,  Hiegel/activité  littéraire  1940-44:  Fox  an  Hiegel  v.  8.12.1940,  Halber  (LI)  an
Hiegel  v.  1.6.1943;  [H.]  Hiegel  „Heimatforschung“,  62-63;  HMP,  G/Besprechungsbelege,  LI:
Halber  an  Christmann  v.  4.3.1942.
75  H.  Hiegel,  „Comment“,  4;  AMSgs,  Hiegel/activité  littéraire  1940-44:  Auflistung  v.  Hiegel,
ca.  1942:  Vorträge,  gehalten  von  H.  Studienrat  Hiegel  über  lothringische  Geschichte;  cf.
Halber  (LI)  an  Hiegel  v.  7.  u.  19.3.1942.
376  AMSgs,  Hiegel/activité  politique  1940-62:  „Der  tausendjährige  Kampf  um  Lothringen“,
Saarbrücker  Zeitung  (  18.3.1941),  Randbemerkung  Hiegels:  „Inventé  de  toutes  pièces“.

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