Full text : Volk, Reich und Westgrenze

vor  allem  darauf  ankommen,  den  territorial-lothringischen  Gesichtspunkt  mit  dem
der  allgemeinen  Reichspolitik  in  den  richtigen  Einklang  zu  bringen.  Unter  den
erstgenannten  Gesichtspunkt  fallen  die  wichtigsten  Tatsachen  der  territorialen
Entwicklung  in  Lothringen,  wobei  insbesondere  auf  das  lothringische  Sonderbewusstsein
  und  dessen  politische  Auswirkung  in  dem  langen  Selbstbehauptungskampf
  gegen  die  französische  Eroberungspolitik  Wert  zu  legen  ist.  Unter  dem
zweiten  Gesichtspunkt  steht  an  erster  Stelle  die  Bedeutung  des  lothringischen
Raumes  im  Zusammenhang  mit  der  deutschen  Westgrenze  und  deren  Verteidigung
  durch  das  Reich,  desgleichen  die  politischen  und  dynastischen  Fäden,  die
Lothringen  und  sein  Herzogshaus  bis  ins  18.  Jahrhundert  mit  Kaiser  und  Reich
verbanden.“364  Mit  diesen  Auflagen  setzte  Hiegel  sich  an  den  Schreibtisch.
Henri  Hiegel
Henri  Hiegel  war  einer  der  wenigen  lothringischen
Historiker,  die  -  wenn  auch  kaum  fruchtbar  -  mit
den  deutschen  Behörden  zusammenarbeiteten.  Am
25.  Oktober  1910  in  Saargemünd  (Sarreguemines)
geboren,  war  er  als  Einwohner  des  Reichslands
Elsass-Lothringen  Deutscher  und  lernte  die  ersten
zwei  Schuljahre  an  einer  deutschen  Schule.  Nach
der  Rückkehr  der  Moselle  zu  Frankreich  wurde  er
1918  Franzose.  Er  schloss  seine  schulische  Ausbildung
  am  Lycée  von  Sarreguemines  ab  und  studierte
an  der  Universität  von  Nancy  Geschichte  bei  Robert
Parisot  und  André  Gain.  Seine  Diplomarbeit  verfasste
  er  zur  mittelalterlichen  und  frühneuzeitlichen
Geschichte  seines  Heimatortes  Sarreguemines.365  Hiegel  wurde  Lehrer  für  Geschichte
  und  Erdkunde  und  kehrte  1937  an  das  Lycée  von  Sarreguemines
zurück.366  Er  war  Vorstandsmitglied  des  Vereins  für  lothringische  Volkskunde  und
Schriftführer  der  Ortsgruppe  Sarreguemines  der  SHAL.  Als  ostlothringischer  Lokal-Abb.

  6:  Henri  Hiegel  1941

164  AMSgs,  Hiegel,  activité  littéraire  1940-44:  Hallier  (LI)  an  Hiegel  v.  23.5.1941.
365  Henri  Hiegel,  La  châtellenie  et  la  ville  de  Sarreguemines  de  1335  à  1630,  préf.  André  Gain,
Mémoires  des  Annales  de  l’Est,  3  (Paris:  Berger-Levrault,  1934).
366  François  Roth,  „Henri  Hiegel  (1910-2001),  un  historien  de  l’est  mosellan“,  Annales  de  l'Est,
52  (2002),  295-97;  René  Schneider,  „Nécrologie:  Henri  Hiegel  (1910-2001)“,  Les  cahiers
lorrains  (2002),  n°  1,  96-97;  Eugène  Voltz,  „Henri  Hiegel  (1910-2001)“,  Mémoires  de  l’Académie
  nationale  de  Metz,  15,  sér.  7  (2002),  41-59  mit  einer  13-seitigen  Bibliographie;  David
Hopkin,  „Identity  in  a  Divided  Province:  The  Folklorists  of  Lorraine,  1860-1960“,  French
Historical  Studies,  23  (2000),  639-82,  hier  673-74;  Henri  Hiegel,  „Comment  je  suis  devenu
l’historien,  le  toponymiste  et  un  professeur  d’histoire  locale  de  Sarreguemines,  de  la  Lorraine
germanophone  et  du  département  de  la  Moselle“,  Confluence:  Revue  de  l’Association  pour  le
développement  et  l'animation  des  archives  (1996),  1-13.

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