er, dass nach Ende des Frankreichfeldzuges 1940 die nach Südfrankreich verschickten
Elsässer „vollständig“ zurückgekehrt seien, was für ihn „ein überzeugenderer
Volksentscheid“ gewesen sei „als der Rummel des Spätjahres 1918“.350
Ganz abgesehen davon, dass der CdZ im Eisass politisch und rassisch verfemten
Elsässern die Rückkehr verweigerte, zog es 1940 über ein Drittel der Evakuierten
(150 000 Elsässer) vor, inmitten einer nicht selten feindlich gesinnten südwestfranzösischen
Bevölkerung in Notunterkünften auszuharren, als sich mit den deutschen
Faschisten einzulassen.'-1 In Halliers Auseinandersetzung mit Frankreich
brach sich immer wieder sein Antisemitismus Bahn. Mit seinen Anschuldigungen
gegen „welsche Treulosigkeit und Hinterhältigkeit“ und mit der wiederholten
Behauptung eines französischen ,,Vernichtungswille[ns] gegen alles Deutsche“352
schürte er die Franzosenfeindschaft und rechtfertigte indirekt die nationalsozialistische
Vertreibungs- und Germanisierungspolitik. Im Mai 1941 war die
Eisasskunde fertig gestellt. Indes die hastige Drucklegung verantwortete viele
Fehler, nicht nur Schreibfehler: Eine Abbildung altelsässischer Tracht zeigte einen
mit einer trikoloren Kokarde, den Farben des jakobinischen Feindes, geschmückten
Sommerhut.353 Niemandem fiel dieser faux pas auf, nicht einmal dem Propagandaministerium,
das das Elsass-Buch freigegeben hatte.354
Regionale Geschichtsforschung
Im Anschluss an die Eisasskunde wollte Halber bei Diesterweg einen entsprechenden
Lothringen-Band mit dem Titel Lothringen: Westmark des Reiches
herausgeben. 355 Hierfür und zur Unterstützung des Lothringischen Instituts suchte
er die Mitarbeit lothringischer Regionalforscher.356 Mitte Mai 1941 nahm er sich
ein Wochenende Zeit und fuhr am Samstag mit der Bahn nach Saargemünd
(Sarreguemines). Am Bahnhof erwartete ihn Studienrat Henri Hiegel, mit dem
Halber den kommenden Sonntag besprach und anschließend zusammen mit Konservator
Keuth und einem SS-Mann ins Bitscher Land aufbrach.357 Am Sonntag
traf er Hiegel wieder und zwei weitere Lothringer, Hauptlehrer Charles Bouton
350 Halber, „Zur elsässischen Frage“, 59, 66-67, 71, cf. 59-64, 68-69.
351 René Meyer, „L’évacuation, une tragédie frontalière“, Saisons d’Alsace, 33 (1989), n° 105, 37-137,
hier 106, cf. 78; Harbulot, „Région de Nancy“, 73 n.; AAE, France 112: IEES in Moutaines-le-Haut
v. 4.6.1940, n° 3562: „La situation des Alsaciens repliés dans les départements de la Dordogne
et de la Haute-Vienne“: „[...] les Alsaciens sont traités couramment de Boches et on leur reproche
de fournir des éléments à la 5e Colonne“; n° 3563: „Moral de l’Alsace (symtômes à relever)“.
352 Halber, „Elsässisches Volkstum“, 91, 94, cf. 97.
3^' Bouchholtz, „Vom Volkstum“, auf 128 folgend.
354 ADM: 1W236: Dr. K. Bohrer (Diesterweg) an Halber v. 23.7.1941.
355 ADM, 1W236: Vereinbarung zwischen Halber u. Diesterweg v. 12.7.1940; cf. ADM,
1W239: Die Westmark: Der schöne Gau an der Westgrenze des Reiches, Ms. des 2. Teils:
Heimgekehrtes Lothringen.
356 AMSgs, Hiegel/activité littéraire 1940-44: Halber (LI) an Hiegel v. 25.4. u. v. 16.5.1941.
357 Eintrag Henri Hiegels in sein „Journal personel“ am 18.5.1941, im persönlichen Besitz von
Charles Hiegel.
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