stellte, war allerdings eine Eisasskunde, die er schon im Sommer 1940 mit dem
Frankfurter Verlag Diesterweg vereinbart hatte.3'7 Der Sammelband sollte das
deutsche Gefühl der Elsässer stärken und die Einsatzbereitschaft zur Grenzarbeit
wecken.337 338 Er trug den Titel Das Elsaß: Deutsches Kern- und Grenzland. Den inneren
Widerspruch zwischen der Definition des Elsasses als deutsche Zentral- und als
Randlandschaft löste Hallier historisch: Seit frühesten Zeiten „germanischer
Volksboden und Kernland des alten deutschen Kaiserreiches“,339 sei das Eisass, das
im Mittelalter zum politischen und geographischen Zentrum des Heiligen Römischen
Reiches gehört habe, erst in der Neuzeit eine periphere Landschaft geworden:
„Aus dem Kemland wurde ein Grenzland des Reiches!“340
Hallier hatte einige reichsdeutsche Eisassforscher zur Mitarbeit herangezogen.
Der spätere Leiter der archäologischen Güteraufbewahrung in Metz Dr. Paul Hans
Stemmermann schrieb eine rassische Vor- und Frühgeschichte der Westgrenze.341
Statt gegen Frankreich, das nach der Niederlage 1940 als Gegner nicht mehr ernst
genommen wurde, eiferte Wentzcke in seinem Artikel nun gegen andere Feindstaaten.
Er gab England „die größte und schwerste Schuld am völligen Verlust der
Oberrheinlande“, die 1714 durch den „Verrat der beiden germanischen Seemächte,
Englands und der Niederlande“343 dem Reich geraubt worden seien. Wentzcke
hing nicht der Oncken-These an, sondern nahm die Unterschiede politischer
Konstellationen und Ansprüche in den verschiedenen Jahrhunderten der deutschfranzösischen
Geschichte wahr.343 Die Mitarbeit von SS-Standartenführer Hermann
Bickler war nicht die erste Wahl Halliers gewesen.344 In seiner Geschichte der
Elsaß-Lothringischen Jungmannschaft gab Bickler den polizeilichen Verfolgungen
und seiner eigenen Inhaftierung in Nancy viel Raum.343 Wie anders Fritz
Bouchholtz’ (1888-1972) Liebeserklärung an das Eisass. Zwar betonte er, dass
sich die Elsässer in ihrer auf dem Lande blutmäßig unverfälschten Art und im
337 ADM, 1W236: Vereinbarung zwischen Hallier u. Diesterweg v. 12.7.1940.
138 Christian Hallier, „Vorwort“, Das Elsaß: Deutsches Kern- und Grenzland, Hg. id.
(Frankfurt, M.: Diesterweg, 1941) [iii-iv].
”9 Christian Hallier, „Elsässisches Volkstum im Selbstbehauptungskampf gegen den Westen“,
Das Elsaß: Deutsches Kern- und Grenzland, Hg. id. (Frankfurt, M.: Diesterweg, 1941), 81-102,
hier 87.
340 Hallier, „Elsässisches Volkstum“, 82, cf. 81; Hallier, „Zur elsässischen Frage“, 66.
,41 Paul H[ans] Stemmermann, „Die germanische Landnahme im Elsaß“, Das Elsaß: Deutsches
Kern- und Grenzland, Hg. Christian Hallier (Frankfurt, M.: Diesterweg, 1941), 19-31, hier 24;
cf. Paul Hans Stemmermann, „Vorgeschichte in Lothringen: Aufgaben und Aufbau der deutschen
Vorgeschichtsforschung in Lothringen“, Westmärkische Abhandlungen zur Landes- und
Volksforschung, 4 (1940), 105-25.
342 Paul Wentzcke, „Das Elsaß im Reich“, Das Elsaß: Deutsches Kern- und Grenzland, Hg.
Christian Hallier (Frankfurt, M.; Diesterweg, 3 941), 35-53, hier 48-49.
343 Wentzcke, „Elsaß im Reich“, 44.
344 Bickler fehlte auf Halliers erstem Entwurf zum Inhalt der Eisasskunde; ADM, 1W236.
343 Hermann Bickler, „Aus den Jahren der Entscheidung: Brief eines elsässischen Kämpfers für
Volkstum und Heimat“, Das Elsaß: Deutsches Kern- und Grenzland, Hg. Christian Hallier
(Frankfurt, M.: Diesterweg, 1941), 103-12.
342