daher als unnötig.331 Nicht die Behandlung des geschichtlichen Stoffes, sondern
seine Auswahl sollte den Leser ideologisch beeinflussen.
Ramsauer selber führte in „das lothringische Verhältnis zum Reich, seine Reichstreue
in Zeiten der Reichsstärke und seine Hinkehr zum Westen in einer Zeit der
Reichsschwäche“ ein.332 Sein Artikel „Die Westmark und das Reich“ rechtfertigte
die nationalsozialistische Annexions- und Germanisierungspolitik in der Moselle
mit historischen und aktuellen Argumenten. 1940 sei die „deutsche Westgrenze“
„in Fluß gekommen“ und würde „vom Reich neu festgelegt“. Einzig „das Lebensrecht
und die geistige Stärke des Reiches und Volkes“ bestimme nunmehr die
neue „Ordnung der westlichen Grenzmark des Reiches“. Durch die „innere Neuordnung
des Raumes“, ein Euphemismus für die Vertreibungen, würde das französische
Element beseitigt. Romanisch-französische Kultur und Menschen sollten
sich hinter die Linie früherer Jahrhunderte zurückziehen und damit deutschen
Kolonisten Platz machen. Der Kardinalfehler des Kaiserreiches, die „begriffliche
Dogmatisierung der ,Sprachgrenze“4, würde nicht wieder begangen, Rücksicht
auf völkerrechtliche Grenzen nicht genommen:33' „Das Reich fordert[,\ was ihm
zusteht.“ Perfide legitimierte Ramsauer die Volkstumspolitik Bürckels, die Westverschiebung
der Staatsgrenze, die Vertreibungen der französischsprachigen Bevölkerung,
die Eindeutschungen der Topo- und der Anthroponyme, die Ausrichtung
der lothringischen Kultur und Geschichtsschreibung auf das Deutsche Reich
und die Zerstörung jeglichen lothringischen Selbstbewusstseins. Reklamationen
verwies Ramsauer an den Westen. Die Schuld an kulturellen Brüchen in der Vergangenheit
und damit an aktuellen Unbilden trage Frankreich, das als negativer
Integrationsfaktor die historische Gemeinsamkeit der Pfalz, des Saarlandes und
Lothringens begründe: Aus der „Abwehr französischer Hegemonialwünsche“ und
im erlittenen Martyrium sei die „Westmark“ erwachsen.334 Ab 1941 zeichneten
Emrich, Christmann und Halber für die Westmärkischen Abhandlungen. Der
eigentliche Herausgeber, welcher die eingehenden Beiträge ordnete und zu einem
geschlossenen Band formte, war Halber.335
Eisasskunde
Die gesamte Forschung in der annektierten Moselle blieb Reichsdeutschen Vorbehalten.336
Für lothringische Regionalgeschichte war ausschließlich das Lothringische
Institut zuständig. Das erste Geschichtsbuch, das Halber in Metz zusammen¬331
HMP, G/Allgemein 1941-42: Ramsauer an Schoenstedt v. 17.9.1940; cf. Friedrich Schoenstedt,
„Konrad von Scharfenberg“, Westmärkische Abhandlungen zur Landes- und Volksforschung,
4 (1940), 9-21.
532 HMP, G/Allgemein 1941-42: Ramsauer an Just v. 1.10.1940.
333 Ramsauer, „Westmark und Reich“, 5-7.
334 Ramsauer, „Westmark und Reich“, 6; cf. Rödel, „Behörde“, 291.
335 HMP, G/Allgemein 1941-42: Chr[istmann] an G. A. Bergmann (Saarbrücken) v. 4.2.1942.
H. Hiegel, „La germanisation“, 88.
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