Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Institutsausstattung
Bevor  sich  Hallier  aber  der  kulturellen  Eindeutschung  Lothringens  oder  wissenschaftlichen
  Fragen  widmen  konnte,  belegten  ihn  fachfremde  Pflichten  mit  Beschlag.
  Als  Unterkunft  für  das  Lothringische  Institut  hatten  Emrich  und  Ramsauer
ein  zentral  gelegenes,  repräsentatives  und  geräumiges  Haus  ausersehen,  das  vor
der  Annexion  Sitz  einer  französischen  Partei  gewesen  und  im  November  1940
seinem  geflohenen  Besitzer  entwendet  worden  war.303  Im  März  1941  begannen
„in  verhältnismäßig  großem  Stil“  die  Umbauarbeiten.304 305  Der  CdZ  hatte  32  000
Reichsmark  für  die  Instandsetzung  und  Inneneinrichtung  und  weitere  15  000
Reichsmark  für  die  Bibliothek  bewilligt.'0'  Reichsbehörden  und  Gauleitung
steckten  viel  Geld  in  das  neue  Renommierobjekt  der  reichsdeutschen  Wissenschaft
  im  annektierten  Lothringen.  Eine  Zentralheizung  wurde  eingebaut  und  im
Erdgeschoss  ein  hundert  Sitzplätze  umfassender  Vortragsraum  eingerichtet.  In
den  beiden  Stockwerken  entstanden  große  Büros  und  eine  Dunkelkammer.  Im
Dachgeschoss  wurden  drei  Fremdenzimmer  und  eine  Hausmeisterwohnung  ausgebaut
  und  das  Treppenhaus  wurde  durch  eine  großzügige  Eichentreppe  neu
gestaltet.  Als  Hallier  1942  über  das  Vermögen  der  SH  AL  verfügte,  konnte  das
Lothringische  Institut  das  Gebäude  Ende  des  Jahres  sogar  kaufen.306  Für  Wissenschaft
  und  Eindeutschungsmaßnahmen  waren  in  den  annektierten  Gebieten
während  des  Krieges  Mittel  vorhanden,  von  denen  Institutionen  im  Altreich  noch
nicht  einmal  zu  träumen  wagten.
Noch  vor  Hallier  war  im  Februar  1941  Dr.  Otto  Bertram  von  der  Kaiserslauterer
Wörterbuchkanzlei  ans  Lothringische  Institut  abgeordnet  worden.307  Er  blieb  nur
das  Jahr  1941  in  Metz.  Als  dritten  fest  angestellten  Wissenschaftler  beheimatete
das  Lothringische  Institut  1943/44  Overbeck.308  Weitere  Wissenschaftler  hielten
sich  zeitweilig  am  Lothringischen  Institut  auf.  Christmann  ging  1940/41  mit  der
HfL  Saarbrücken  nach  Metz-Montenich  (Montigny-les-Metz)  und  half  bei  der
Flurnamenforschung  des  Instituts  mit.  Als  er  im  September  1941  das  Kaiserslauterer
  Schwesterinstitut  übernahm,  pflegte  er  mit  Hallier  regen  Austausch  und  besuchte
  oft  das  Metzer  Institut.309  Brauns  Mittelstelle  Westmark  sollte  ursprünglich

303  In  der  Bankstraße  20  (20,  En  Nexirue);  ADM,  1W208:  Städtisches  Wohnungsamt  Metz  an  Spl
v.  7.11.1940;  cf.  [Ramsauer]  Denkschrift  [Herbst  1940],  2-3;  Wolfanger,  „Nationalsozialistische
Politik“,  111.  Heute  hat  in  diesem  Gebäude  die  Académie  nationale  de  Metz  ihren  Sitz.
304  HMP,  G/Besprechungsbelege,  Mitarbeiter:  [Emrich]  an  Mitarbeiter  des  Wml  v.  10.4.1941.
305  ADM,  1W208:  Ramsauer  an  Rech  (Außenstelle  Metz)  v.  28.1.1941;  cf.  Ramsauer  an  Dahlgrün
(CdZ)  v.  28.1.1941;  Ramsauer  an  Westermann  (Beauftragter  der  HK  in  Metz)  v.  9.12.1940.
306  Hallier,  „Tätigkeitsbericht“,  393,  391.
07  Hallier,  „Tätigkeitsbericht“,  393,  391.
308  H.  Hiegel,  „L’historiographie  française“,  150.  Gilbert  Cahen,  „Archives  départementales  de
la  Moselle:  Répertoire  numérique  détaillé  des  sous-séries  1  W  et  2  W:  Fonds  des  organismes
allemands  de  l’annexion  de  fait,  1940-1944:  Administrations  (1  W),  parti  et  entreprises  (2  W)“,
ms.,  St-Juliens-lès-Metz,  1994,  40  n.
309  Cf.  HMP,  G/Sach  1943-44:  Christmann  an  Emrich  v.  19.5.1943.

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