Lothringen wegradiert.283 Als Mitglied des ELI, im Frühjahr 1940 einer der
wichtigsten Informationspools für die deutsche Westpolitik, war Hallier frühzeitig
über die Pläne für getrennte Zivilverwaltungen unterrichtet.284 Nach dem deutschen
Sieg im Frankreichfeldzug nahm Hallier in zwei Artikeln Hitlers Entscheidung
zur Teilung des früheren Reichslandes vorweg. Er hatte die Artikel „darauf
abgestimmt, dem Leser klar zu machen, warum die künstliche Einheit des ehemaligen
Reichslandes [...] übergeordneten Gesichtspunkten weichen“ müsse.285 Die
„re[i]chsländische Notlösung von 1871“ dürfe nicht wiederholt werden. Hallier
wollte das Eisass und Lothringen ebenfalls an die benachbarten deutschen Landschaften
angliedern, „zu denen sie aus natürlichen und geschichtlichen Gründen“
gehörten.286 Die beiden Ufer des Rheins würden von Menschen „germanischen
Geblüts“ bewohnt. Die volkskundlich verwandten Regionen Baden und Eisass
seien dem oberrheinischen Raum „unlöslich verbunden“. Nur durch die französische
Ausdehnungspolitik sei am Rhein eine völkisch, kulturell, historisch und
wirtschaftlich unnatürliche Grenze entstanden, womit dem Eisass großer Schaden
zugefügt worden sei. Das „Grossdeutsche Reich“ füge Baden und Eisass wie zwei
„Hälften eines herrlichen Apfels“ wieder zusammen.287 Den „Apfel“ ließen sich
die Nationalsozialisten schmecken.
Die Moselle wies Hallier der „Seite des benachbarten saarpfälzischen Gebietes“
zu. Mit Etiketten wie das „Lothringisch-Westpfälzische Hügelland“ konstruierte
Hallier eine geographische Einheit. Louis Pinck und Merkelbach-Pinck wurden
als Zeugen für das „unversehrt erhalten[e]“ deutsche Volkstum der Moselle aufgerufen.
Schwieriger gestaltete sich Halliers Argument eines historischen Zusammenhangs
Lothringens mit Saar und Pfalz. Die Geschichte der Grafschaften
Nassau-Saarbrücken und Pfalz-Zweibrücken und der Landschaft Saarwerden
bildete eine so dünne Beweisdecke, dass Hallier auf die Einheit zwischen Ost¬283
„Der Bindestrich“, Metzer Zeitung am Abend (13.9.1941); zit. nach Der Bund der Elsaß-Lothringer
im Reich am Ziel: Die Vertretertagung in Straßburg und Metz am 13. und 14. September
1941, für den Inhalt verantwortl. Karl Brill (Straßburg: Straßb. Neueste Nachrichten,
1941), 32; J. M. Deutsch, „Lothringische Feierstunde in Metz“, ibid., 19: „Der Bindestrich fällt
weg. Das Elsaß und Lothringen trennen sich - und finden sich damit enger und fester in der
gesamten Einheit des deutschen Volkes.“ Cf. R. Ernst, „Aus dem Bericht“, 7. Im Herbst 1940
verbot ein nicht veröffentlichter Erlass des RMWEuV die weitere Benutzung der Bezeichnung
„Elsaß-Lothringen“; UAHd, 1/105: RMWEuV an Unterrichtsverwaltungen der Länder v.
26.9.1940.
284 ADM, 1W234: Hallier an Kaußler v. 9.8.1940: „Die jüngst veröffentlichte Verfügung über
Einrichtung der Zivilverwaltung in den beiden Gebieten - es wird übrigens schon seit Wochen
danach gearbeitet - zeigt ja, in welcher Richtung der Weg geht.“ Cf. GStAPK, Rep. 178/VII,
3A5, II, f. 28: Metz, WFG-Bericht v. 24.10.1941.
285 ADM, 1W234: Hallier an Hagenmeyer (Korrespondenz-Verlag) v. 22.7.1940: Gleichzeitig
sandte er je einen Durchschlag an das Frankfurter Volksblatt und die Münchener Neuesten
Nachrichten; cf. Hagenmeyer an [Hallier] v. 1.8.1940, Hallier an Hagenmeyer v. 17.7.1940;
Christian Hallier, „Zur elsässischen Frage“, Das Elsaß: Deutsches Kern- und Grenzland, Hg.
id. (Frankfurt, M.: Diesterweg, 1941), 57-72, hier 65.
286 ADM, 1W234: Hallier an Kaußler v. 9.8.1940.
287 ADM, 1W234: [Hallier] „Das Eisass: Deutsches Land am Oberrhein“, Ms. [o. D.], 1, 3.
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