Ausschlag gegeben haben. Vier andere Eigenschaften müssen Halber in Bürckels
Augen für den Metzer Posten befähigt haben: Zuerst hob sich Halber durch sein
Expertenwissen über Lothringen ab; Bürckels autokratischer Zug scheint nicht so
ausgeprägt gewesen zu sein, dass er immer auf Fachwissen verzichtet hätte.276
Zweitens erfüllte Halber das Lokalprinzip,27 nach dem in der Westmark nur mit
dem Gau verbundene Männer Anstellung finden sollten; er war immerhin in
Lothringen geboren und aufgewachsen. Drittens glich Halber in seinen wissenschaftlichen
Arbeiten seine Parteilosigkeit durch eine ideologische Annäherung
an nationalsozialistische Programmpunkte aus. Aber vor allen Dingen stimmte
Halber der Aufteilung des ehemaligen Reichslandes Elsass-Lothringen und dem
Anschluss des ehemaligen Bezirks Lothringen an den Gau Bürckels zu.
Halber hatte im Verlauf des Jahres 1940 keine Gelegenheit ausgelassen, seine
Sachkenntnis zu Elsass-Lothringen unter Beweis zu stellen und die NSDAP seiner
politischen Loyalität zu versichern. Im April hielt er einen Vortrag zu „Wirkung
und Gegenwirkung der französischen Revolution im rheinischen Raum“,278 in dem
er Onckens Gegensatzpaar Tradition-Revolution aufgriff. Frankreich verkörperte
bei Halber den revolutionären Part, während Deutschland als Traditionsträger
auftrat.279 Positiv aufgefallen war ohne Frage, dass er sich hierin auf Alfred
Rosenbergs Rede „Ein deutscher Revolutionskrieg“ bezog, in der der Reichsleiter
die deutsche Terrorpobtik im besetzten Europa mit der Verbreitung der Idee bürgerlicher
Gleichheit durch die Heere der Französischen Revolution verglichen
hatte.280 Halber sandte im Mai 1940 Anrich in die Bundesgeschäftsstelle des VDA
eine „Ausarbeitung über den dauernden blutsmässigen Zusammenhang des Elsasses
mit dem übrigen deutschen Volk“ und im Juli eine Abhandlung über den „Einfluß
der Bourgeoisie auf die politische Haltung der Elsässer und Lothringer“.281
Gauleiter Bürckel wollte das Reichsland Elsass-Lothringen nicht wieder erstehen
lassen. Um die Elsass-Lothringer schneller zu assimilieren, bat er Hitler, die französischen
Ostprovinzen unter den nationalsozialistischen Nachbargauen Baden
und Saarpfalz aufzuteilen.282 Das „Zeichen des Bindestriches“ wurde aus Elsass-Fenske,
„Pfälzische NSDAP“, 358.
Hausmann stellte in seinem Vortrag „L’enseignement“ für die Berufungspolitik der RU
Straßburg ein Lokalprinzip fest.
~ 8 ADM, 1W236: Einladung zum 18.4.1940, cf. Fritz Textor an Halber v. 2.2.1940.
' 7 ADM, 1W236: Halber, Einleitung [zu „Rheinlande und die französische Revolution“].
“8(l ADM, 1W236: Halber, „Die Rheinlande und die französische Revolution“, Ms. [o. D.], 2;
cf. ADM, 1W242, Mappe „France“; BABL, NS8/87, f. 124: Zeitungsdienst-Deutschlanddienst
(Berlin) v. 5.4.1940: ,„Wir stehen unter dem Gesetz der nationalen Ehre1: Alfred Rosenberg
sprach in Hannover: Am Ende dieses Ringens: ein neues Europa“, eigener Bericht, Hannover
4.4.1940; BABL, NS8/36: Reden des Reichsleiters Rosenberg, f. 12: 4.4.1940 Hannover,
Großkundgebung der Partei, Thema „Neuordnung der Völker“.
281 ADM, 1W236: Halber an Anrich v. 31.7.1941.
'8" Bürckel an Hitler v. 15.6.1940; zit. nach Vautours, 14-15.
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