Full text : Volk, Reich und Westgrenze

gestellt  seien.236 *  Ende  August  1940  rief  Zipfel  alle  Staatsarchivare  aus  Westdeutschland
  und  den  besetzten  Westgebieten  nach  Berlin,  um  das  wissenschaftliche  Westprogramm
  der  Archivverwaltung  vorzustellen.2'"  Mit  den  Einsätzen  der  deutschen
Staatsarchivare  im  Archivschutz  der  besetzten  Länder  sei,  meldete  Zipfel  stolz,
„die  Grundlage  für  die  Auswertung  der  fremden  Archive  im  Interesse  der  deutschen
wissenschaftlichen  Forschung  geschaffen.“  Sein  Westprogramm  enthalte  „Themen
von  besonderer  nationalpolitischer  und  wissenschaftlicher  Bedeutung“,  die  alle
geeignet  seien,  die  historische  Hoheit  des  Reiches  über  Westeuropa  zu  bestätigen:
„Dabei  gilt  es,  den  engen  territorialen  Blickpunkt  endgültig  aufzugeben  und  die
Arbeiten  auf  den  alten  volklichen  Grundlagen  ohne  Rücksicht  auf  die  politischen
Grenzen  aufzubauen.“  Womit  Zipfel  alle  inner-  und  zwischenstaatlichen  Beschränkungen
  hinter  sich  gelassen  hatte.23*
Für  die  Westmark  waren  vor  allem  Sante  und  Ruppel  als  wissenschaftliche  Bearbeiter
  vorgesehen.  Sante  sollte  die  „Geschichte  des  saarpfalzisch-lothringischen
Raumes  im  Rahmen  des  alten  Reiches“  als  „historische  Unterlage  für  den  kommenden
  Reichsgau  Saarpfalz-Lothringen“  bearbeiten2'4  und  Ruppel  die  Herausgabe
  von  Urkunden  und  Regesten  zur  Geschichte  Lothringens  im  14.  Jahrhundert
fortsetzen,  mit  der  er  1914  von  der  Gesellschaft  für  lothringische  Geschichte  und
Altertumskunde  betraut  worden  war.  Weiter  war  Ruppel  die  „Geschichte  des
Herzogtums  Lothringen  und  Bar  bis  1735“,  der  „Kampf  der  Franzosen  gegen  die
deutsche  Muttersprache  im  Gebiet  der  lothringischen  baillage  d’Allemagne  und  in
den  lothringischen]  Lehen  Falkenberg,  Forbach,  Püttlingen  und  Mörchingen“,
die  ,,Französische[n]  Ausdehnungsbestrebungen  auf  deutsche  Territorien  ab  1300“
und  die  „Geschichte  der  Reunionen  und  Reunionskammern“  aufgegeben.  Weder
Santes  noch  Ruppels  Arbeitsbelastung  ließen  die  Erledigung  dieser  Aufgaben  zu.
Weitere  mittelalterliche  und  frühneuzeitliche  Themen  zu  Lothringen  wurden
Beamten  anderer  westdeutscher  Staatsarchive  aufgetragen.240  Koblenz  sollte  das
„Verhältnis  der  3  Suffragane  Metz,  Toul  und  Verdun  zu  dem  Metropolitan,  Teilnahme
  an  den  Bischofswahlen,  Rechtszug  der  geistlichen  Gerichte,  Reformbewegung
  der  Klöster“  erörtern  und  das  Staatsarchiv  Düsseldorf  die  „Geschichte  der
deutschen  Reichsbistümer  im  Westen“  behandeln.  Ferner  band  man  die  Westmark
in  die  überregionalen  Betrachtungen  ein,  zu  denen  Wissenschaftler  der  WFG

236  HessHStA,  1150/23,  f.  273r,  274r:  Zipfel,  Aufgaben  der  Archivverwaltung  v.  10.7.1941;  cf.
f.  234r:  Zipfel,  Konferenz  am  2./3.10.1941  in  Marburg.
237  HessHStA,  1150/1:  Zipfel,  Leistungen  des  Archivschutz  für  die  Wissenschaften,  13-14.
23s  HessHStA,  1150/23,  f.  460v  u.  461r:  Zipfel,  Besprechung  beim  Gendir.  der  Staatsarchive  am
27.8.1940.
234  HessHStA,  1150/23,  f.  277:  Publikationen  der  Zentralarchive  in  Berlin-Dahlem,  Potsdam
und  Wien  [v.  10.7.1941].
240  HessHStA,  1150/23,  f.  462:  Westprogramm  der  Archivverwaltung  (vorläufige  Gestaltung)
[o.  D.];  f.  465,  467:  Westprogramm  der  Archivverwaltung:  Einzelne  Themen  v.  27.8.1940,  cf.
f.  464-66.

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