et-Moselle, Meuse und Vosges deutsche Archivbeamte ein, die von Metz aus
unterstützt wurden.213 In der zweiten Hälfte des Jahres 1940 schickte die Archivgruppe
Staatsarchivrat Dr. Hermann Meinert ein paar Mal in die lothringischen
Archive.214 Die überragende Bedeutung des Archivs von Nancy für die Geschichte
der deutsch-französischen Beziehungen ließ einen dauerhaften deutschen Zugriff
auf diesen Teil Lothringens wünschenswert erscheinen: „Die Bestände dieses
Archivs sind in ihrer Gesamtheit als das Archivgut eines großen ehemals ganz
zum Reiche gehörenden und mit den angrenzenden Reichsgebieten (Deutsch-Lothringen,
Saarland, Rheinland, Pfalz und Elsaß) eng verflochtenen Territoriums,
des Herzogtums Lothringen [...] mit den Bistümern Metz, Toul und Verdun für die
deutsche geschichtliche Überlieferung und die deutsche Geschichtsschreibung von
unermeßlichem Wert. [...] Wenn nicht durch den kommenden Friedensvertrag eine
territoriale Regelung getroffen wird, die dem Reich ohneweiteres und für immer
den Zugriff auf diese Bestände gestattet, so muß [...] ein genaues Inventar der hier
vorliegenden Quellen zur deutschen Geschichte aufgestellt werden.“215
Das Departementalarchiv von Nancy stand zwar nicht unter deutscher Hoheit,
doch behielt sich die deutsche Archivverwaltung ein Vetorecht über zentrale Belange
und Personalentscheidungen dieses für die deutsche Geschichtsforschung
wichtigen Archives vor. In Nancy befürwortete Meinert 1940 die Wiedereinsetzung
des Archivvorstandes Pierre Marot in seine Vorkriegsstellung, wenn
überprüft worden sei, dass seine Arbeiten zur lothringischen Geschichte nicht auf
eine antideutsche Haltung hinwiesen.216 Zu dieser Wiedereinsetzung kam es nicht
mehr, auch wenn Zipfel noch Meinerts Nachfolger Büttner instruierte, auf den
21' Heuss, Kunst- und Kulturraub, S. 263-69; Karl Heinz Roth, „Höhere Form“, 84; cf. id.,
„Klios rabiate Hilfstruppen: Archivare und Archivpolitik im deutschen Faschismus“, Archivmitteilungen,
41 (1991), 1-10, hier 1-2; Georg Schnath, „Zur Entstehungsgeschichte des Pariser
Inventars: Persönliche Bemerkungen und Erinnerungen“, Inventar von Quellen zur deutschen
Geschichte in Pariser Archiven und Bibliotheken, bearb. v. e. Arbeitsgruppe unter Leitung von
id., Hg. Wolfgang Hans Stein, Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz,
39 (Koblenz: LA Rheinland-Pfalz, 1986), xix-xxv, hier xix; W. H. Stein, „Inventarisierung“,
xxvii; Torsten Musial, Staatsarchive im Dritten Reich: Zur Geschichte des staatlichen
Archivwesens in Deutschland 1933-1945, Potsdamer Studien, 2 (Potsdam: Verl. f. Berlin-Brandenburg,
1996); GStAPK, Rep. 178/VII2A4: „Liste der deutschen archivalischen
Forderungen an Frankreich und Belgien“, 2-11; BABL, RI46/47: Schlechte, „Der Kulturraub der
Franzosen im Reich im Licht archivarischer Forschung“ (inkl. Dokumentenanhang) v.
10.12.1941; [Rohr] „Punkte für die Besprechung mit Dr. Schnath am 12.11.1940“, R[ohr],
„Punkte für Besprechung mit Dr. Schnath“ v. 8.12.1940; Umbreit, Militärbefehlshaber, 197-99.
214 ADMM, 3T103: R. Barbier (ADMM) an Präfekt Meurthe-et-Moselle v. 17.10.1940; 3T43:
Tagebuch der Aktenausgabe v. 19.8., 18.10., 6. u. 9.12.1940. Bei Leesch, Deutsche Archivare,
Bd. 2 gibt es keinen Eintrag zu Meinert.
215 AN, AJ40571/7j: „Aktenvermerk über die Dienstreise des Hptm. Dr. Winter und des K.V.R.
Dr. Meinert zu den Departementarchiven in Französisch-Lothringen“ [o. D.], lv-2r.
216 AN, AJ40 571/7j: Meinert, Aktenvermerk v. 12.11.1940; Dienstreise von Meinert nach Nancy
16.-18.10.1940; Abschriften aus der Personalakte Marot. ADMM, 3T103: Dir. der frz. Archive an
Präfekt Meurthe-et-Moselle v. 8.3.1941; cf. [Barbier] (ADMM) an Präfekt v. 23.8.1940.
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