Full text : Volk, Reich und Westgrenze

wissenschaftlichen  Geschäftsführer  für  den  historischen  Stützpunkt  am  Deutschen
Institut  in  Paris  vor.  Auch  Best  war  mit  dieser  Wahl  einverstanden.206 *  Doch  der
Plan  eines  Deutschen  Historischen  Instituts  in  Paris  wurde  im  Zweiten  Weltkrieg
nicht  verwirklicht.  Büttners  wissenschaftliche  Tätigkeit  wurde  im  November  1942
von  der  Einberufung  zur  Wehrmacht  unterbrochen.211  Im  Sommer  1943  wurde  er
zwar  zur  Leitung  des  Staatsarchivs  nach  Metz  abgeordnet,  trat  den  Dienst  dort
aber  nie  an,  sondern  besuchte  das  Staatsarchiv  nur  gelegentlich  für  wenige  Tage.20*
1944  wurde  er  zum  Oberarchivrat  ernannt.209  Den  schnellen  Vormarsch  der
Amerikaner  im  September  1944  erlebte  er  in  Verdun  und  räumte  mit  der  Wehrmacht
  die  Stadt.210  Büttner  geriet  in  Kriegsgefangenschaft,  aus  der  er  im  August
1945  zurückkehrte.  1946  wurde  er  von  den  französischen  Militärbehörden  auf
eine  außerplanmäßige  Professur  an  der  neu  errichteten  Universität  in  Mainz
zugelassen,  1949  nach  Marburg  und  in  den  1960-er  Jahren  nach  Köln  berufen.
Heinrich  Büttner  starb  am  15.  Oktober  1970.
Archive  im  übrigen  Lothringen
Im  Sommer  1940  begann  der  deutsche  Archivschutz  die  westfranzösischen
Archive  außerhalb  der  annektierten  Departements  zu  sichten,  darunter  die  lothringischen
  Archive  in  Nancy,  Epinal  und  Bar-le-Duc.  In  einem  Friedensvertrag
wollte  Zipfel  Frankreich  dazu  zwingen  lassen,  „aus  den  französisch  bleibenden
Archiven  und  Bibliotheken  alle  zu  den  abgetretenen  Gebieten  gehörigen  Archivalien
  an  das  Reich“  abzugeben.2"  Ruppel  stellte  die  archivalischen  „Forderungen
Lothringens  an  Frankreich“  zusammen  und  wirkte  bei  der  Überprüfung  und
Sicherstellung  der  benachbarten  französischen  Archive  mit.212
Zur  Feststellung  der  gewünschten  Archivalien  setzte  die  Pariser  Gruppe  Archivschutz
  unter  Professor  Georg  Schnath,  die  französische  Archive  und  Bibliotheken
nach  angeblich  in  vergangenen  Jahrhunderten  aus  Deutschland  verschleppten
Urkunden  und  Akten  durchforsteten,  in  den  lothringischen  Departements  Meurthe-Verwaltungsstab
  234;  BABL,  RI46/47:  Veranstaltungsplan  für  den  Besuch  von  Zipfel  in
Frankreich  v.  16.-22.9.1940,  1.  In  den  ADMM,  3T101  und  3T200  fand  sich  kaum  ein  Hinweis
auf  die  dortige  Tätigkeit  Büttners.
‘°6  BABL,  RI46/49,  f.  122;  [Zipfel]  Besprechung  mit  Büttner  in  Luxemburg  am  2.9.1943;  Conrad
  Grau,  „Planungen  für  ein  Deutsches  Historisches  Institut  in  Paris  während  des  Zweiten
Weltkrieges“,  Francia,  19/3  (1992),  109-28,  hier  125;  cf.  StdAKn,  N1.  Mayer  26/39:  Mayer  an
Büttner  v.  8.10.1943.
207  ADM,  1W204,  A-H  1:  Personal  des  StA.
JIX  BADH,  ZA  V/55,  f.  377av:  Vorschlag  zur  Ernennung  zum  OAR  v.  Sept.  1944;  ADM,  1W205,
Akte  Büttner:  Ewig  an  [Emrich]  v.  7.5.  u.  6.7.1943,  Emrich  an  Ewig  v.  7.7.1943;  cf.  StdAKn,  N1.
Mayer  26/21:  Büttner  an  Mayer  v.  8.1.1943,  26/28:  Büttner  an  Mayer  v.  18.4.1943.
209  BADH,  ZA  V/55,  f.  377-377a:  Vorschlag  zur  Ernennung  zum  OAR  v.  Sept.  1944.
210  StdAKn,  N1.  Mayer  26/56:  Büttner  an  Mayer  v.  8.9.1944.
211  BABL,  R146/47,  Zipfel  an  RMdl  v.  6.8.1941,  3.
"2  BABL,  R146/49,  f.  30  T:  [Zipfel]  Punkte  für  Ruppel  [ca.  Ende  1940];  cf.  ADM,  1W203,
B  XVI:  Ruppel  an  Zipfel  v.  30.5.1941;  HessHStA,  1150/23,  f.  231':  Zipfel,  Konferenz  am
2./3.10.1941  in  Marburg.  LASp,  T  61/2,  f.  5:  Zipfel  an  Ruppel  v.  28.10.1940.

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