Full text : Volk, Reich und Westgrenze

damit  die  Universitätslaufbahn  verweigert.199  Seine  nationalsozialistische  Beurteilung
  war  miserabel.  Im  genannten  Dozentenlager  erhielt  er  im  Fach  „Nationalsoz.
Denken“  die  Note  „mässig“.  Als  „Selbständiger  Propagandist  in  allen  Lebenslagen“
zeige  er  „zu  wenig  politische]  Leidenschaft“,  seine  „Nationalsozialistische]
Veranlagung“  (sic)  lasse  „Härte  und  Geschlossenheit“  vermissen.  Büttner  fiel  in
fast  allen  nationalsozialistischen  Belangen  durch:  „Politische  Neigung  besitzt  er
in  nur  mässigem  Umfange,  ausser  seinem  Interesse  für  grenzpolitische  Fragen.“200
Vergeblich  legte  Büttner  1939  dem  Forschungswerk  „Wald  und  Baum  in  der
arisch-germanischen  Geistes-  und  Kulturgeschichte“  des  SS-Ahnenerbes  den  Plan
für  eine  Arbeit  über  den  „heiligen  Forst  von  Hagenau“  vor.  Sein  Entwurf  gab
zwar  genaue  Auskunft  über  die  Quellen-  und  Literaturlage,  enthielt  sich  aber
jeglicher  Germanentümelei.201  In  der  Gutachterausschusssitzung  vom  16.  März
1939,  an  der  neben  den  Vertretern  Görings,  Darres  und  Himmlers  auch  Hermann
Aubin  teilnahm,  wurde  Büttners  Forschungsvorhaben  -  möglicherweise  wegen
dessen  katholischer  Bindung  -  abgelehnt.202
Von  der  DFG  wurde  die  Drucklegung  von  Büttners  Geschichte  des  Elsaß  gefordert,
in  der  er  die  frühmittelalterliche  Geschichte  der  Landschaften  links  und  rechts  des
Rheins  aufeinander  bezog.  Die  WFG  war  sehr  angetan  von  seiner  Klärung  der
„Volkstumsfrage  im  deutsch-französischen  Grenzraum“.  Büttners  Arbeit  sei  geeignet,
„der  deutschen  Seite  die  Führung  in  der  Geschichtswissenschaft  am  Oberrhein
zu  sichern“.203  Ab  Herbst  1938  wurde  Büttner  Wissenschaftlicher  Mitarbeiter  bei
den  Monumenta  Germaniae  historica,  die  sich  jetzt  Reichsinstitut  für  ältere
deutsche  Geschichtskunde  nannten.204  1939  kam  er  ans  Staatsarchiv  Darmstadt.
Von  August  1940  bis  März  1942  wurde  er  als  Kriegsverwaltungsrat  nach  Paris
zur  Gruppe  Archivwesen  abkommandiert.  Im  Auftrag  der  Archivgruppe  betreute
er  das  Departementsarchiv  Nancy.205  Im  März  1942  schlug  Mayer  Büttner  als

199 Endemann,  „Einführung“,  14.
20(1  BDC,  Büttner,  f.  1455:  Prof.  Dr.  Gerullis  u.  Obersturmbannführer  Grundig,  Allgemeine
Beurteilung  Büttners  v.  28.8.1937.
201  BDC,  Büttner:  Bü[ttner],  f.  18:  Arbeitsplan  für  eine  Arbeit  über  den  „heiligen  Forst  von
Hagenau“;  cf.  f.  14:  Büttner  an  Ahnenerbe-Forschungswerk  „Wald  und  Baum“  v.  26.1.1939.
21,2  BDC,  Büttner,  f.  19:  Forschungswerk-Beauftragter  an  Büttner  v.  22.3.1939;  an  dieser  Stelle
gegenüber  der  verteidigten  Dissertation  berichtigt.  Zu  Aubins  Tätigkeit  im  Ahnenerbe:  BABL,
NS21/336:  SS-Sturmbannführer  Si[evers]  an  Aubin  v.  10.  u.v.  31.7.1939:  2.  Sitzung  vom
16.3.1939;  cf.  SS-Obersturmbannführer  [Paraphe]  WW  an  Aubin  v.  3.3.1939;  SS-Oberscharführer
  an  Aubin  v.  16.2.1939.  Bernd-A.  Rusinek,  „,Wald  und  Baum  in  der  arisch-germanischen
Geistes-  und  Kulturgeschichte1  -  Ein  Forschungsprojekt  des  ,Ahnenerbe1  der  SS  1937-1945“,
Der  Wald  -  Ein  deutscher  Mythos?  Perspektiven  eines  Kulturthemas,  Hg.  Albrecht  Lehmann,
Klaus  Schriewer,  Lebensformen,  16  (Berlin:  Reimer,  2000),  267-363,  hier  294,  cf.  296.
203  BAKo,  R73/10545:  Meynen  an  Griewank  v.  2.2.1939;  Büttner,  „Geschichte  des  Eisass“.
204  BDC,  Büttner,  f.  16,  14:  Büttner,  Lebenslauf.
205  Karl  Heinz  Roth,  „Eine  höhere  Form  des  Plünderns:  Der  Abschlußbericht  der  ,Gruppe
Archivwesen1  der  deutschen  Militärverwaltung  in  Frankreich  1940-1944“,  1999,  4  (1989),
H.  2,  79-112,  hier  84,  86  Anm.,  108;  cf.  BDC,  Ordner  Nr.  844  (Organisation  Rosenberg:
Erkennungsmarkenverzeichnis),  61:  MBF-Verwaltungsstab  v.  7.2.1942;  69:  id.  v.  8.5.1942:

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