Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Ewig  von  Breslau  nach  Metz.1  11  Nach  Ruppels  Ausscheiden  übernahm  dieser  die
kommissarische  Leitung  des  Staatsarchivs.'"'  Im  Dezember  1941  kam  vom  Stadtarchiv
  Magdeburg  Dr.  Konrad  Schrod  (1898-1980),  der  1942  in  das  verwaiste
Stadtarchiv  Metz  wechselte;  im  August  1944  wurde  das  Stadtarchiv  Metz
geschlossen  und  Schrod  setzte  sich  nach  Deutschland  ab.1  2  ln  den  letzten  beiden
Kriegsjahren  wurde  die  Personalnot  am  Staatsarchiv  immer  größer.  Im  März  1943
verschwand  der  Angestellte  Thiel;  Ewig  vermutete,  dass  er  nach  Frankreich
geflohen  sei.170 173 175  So  blieb  ihm  das  Schicksal  seines  Kollegen  Becker  erspart,  der
abermals  eingezogen  wurde,  diesmal  völkerrechtswidrig  von  der  Wehrmacht,  und
im  Sommer  1944  in  Russland  in  Kriegsgefangenschaft  geriet.'73
Indem  im  November  1940  von  der  deutschen  Annexionsverwaltung  über  60  000
Lothringer  vertrieben  wurden,  erwuchsen  dem  Archivschutz  in  den  verlassenen
lothringischen  Gemeinden  dringliche  Aufgaben.  Der  Beauftragte  des  CdZ  für  die
Präfektur  Metz  konnte  nur  in  wenigen  Orten  neue  Archivbetreuer  einsetzen.1  '
Ruppel  versagte  sich  zwar  eine  offene  politische  Kritik  an  den  massiven  Vertreibungen,
  aber,  wenn  sie  ihn  in  seinen  Aufgaben  beeinträchtigten,  beschwerte  er  sich.
Er  forderte,  die  Gemeinde-,  Pfarr-  und  Schlossarchive,  Kirchen-  und  Flurbücher
durch  die  Gendarmeriestationen  sichern  zu  lassen.  Weiter  musste  er  furchten,  dass
die  erwarteten  Neusiedler  kein  Interesse  an  den  Kirchenbüchern  und  Zivilstandsregistem
  einer  ihnen  fremden  Bevölkerung  zeigen  würden.  Die  Landkommissare
sollten  die  Gemeindearchive  in  den  Kreisstädten  Zusammentragen,  um  sie  später

170  ADM,  1W204,  A-44  1:  Personal  des  StA;  cf.  ADM,  1W204,  Personal  -  Anforderung:  Ruppel
an  Emrich  v.  7.5.1941;  ADM,  1W204,  Personal:  Ruppel  an  Gendir.  der  StA  v.
19.9.1941;  BABL,  R146/49,  f.  284:  [Zipfel]  Punkte  für  Ruppel,  Okt.  [19]41;  f.  299r:  [Zipfel]
Punkte  für  Ruppel  (zur  Konferenz  v.  8.-10.4.1941).
171  ADM,  1W204,  Personal:  Zipfel  an  RStH/CdZ  v.  28.10.1942.
172  ADM,  1W205,  Akte  Schrod;  ADM,  1W204,  Personal  -  Anforderung:  R[uppel]  an  RStH/
CdZ-Z-VW  v.  22.1.1942;  Personal:  Ruppel  an  Zipfel  v.  21.5.1942;  ADM,  1W250:  Konrad
Schrod,  „Dokumente  aus  sieben  Jahrhunderten:  Die  Bedeutung  des  Metzer  Stadtarchivs“,  NSZ
Westmark  (10.9.1943).  AMSgs,  Hiegel/Moselle:  Mappe  „Vie  intellectuelle/bibliothéque“:  Kopie
Personenregisterkarte  Schrod;  cf.  BABL,  RI46/49,  f.  300r:  [Zipfel]  Punkte  für  Ruppel  [ca.  Ende
1940];  AMMetz,  2Z9u/6.9.1943:  Schrod  an  Buchmann  v.  6.9.1943:  Aufbauarbeiten  der  Stadtverwaltung
  1940-43,  7;  AMMetz,  2Z9n:  Schrod  an  StA  Metz  v.  22.8.1944;  Schrod  an  Schubert  v.
23.2.1943;  AMMetz,  2Z9i:  Nachtrag  Scheffers  oder  Chotins  v.  2.9.1944  zur  Stadtarchiv-Chronik
Schrods;  Colnat,  Guide,  45;  Leesch,  Deutsche  Archivare,  2:  550.
173  ADM,  1W200,  Gutenberg  Mus.:  Ewig  an  Ruppel  v.  15.4.1943;  cf.  BABL,  RI46/49,  f.  121:
[Zipfel]  Besprechung  mit  Emrich  31.8./1.9.1943;  f.  130r:  [Zipfel]  Besprechungen  mit  Ewig  am
31.8./1.9.1943.
174  ADM,  1W200,  Gutenberg  Mus.:  Ewig  an  Ruppel  v.  17.8.1944.  1945  kehrte  Becker  ins
Archiv  zurück;  Auskunft  von  Charles  Hiegel  am  16.7.2003.
175  LASp,  T  61/2,  f.  22:  Ruppel  an  Zipfel  v.  20.11.1940;  ADM,  1W205,  Akte  Ruppel:  Bescheinigung
  v.  31.3.1941;  cf.  Isabel  Heinemann,  „Rasse,  Siedlung,  deutsches  Blut":  Das  Rasse-  und
Siedlungshauptamt  der  SS  und  die  rassenpolitische  Neuordnung  Europas,  Moderne  Zeit,  2
(Göttingen:  Wallstein,  2003),  310;  für  diesen  Hinweis  danke  ich  Frau  Katharina  Hering
(Washington,  DC).

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