Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Mainz.  Für  sein  wissenschaftliches  Schaffen  wurden  ihm  zahlreiche  Ehrungen
zuteil.  1957  ernannte  ihn  die  Französische  Republik  für  seine  Verdienste  um  die
lothringischen  Archive  im  Ersten  Weltkrieg  zum  Ritter  der  Ehrenlegion.161 162  Diese
Ernennung  gab  Anlass  zu  allerlei  Spekulationen,  die  ihrerseits  auf  Ruppels
politisches  Verhalten  während  des  Zweiten  Weltkrieges  verweisen.  Henri  Hiegel
glaubte,  dass  Ruppels  Proteste  gegen  die  Vertreibung  der  Lothringer  zu  dieser
Auszeichnung  geführt  hätten.163  Eugen  Ewig  vermutete,  dass  sein  Einsatz  für  die
Sammlung  von  Robert  Schuman,  den  Ruppel  seit  1911  aus  der  lothringischen
Altertumsgesellschaft  kannte,  honoriert  worden  sei.164  Während  des  Zweiten
Weltkrieges  habe  Ruppel  durch  die  Übernahme  von  zum  Teil  kostbarsten  Werken
aus  der  Sammlung  Schuman  ins  Archiv  verhindert,  dass  diese  der  Gestapo  in  die
Hände  gefallen,  auseinander  gerissen  und  einzeln  verkauft  worden  wären.165
Ruppel  starb  am  11.  Juli  1977  in  Mainz.
Archivschutz
Als  Ruppel  das  Staatsarchiv  übernahm,  standen  von  dessen  Beamten  und  Angestellten
  nur  noch  zwei  zur  Verfügung:  Archivobersekretär  Ernest  Remack  (1886-1965)
  und  der  Archivangestellte  Léon  Thiel.  Der  Angestellte  René  Becker  kehrte
bald  aus  der  Kriegsgefangenschaft  zurück.166  Über  seine  Mitarbeiter  urteilte
Ruppel,  sie  seien  „einheimische  Lothringer  guten  Willens“.167  Im  November  1940
erwirkte  Ruppel  die  Abordnung  von  Archivassessor  Dr.  Walter  Gunzert  und
Archivobersekretära.  D.  Friedrich  Lang,  der  schon  vor  1918  unter  Ruppel  im
Bezirksarchiv  gearbeitet  hatte,  zur  Behörde  des  CdZ.168  Gunzert  wurde  im  Oktober
  1941  eingezogen.169  Im  Mai  1941  wechselte  Staatsarchivassessor  Dr.  Eugen

161  Schütz,  Ruppel,  123;  cf.  Claude  Jacir  (Musée  national  de  la  Légion  d’honneur  et  des  ordres
de  chevalerie)  an  den  Verf.  v.  20.11.1996.
163  H.  Hiegel,  „L’historiographie“,  152  glaubte,  dass  Ruppel  aus  Protest  gegen  die  Vertreibungen
  von  seinem  Metzer  Posten  zurückgetreten  sei.
164  Ewig  an  den  Verf.  v.  10.4.1997.
165  Schütz,  Ruppel,  87-89;  ADM,  1W178:  Mappe  „SD  und  Gestapo:  Sammlung  Schumann  [!],
Grand  Séminaire,  Evêché“.  Schuman  hatte  an  dem  von  Ruppel  herausgegebenen  Sammelband
mitgearbeitet;  cf  Robert  Schuman,  „Verfassung  und  Verwaltung  des  Landes“,  Lothringen  und
seine  Hauptstadt:  Eine  Sammlung  orientierender  Aufsätze,  Hg.  A[loys]  Ruppel,  in  Verb,  mit
J[ohann]  B[aptist]  Keune,  R[och]  S[téphane]  Bour,  4.-6.  Tsd.  (Metz:  Lothr.  Verl.-  u.  Hilfsverein,
  1913),  81-88;  ADM,  34J6:  Schuman  an  Chef  der  Sicherheitspolizei  v.  22.11.  und  an
Bürckel  v.  15.12.1940.
166  Als  Notbehelf  ließ  Ruppel  den  pensionierten  Archivdiener  Johann  Jaeger  reaktivieren;
ADM,  1W204,  Mappe  „Personal  der  Präfektur  1940“:  Personal  der  Archivverwaltung,  Ruppel
an  CdZ-Personalabt.  v.  11.10.1940:  Leo  Thiel,  *  1914.
167  ADM,  1W191  :  Ruppel  an  Zipfel  v.  31.10.1940,  1.
168  ADM,  1W204,  Emrich:  Ruppel  an  Emrich  v.  17.10.1940;  cf.  Mappe  „Abordnung  von
Beamten  aus  dem  Altreich“:  Ruppel  an  ORR  Dahlgrün  (RStH/CdZ)  v.  30.5.1941;  RStH/  CdZ
an  Archivverwaltung  für  Lothringen  v.  4.6.1941;  Mappe  „A-4f  1“:  Personal  des  StA:  Walter
Gunzert,  *  1912.  Bei  Leesch,  Deutsche  Archivare,  Bd.  2  finden  sich  weder  Gunzert  noch  Lang.
169  ADM,  1W204,  gelbe  Mappe  „Personal“:  Ruppel  an  Zipfel  v.  14.  u.  v.  22.10.1941.

315
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.