Full text : Volk, Reich und Westgrenze

promovierte  1908  in  Münster  mit  einer  Arbeit  über  eine  Straßburger  Chronik.1*"
1911  trat  er  als  Archivassistent  ins  Bezirksarchiv  Metz  ein.1"6  1913  wurde  er
Schriftführer  der  Gesellschaft  für  lothringische  Geschichte  und  Altertumskunde
und  war  Mitherausgeber  von  Lothringen  und  seine  Hauptstadt.155 157  Unterbrochen
von  einem  Fronteinsatz  bei  einem  Infanterieregiment,  war  er  von  1914  bis  1918
Kaiserlicher  Archivdirektor  in  Metz.  Ihm  wurde  der  Schutz  der  Archive  und
Bibliotheken  im  besetzten  Gebiet  zwischen  Metz  und  Verdun  übertragen.  Nach
seiner  Ausweisung  aus  der  Moselle  wurde  Ruppel  in  Mainz  1919  Direktor  des
Gutenberg-Museums  und  1920  der  Stadtbibliothek,  des  Stadtarchivs  und  der
städtischen  Münzsammlung.  Von  1926  bis  1969  war  er  Geschäftsführer  der
Gutenberg-Gesellschaft  und  Herausgeber  des  Gutenberg-Jahrbuches.
Aus  politischen  Gründen  wurde  Ruppel,  der  nicht  Mitglied  der  NSDAP  war,  1934
aus  der  Stadtbibliothek  und  dem  Stadtarchiv  Mainz  entfernt;  nur  das  Gutenberg-Museum
  durfte  er  weiterfuhren.  Die  Nationalsozialisten  hielten  den  Katholiken
Ruppel  für  „kirchlich  stark  gebunden“  und  politisch  unzuverlässig.15*  Dass  er
dennoch  Anfang  Oktober  1940  als  kommissarischer  Staatsarchivdirektor  in  Metz
eingesetzt  wurde,  war  seiner  ausgezeichneten  Kenntnis  der  Metzer  Archivverhältnisse
  und  Generaldirektor  Zipfel  zu  verdanken.  In  der  annektierten  Moselle
gehörte  Ruppel  zu  jenen  Deutschen,  die  als  den  Lothringern  wohlgesinnt  galten.
Man  sagte  von  ihm:  „C’est  un  [Ajllemand  d’avant  quatorze.“159  Auf  Vorschlag
Zipfels  erhielt  er  1942  das  Kriegsverdienstkreuz  II.  Klasse.160  Im  November  1942
übernahm  Ruppel  in  Mainz  erneut  die  Leitung  des  Gutenberg-Museums  und  ein
Jahr  darauf  kommissarisch  sogar  die  von  Stadtbibliothek  und  -archiv;  Fachwissen
wog  in  der  kriegsbedingten  Personalnot  schwerer  als  politische  Haltung.  So  war
Ruppel,  wie  er  es  selber  ausdrückte,  zweimal  „an  den  Schauplatz  seiner  früheren
Taten“  zurückgekehrt.161
Nach  dem  Krieg  wurde  Ruppel  wieder  offizieller  Direktor  der  drei  von  ihm  bis
1934  geleiteten  Institutionen  und  übernahm  den  Gutenberglehrstuhl  der  Universität

155  Aloys  Ruppel,  „Die  wiedergefundene  Strassburger  Chronik  des  Johann  Georg  Saladin“,
Münster,  Univ.,  Diss.,  1908.
156  Aloys  Ruppel,  „Die  Lothringer  Kalendermacher“,  Die  Westmark,  8  (1940/41),  22-23,  hier  23.
157  Lothringen  und  seine  Hauptstadt:  Eine  Sammlung  orientierender  Aufsätze,  Hg.  A[loys]
Ruppel,  in  Verb,  mit  Jfohann]  B[aptist]  Keune,  Rfoch]  Sftéphane]  Bour,  4.-6.  Tsd.  (Metz:
Lothr.  Verl.-  u.  Hilfsverein,  1913).
l5*  BABL,  NS15/30,  f.  109:  Reichshauptstellenleiter  des  Kulturpolitischen  Archives  in  der
NSDAP-Reichsleitung  (Paraphe  „Gk.“)  an  Vortragsdienst  der  Abt.  111-Vortragswesen  des
Amtes  Deutsches  Volksbildungswerk  im  Zentralbüro  der  KdF  (Berlin)  v.  20.3.1940;  cf.  BABL,
NS15/127,  f.  99:  Gk.  an  Personalamt  Gauleitung  Hessen-Nassau  v.  22.1.1940;  BABL,
NS  15/131,  f.  64:  Gk.  an  Hauptstelle  Bildende  Kunst  im  Hause  v.  22.1.1940;  BABL,  NS15/30,
f.  14:  Abt.  Ill-Vortragswesen  Deutsches  Volksbildungswerk  an  Hauptstelle  Kulturpol.  Archiv
v.  17.1.1940;  H.  Hiegel,  „La  germanisation“,  85.
159  Ewig  an  d.  Verf.  v.  10.4.1997.
1611  Schütz,  Ruppel,  90-91,  94.
161  ADM,  1W200,  Gutenberg  Mus[eum]:  Ruppel  an  Ewig  v.  16.12.1943.

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