Frankreich bereisten. Jede dieser Fahrten dauerte wenigstens ein paar Tage,
manche über eine Woche. Sie wurden grundsätzlich vom SD begleitet, wozu sich
Ramsauer mit dem SD-Saarpfalz und dessen für die Vertreibungen zuständigen
SD-Einsatzgruppe Lothringen absprach.124 130 Ramsauers und Brauns erste Dienstreise
vom August gibt ein Beispiel für den Ablauf der Rückführungen.110 In
Begleitung des SS-Sturmbannführers Georg Elling vom SD-Saarpfalz, dessen
„besondere Verdienste bei der Rückführung verschleppter Kunstwerte“ während
„seines Einsatzes in Lothringen“ später die Beförderung zum SS-Obersturmbannföhrer
empfahlen,131 eines Steuerinspektors und einer Dolmetscherin vom Westmark-Institut132
begaben sich Ramsauer und Braun nach Poitiers, um dort Metzer
Steuerunterlagen abzuholen. Während Ramsauer und Braun die Steuerakten
verladen ließen, nahm Elling die Namen der Metzer Steuerangestellten auf, die in
die Moselle zurückkehren wollten. Darauf fuhr man nach Ligugé weiter und ließ
die in die Benediktiner-Abtei verbrachten Metzer Archivalien und Wertgegenstände
verladen. Auf Schloss Dissay wurde in gleicher Weise verfahren.1'3 Im
Departement Charente-Inférieure erkundigte man sich nach ausgelagerten Gemeindearchiven
der Moselle.134 Auf der Rückreise besprachen Ramsauer und
Braun mit der deutschen Militärverwaltung in Paris die Rückführung evakuierter
Kunstschätze nach Lothringen, während Elling dem SD Bericht erstattete. Nach
einer Woche kehrte man wieder an den Ausgangsort Metz zurück. Wie diese
124 HMP, G/Allgemein 1941-42: Ramsauer an Traub v. 29.5.1940; cf. ADM, 1W106, Fahrtenberichte:
Fahrtenbericht [28.11.-10.12.1940]; 1W204, Ramsauer: Personalbogen v. 28.10.1940;
Ramsauer, Erklärung für die Festsetzung der Beschäftigungsvergütung v. 29.10.1940; 1W204,
Mappe „Braun“: [Präfektur Metz] an CdZ v. 13.11.1940, Hofmann (CdZ) an Beauftragten für
die Präfektur in Metz v. 15.11.1940; Personalbogen Braun v. 11.2.1941. HMP, G/Allgemein
1941-42: Ramsauer an Seibert v. 1.8.1940: bei der Einsatzgruppe Lothringen mit Erwin Weinmann,
dem späteren Einsatzkommandoführer in Belgien und der Sowjetunion und BdS Prag;
Michael Wildt, Generation des Unbedingten: Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes
(Hamburg: Hamburger Ed., 2002), 99, 178-79, 352, 528, 549.
130 Zu dieser Fahrt: ADM, 1W106, Mappe „Berichte, Fahrtenberichte“: Zur Rückführung des
lothringischen Kulturgutes aus dem Inneren Frankreichs [13.-21.8.1940], 2; cf. Unterredung
auf der direkten Steuer Poitiers in Angelegenheit der Rückführung der Akten der direkten
Steuer Metz [ca. 15.8.1940]; cf. Bericht über die Rückführung der Akten der Direkten Steuer
Metz [o. D.]. Die Berichte sind alle ungezeichnet und undatiert; es ist anzunehmen, dass in den
meisten Fällen Ramsauer ihr Autor war, da er die Rückführungsaktion leitete. Cf. ADM,
1W204, Mappe „Ramsauer“: Reisekostenberechnung für Ramsauer (Rechnungsjahr 1940).
131 Zit. nach Wildt, Generation des Unbedingten, 528; cf. Wolfgang Dierker, Himmlers
Glaubenskrieger: Der Sicherheitsdienst der SS und seine Religionspolitik 1933-1941, Veröffentlichungen
der Kommission für Zeitgeschichte, B: Forschungen, 92 (Paderborn:
Schöningh, 2002), 552-53.
132 Es handelte sich um Steueroberinspektor Reicherts und um die Dolmetscherin Rosemarie
Binder.
133 BABL, R21/10599, f. 7: Verfügungsabschrift zu Z II a 205/41: „Nachweis des aus dem
Elsaß und Lothringen in das Innere Frankreichs überführten Archivguts“ [ca. Anfang 1941].
134 ADM, 1W106, Fahrtenberichte: [Unterlagen der Steuer Metz in Poitiers] Fahrtenberich[t v.
13.-21.8.1940].
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