Nanzig“ verschaffen.121 Für Nancy war eine neue saarpfälzische Archivleitung
vorgesehen. Weil Postius während seines Studiums einige Monate in den Archives
départementales de Meurthe-et-Moselle verbracht hatte, traute man ihm einen
Überblick über deren Bestände und die Fähigkeit zu, an seine damaligen
Beziehungen zum Archivpersonal in Nancy anzuknüpfen.122 123 Als „eine Art
Kommissar und Überwachungsperson“ sollte er die Bestände feststellen, „die für
die gesamten Westfragen“122 und „für die Volks- und Landeskunde der Saarpfalz
und Lothringens von erheblicher Bedeutung“124 seien.
Für Zipfel waren die archivarischen Vorstellungen Bürckels „völlig indiskutabel“.
Unter keinen Umständen dürfe der „Nichtfachmann“ Emrich die Archivangelegenheiten
verantwortlich leiten. Einer Übernahme in den höheren Archivdienst
von Braun und Postius, die der vorgeschriebenen beruflichen Ausbildung entbehrten,
stehe schon das Beamtengesetz entgegen.125 Zipfel setzte sich mit Hilfe des
Reichsinnenministers durch und konnte seine Kandidaten nach Lothringen
schicken, nach Metz den Mainzer Museumsdirektor Ruppel, der schon vor dem
Ersten Weltkrieg das Metzer Bezirksarchiv geleitet hatte,126 und via Paris nach
Nancy Heinrich Büttner, einen Schüler des früheren Leiters der WFG Theodor
Mayer. Hinsichtlich der Bewerbungen von Braun und Postius bot Zipfel an,
wenigstens „einen von ihnen am nächsten Lehrgang des Instituts für Archivwissenschaften
in Berlin-Dahlem teilnehmen zu lassen“.127 128 Zipfel wollte das
Thema westmärkische Archivare nicht für alle Zeit ausräumen,l2x aber auf jeden
Fall seine fachliche Leitung wahren. Dem Einvernehmen zwischen der Archivverwaltung
und dem CdZ in Lothringen war dies wenig zuträglich und Ruppel
würde es zu spüren bekommen.
Archivalienrückführungen
Postius blieb bei der Wehrmacht und kam nicht nach Nancy. Braun hingegen
wurde nach Metz befohlen, um Ramsauer bei der Rückführung der ausgelagerten
lothringischen Archivalien und Kulturgüter zu assistieren. Mitte August begannen
die Rückführungsmaßnahmen, für die Braun und besonders Ramsauer viele Male
HMP, G/Allgemein 1941-42: Emrich an Postius v. 8.8.1940.
ADM, 1WI: Barth an Hoffmann im Hause v. 2.7.1940; HMP, G/Allgemein 1941-42: Emrich
an Postius v. 8.8.1940, cf. v. 27.8.1940.
123 HMP, G/Allgemein 1941-42: Emrich an Postius v. 8.7.1940.
124 LASp, T 61/8, f. 1: Barth an RMdl v. 12.10.1940: Freistellungsantrag für Postius.
125 HessHStA, 1150/52: Zipfel an RMdl v. 30.7.1940, 1; cf Schütz, Ruppel, 86-87: hier irrtümlich
Barth anstatt Bürckel. Noch 1942 musste Ruppel Emrich mahnen, die Metzer Archivleitung
nur mit einem Fachmann zu besetzen; ADM, 1W205, Ruppel: Ruppel an [Zipfel] v.
19.5.1942.
126 HessHStA, 1150/52: Zipfel an RMdl v. 30.7.1940, 1, cf. 2; Oldenhage, „Verwaltung“, 1153.
1-7 BABL, RI46/49, f. 292v: Zipfel, Besprechung mit Hofmann am 12.12.1940 v. 17.12.1940.
128 Noch im April 1941 fragte Zipfel nach den saarpfälzischen Archivbewerbungen; BABL,
R146/49, f. 299r: [Zipfel] Punkte für Direktor Dr. Ruppel (zur Konferenz v. 8.-10.4.1941).
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