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Der Krieg und die Einberufung Santes, der im Herbst 1939 die Archivbestände
aus der Freimachungszone im Saarland und der Pfalz auslagerte und 1940 zum
Sachbearbeiter für den Archivschutz „in den schon besetzten und noch zu
besetzenden Gebieten“ Westeuropas bestellt wurde,"2 hatten die saarpfälzischen
Archivplanungen verzögert. Durch die militärischen Erfolge im Westfeldzug
weitete sich das Planungsobjekt.112 113 Anfang Juni 1940 besuchte Zipfel in seiner
neuen Eigenschaft als Kommissar für den Archivschutz im Westen Kaiserslautern
und legte Regierungspräsident Karl Barth und Emrich seine neuen Vorstellungen
zum Reichsarchiv dar, dem künftigen „wissenschaftlichen Mittelpunkt der Landesforschung“.
Den Ambitionen des Gauleiters vorbauend, wandte sich Zipfel gegen
die Angliederung der regionalen Archive an die Gauverwaltung, wie sie von
Bürckel in Österreich praktiziert worden war. Barth deutete vorsichtig an, dass
Bürckel das Reichsarchiv am Sitz des Reichsstatthalters errichten würde. Zipfel
sah hierin „partikularistische Neigungen“ und vermutete, dass der Gau Saarpfalz
im Reichsarchiv die eigenen Männer, „die sich auf einem ganz anderen Gebiete
betätigt oder bewährt haben mögen, mit festem Gehalt“ versorgen wolle. Sein
Reichsarchiv mochte Zipfel aber nicht den archivalisch unqualifizierten Mitarbeitern
des Saarpfälzischen Instituts überlassen.114 * Im Machtkampf, der nun zwischen
der Archivverwaltung und dem Gau entbrannte, hatte Zipfel durch seine Hoheit
über die Archive in den besetzten Westgebieten die bessere Ausgangslage. Unter
dem Vorwand, den zu Kriegsbeginn nach Westfrankreich ausgelagerten Archivalien
nachspüren zu müssen, versuchte Zipfel, den elsässischen und lothringischen
Archivschutz in der Hand des Direktors des Badischen Generallandesarchives in
Karlsruhe Karl Stenzei zusammenzufassen,"'' und wies Sante an, nach Ende des
Westfeldzuges Bürckel zu umgehen und die archivalische Betreuung des Saarlandes
zu übernehmen."6
Sante schätzte drei Monate später die Situation der saarpfälzischen Landeskunde
und die Beteiligung der dortigen Archivare an der historischen Landesforschung
immer noch negativ ein. Die Archivare des Staatsarchivs Speyer hätten keinerlei
Einfluss auf die dem Saarpfülzischen Institut untergeordnete Landesgeschichte.
Der Regionalgeschichte fehlten die Historiker. Ohne Historische Kommission,
ohne Anlehnung an eine Universität oder eine größere wissenschaftliche Bibliothek
112 HessHStA, 1150/1: Zipfel, Dienstreise nach Kreuznach, Kaiserslautern und Speyer am
4./5.6.1940 V. 10.6.1940, 1; cf. W. H. Stein, „Inventarisierung“, xxix.
113 Läufer, Landesarchiv Saarbrücken, 9.
114 HessHStA, 1150/1: Zipfel, Dienstreise am 4./5.6.1940, 2, cf. 4; Walter Vogel, Der Kampf
um das geistige Erbe: Zur Geschichte der Reichsarchividee und des Reichsarchivs als „geistiger
Tempel deutscher Einheit“ (Bonn: Bernard & Graefe, 1994), 90.
115 HessHStA, 1150/1: Pfundtner (RMdl) an CdZ im Eisass (Mindir. Müller-Trefzer) v.
12.7.1940, 1, cf. 3.
1 lh HessHStA, 1150/1 : Zipfel, Dienstreise am 4./5.6.1940, 4, cf. 3.
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