Um diese Forderung gegenüber Bürckel durchzusetzen, mangelte es der Archivverwaltung
indes an der nötigen Geschlossenheit. Sante war mit der Gauleitung
einer Meinung, dass „es kein eigenes, nur lothringisches Archiv, keinen eigenen,
nur lothringischen Geschichtsverein mehr geben“ dürfe.104 Bürckel und Emrich
dachten gar nicht daran, die lothringische Altertumsgesellschaft wieder zu eröffnen,105
zumal die Landesgeschichte von der Art, wie sie die Altertumsgesellschaft
betrieben hatte, als territorial-partikularistisch verrufen war.106 Das Einzige,
das sie an der SHAL interessierte, war ihre Habe.
Bürckel und Emrich ordneten das wissenschaftliche und heimatkundliche Vereinswesen
der Moselle dem Lothringischen Institut unter, auf das sie leichter
zugreifen konnten.107 108 Das Lothringische Institut wurde vom Stillhaltekommissar
und von Emrich zur Beratung über die Zukunft der SHAL hinzugezogen.I(№ Ende
1941 erhielt es das Vermögen der SHAL „zur treuhänderischen Verwaltung bis
zur Errichtung einer neuen gleichartigen Gesellschaft“. Doch der Löwenanteil des
Gesellschaftskapitals war in Wertpapieren angelegt und seit Kriegsbeginn nach
Westen evakuiert. Halber bat Bour, sich bei Zeliqzon nach dem Verbleib des
Vermögens zu erkundigen.109 Er vermied es, den eliminierten Schatzmeister der
SHAL persönlich aufzusuchen, und schob Bour vor, der ein persönliches Interesse
an der Rückkehr des Gesellschaftsvermögens hatte; dieser versuchte die von der
SHAL genehmigten Publikationsmittel für sein Buch über die lothringischen
Glocken frei zu bekommen.110 Bour war erfolgreich und fand die Bank, in die die
SH AL-Wertpapiere ausgelagert worden waren. Halber erhielt von der deutschen
Bankaufsicht im besetzten Frankreich das Geld nach Metz überwiesen.111
cf. f. 295v: [Zipfel] Besprechung mit Emrich, [Anf.] Dez. [1942]; ADM, 1W205, Ruppel:
Ruppel an [Zipfel] v. 19.5.1942; BABL, RI46/49, f. 121: [Zipfel] Besprechung mit Emrich
31.8./1.9.1943; f. 13 lr: [Zipfel] Besprechungen mit Ewig am 31.8. u. 1.9.1943; ElessHStA,
1 150/52: Zipfel, Besprechung mit Hofmann am 12.12.1940 v. 17.12.1940; ADM, 19J361:
Stillhaltekommissar: [Bour, ca. 1946].
104 HessHStA, 1150/52: S[ante] an Zipfel v. 9.9.1940, 3.
105 HMP, G/AIlgemein 1941-42: Emrich an Wentzcke v. 2.10.1940, 1; cf. H. Hiegel, „La
germanisation“, 87.
106 Christian Halber, „Das Lothringische Institut für Landes- und Volksforschung: Wissenschaftliche
Institute im Gau Westmark (II)“, Metzer Zeitung (3.9.1941); cf. ADM, 1W250.
11,7 ADM, 1W208: [Ramsauer] „Denkschrift über die künftige Wissenschaftsarbeit und den
Aufbau eines Instituts für Landes- und Volksforschung in Lothringen“ [Herbst 1940], 1; cf.
Läufer, Landesarchiv Saarbrücken, 9-10. Das Zusammenspiel von Bour und Ruppel im Herbst
1940 rekonstruierten Lionel Metzler und ich am Rande eines Sar-Lor-Lux-Historikerkolloquiums
in Verdun am 1.7.2000. Ich danke Herrn Roth für den Hinweis auf Bour.
108 AMSgs, Hiegel/activité littéraire 1940-44: [Halber] (LI) an Hiegel v. 28.8.1941.
109 ADM, 19J364: Halber an Bour v. 20.1.1942.
1,0 ADM, 19J361: Bour, Maujean, J. B. Kaiser, Erklärung v. 5.4.1941.
mADM, 19J364: Halber an Bour v. 16.2.1942.
306