Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Der Generaldirektor der Preußischen Staatsarchive Zipfel und Sante begaben sich 
im Sommer 1939 in die Saarpfalz, um sich ein Bild von den archivalischen 
Verhältnissen im Gau zu machen und die saarpfälzische Wissenschaftsverwaltung 
von der Idee eines Reichsarchivs zu überzeugen.89 Vorübergehend hätten dazu 
Akten aus dem Saarland und aus Speyer in die benachbarten preußischen Staats¬ 
archive ausgelagert werden müssen. Davon wollte Gauleiter Bürckel nichts hören. 
Nach Koblenz, in das Herrschaftsgebiet seines Erzrivalen Simon, durfte kein 
einziger saarpfalzischer Zettel gelangen. Mit Wiesbaden wollte er sich abfinden.90 
Zipfel sicherte dem Gau zu, dass alle nach Wiesbaden verbrachten Archivalien 
nach Errichtung des Reichsarchivs wieder in die Saarpfalz zurückkehren würden. 
Emrich zeigte sich überaus aufgeschlossen. Zur großen Überraschung Santes sah 
er auch in einer zu gründenden Historischen Kommission keine Konkurrenz, 
sondern eine Ergänzung zum Saarpfälzischen Institut. Das Reichsarchiv hielt er 
„für die historischen Studien in der Saarpfalz unentbehrlich“. Er war bereit, das 
Saarpfälzische Institut, „in einer Art von Symbiose, im Reichsarchivsgebäude 
unterzubringen“,91 und wünschte gar Sante als künftigen Leiter des Reichsarchivs. 
Hochzufrieden gestand Zipfel, dass er ebenfalls an Sante gedacht habe.92 An 
jenem Julitag 1939 brachen Zipfel und Sante angenehm überrascht aus dem 
Reichskommissariat auf. Sollte die Gauleitung tatsächlich die Wünsche der 
preußischen Archivverwaltung respektieren? Doch Emrichs Verbindlichkeit trog. 
Da er ebenso wenig wie sein Gauleiter an auswärtigen wissenschaftspolitischen 
Einmischungen in den Gau interessiert war und wusste, dass Zipfel die Hoheit über 
das Reichsarchiv Saarpfalz niemals an den Gau abtreten würde, ist anzunehmen, 
dass Sante und Zipfel gerade der Vorstellung eines talentierten Schauspielers bei¬ 
gewohnt hatten. 1940 brachte es die Annexion Lothringens an den Tag; die Archiv¬ 
verwaltung musste in Bürckels Gau um jedes Wort Mitspracherecht hart kämpfen. 
Lothringische Altertumsgesellschaft 
Im engen Zusammenhang mit der Archivplanung für den neuen größeren Gau stand 
die Frage einer regionalen historischen Kommission oder eines Altertumsvereins. 
Ende August 1940 aber verbot Bürckels Stillhaltekommissar allen lothringischen 
Vereinen, Organisationen und Verbänden die weitere Betätigung und beschlag¬ 
nahmte deren Vermögen.93 Einen Monat später ernannte der Stillhaltekommissar 
84 HessHStA, 1150:46: S[ante], Dienstreise am 27./28.7.1939 v. 1.8.1939, 3. 
90 HessHStA, 1150/46: Sante vertraulich an Zipfel v. 4.8.1939; cf. Wolfanger, „Bürckel und 
Simon“, 397-409. 
91 HessHStA, 1150/46: S[ante], Dienstreise am 27./28.7.1939, 7, cf. 5-6; S[ante] an Emrich v. 
7.8.1939, 2-3. 
92 HessHStA, 1150/46: Sfante], Dienstreise am 27./28.7.1939, 7. 
93 ADM, 1W208: Stillhaltekommissar v. 31.8.1940, Anordnung 1/40: Bürckel (CdZ) v. 22.8. 
1940; cf. Wolfanger, „Nationalsozialistische Politik“, 109-10. 
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