Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Gaues von Bürckel wurde ein Saararchiv entworfen. 1935 strebte Sante dessen 
Aufbau in Saarbrücken an. Gleichermaßen schwebte Hellwig ein das Grenz¬ 
landinstitut unterstützendes Saar-Archiv vor, in dem die Akten der Landesleitung 
der Deutschen Front, der Gauleitung und des Saarkommissariats, der ehemaligen 
Parteien, der Presse des Saargebietes, der französischen Bergwerksdirektion, die 
Geschäftsunterlagen des Berliner BSV und der Eisenbahndirektion aufgenommen 
würden.84 Auf die Unterlagen der Regierungskommission hatten es Sante und 
Hellwig besonders abgesehen. Für die saarländische Landesforschung waren 
sie genauso unentbehrlich wie für die polizeilichen Verfolgungsbehörden. Die 
nationalsozialistische Gegnerabwehr hoffte, die Namen und Aktivitäten von 
Antifaschisten aus dem Saarkampf ermitteln zu können. Dieses Vorhaben war 
von der Regierungskommission vereitelt worden. Nur die für die laufenden Ver¬ 
waltungsaufgaben unabdingbaren Akten wurden abgegeben. Die Berichte der 
Regierungskommission wurden beim Völkerbund in Genf deponiert und Personen 
bezogene Unterlagen vor Ort vernichtet. Aus dem Hof der Regierungskommission 
stieg den halben Februar 1935 hindurch Rauch auf.85 Nach der Rückkehr Santes 
nach Wiesbaden wurden die Archivpläne des neuen Gaues Fürs Erste aufgeschoben. 
1938 kam die preußische Archivdirektion darauf zurück und beauftragte Sante in 
Wiesbaden mit Planungen für ein saarpfälzisches Reichsarchiv.86 Für dieses sah 
Sante die Übernahme der saarländischen Bestände aus anderen deutschen Staats¬ 
archiven vor. Um es zu einem Archiv über den Saarkampf auszubauen, sollten die 
Unterlagen der Regierungskommission und die Registratur der preußischen Ver¬ 
bindungsstelle Watermanns,8 dazu die Akten des Saarwirtschaftsarchives und die 
Überlieferungen von Einzelpersonen, Vereinen, Verbänden, Gewerkschaften und 
Parteien aufgenommen werden. Wissenschaftlich sollte das neue Reichsarchiv zur 
saarpfälzischen Landesgeschichte forschen, wozu Sante am Sitz des Reichsarchivs 
eine Historische Kommission der Saarpfalz gründen lassen wollte. Obwohl er 
dem jungen Saarpfälzischen Institut einen gleichberechtigten Platz unter den 
westdeutschen Landesforschungsinstituten wünschte, sparte er nicht mit Kritik am 
Zustand der regionalen Geschichtsforschung. Das Saarpfälzische Institut sei durch 
die Vereinigung sämtlicher wissenschaftlicher Fächer deutlich überfordert und 
nicht in der Lage, Landesgeschichte zu betreiben.88 
84 LASb, SM 45: [Hellwig] Errichtung eines Grenzlandinstitutes, 4-6. 
85 HessHStA, 1 150/63: „Les archives sarroises“, Le Temps (20.1.1935); cf. Sante an Brack¬ 
mann v. 26.1.1935; 1150/46: S[ante], Aktenvermerk über Zipfels u. Santes Dienstreise nach 
Saarbrücken, Völklingen u. Kaiserslautern am 27./28.7.1939 v. 1.8.1939, 3; Sante vertraulich 
an Zipfel v. 30.12.1938, 6; Gespräch mit Hellwig am 9.1.1999; H.-W. Herrmann, „Speyer - 
Saarbrücken“, 230. 
86 H.-C. Herrmann, „Grundzüge“, 221-24; Läufer, Landesarchiv Saarbrücken, 9-10. 
87 HessHStA, 1150/46: Sante vertraulich an Zipfel v. 4.8.1939. 
88 HessHStA, 1150/46: Sante vertraulich an Zipfel v. 30.12.1938, 2-9, Zitat 3. 
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