Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Musikkonservatorium in Metz dienten der kulturellen Eindeutschung vor allem 
die Erziehungs- und Bildungsstätten, die Schulen und Deutschkurse für Erwach¬ 
sene, die Museen, Bibliotheken und Forschungsinstitute, wie die Mittelstelle 
Westmark und das Lothringische Institut.74 Der Kaiserslauterer Wissenschaftler 
Ramsauer schaute der Metzer Zeitung auf die Finger und kritisierte deren regio¬ 
nalgeschichtliche Serie. Um lothringische Abkapselung zu unterbinden und die 
Bevölkerung für Deutschland zu gewinnen, müssten Geschichtsdarstellungen aus 
französischen Werken vermieden und stattdessen die neueste deutsche Literatur 
herangezogen werden. Am besten solle die Metzer Zeitung die Lothringenserie 
ganz einstellen, um die Bevölkerung politisch nicht zu verwirren. Ramsauer 
unterstrich sein Anliegen, indem er eine Abschrift seiner Beschwerde an die 
Behörde des CdZ sandte.75 
Eigenständiges lothringisches Geschichtsbewusstsein war suspekt; man misstraute 
seiner Nähe zum französischen Nationalismus, von dem es wie zu Zeiten Maurice 
Barrés’ ausgenutzt worden sei: „Wen will es wundern, daß man versuchte, aus 
dem vermeintlichen Sondergeschick ein Sonderbewußtsein zu machen und den 
Lothringern sogar so etwas wie eine ,völkische Eigenpersönlichkeit’ zusprechen 
wollte.“76 Emrich warnte die Gauleitung vor „Methoden geheimer Kritik und 
Flüsterpropaganda“.77 Lothringische Zeitungen, die die französische Geschichte 
der Moselle andeuteten - ein historischer Artikel hatte von der mittelalterlichen 
Herrschaft des französischen Hauses Anjou-Plantagenet über das Herzogtum 
Lothringen gesprochen78 79 - ließ er abmahnen. Emrich schlug den Zeitungen dafür 
bestimmte Themen aus der deutschen Volks-, Kultur- und politischen Geschichte 
Lothringens vor und ließ sie mit Material beliefern.74 Lothringen war Teil der 
deutschen Westmark geworden und hatte, wie der Volkskundler Fox ausführte, 
seine Grenzlandpflichten für das Reich zu erfüllen: „Die Ansprüche Lothringens 
auf eine Eigenständigkeit sind weder geschichtlich noch völkisch begründet. 
Seine volkhaften Verflechtungen mit der Saargegend und der Pfalz bilden die 
Grundlage der neuen Mark, die wir ,Westmark’ nennen. Die Aufgabe einer Mark 
Kölsch, „Sprachenkampf1, 352-53; cf. Sary, „Vie à Metz“, 156-57; LASb, NL We 006: 
Emrich an Welsch v. 2.5.1947. Zu den Volksschulen in der Moselle, im Eisass und in Luxem¬ 
burg während der Zweiten Annexion entsteht eine Doktorarbeit von Fabrice Weiss (Montois- 
la-Montagne). 
HMP, G/Besprechungsbelege, LI: Ramsauer an Metzer Zeitung v. 10.8.1940; cf. Thierry 
Mohr, „Les quotidiens nazis Deutsche Front et NSZ Westmark en Moselle annexée (1940- 
1944)“, Les cahiers lorrains (1997), 147-65, hier 159, 163. 
76 Rembert Ramsauer, „Die Westmark und das Reich“, Westmärkische Abhandlungen zur 
Landes- und Volksforschung, 4 (1940), 5-8, hier 7. 
7 HMP, G/Allgemein 1941-42: Emrich an Barth v. 7.8.1940. 
78 E, O. Single, „Metz pfändet eine Herzogin: Aus der Geschichte unserer Stadt“, NSZ West¬ 
mark: Ausgabe Metz (21.2.1941). 
79 ADM, 1W234: Emrich an Ruppe!, Hausen, Braun, Stemmermann, Reker, Bertram u. 
Schmeller v. 27.2.1941; ferner bemängelte Emrich „Sebastian Ledere: Leben und Werk des 
berühmten Metzer Kupferstechers“, Metzer Zeitung {14.2.1941). 
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