zwischen „innerer“ und „äußerer Grenze“ war in die Teilräume Niederlande,
Flandern, Wallonien, Lothringen und Burgund gegliedert.'7 Ausdrücklich überschritt
die Reichsstelle für Raumordnung die linguistische Scheide zwischen
Romania und Germania, weil Sprachgrenzen „niemals klar abgesetzte Grenzlinien,
sondern Grenzräume“ seien. Diese äußere Grenze sei natürlich, „morphologisch
und landschaftlich begründet“; sie folge den alten Stammesgrenzen. Dass sich die
„äußere Grenze“ wie von ungefähr mit der mittelalterlichen Reichsgrenze von 843
decke, war für die Reichsstelle für Raumordnung ein Beweis für die historische
Legitimität, Frankreich auf das alte Westfränkische Reich zu beschränken.'8
Lothringen und das Reich
„Eigenwert und Eigengewicht" Lothringens* 59 betonte der Deutschtumstheoretiker
und -historiker Max Hildebert Boehnt in seinem Buch Lothringerland. Zur Überraschung
der Westforschung schrieb Boehm 1941 eine allgemeine Geschichte
ganz Lothringens und seiner Grenzlandproblematik,60 wobei er von dem im
Dienst der deutschen Abwehr in Paris stehenden Oberleutnant Alfred Toepfer
unterstützt wurde, dem an Mitteln und Einfluss reichsten Volksdeutschen Mäzen.61
Toepfer vermittelte Boehm im Juni 1941 in Paris ein Treffen mit dem Chef der
Abteilung Verwaltung im deutschen Militärverwaltungsstab in Frankreich, SS-Standartenführer
Werner Best, dem Boehm seine Westforschungen erläutern durfte.62
Lothringen galt Boehm als ein Beispiel dafür, welchen Vorsprung die französische
Wissenschaft erlangt habe, da die Franzosen ohne völkische Hemmungen
den Raum ihrer historischen Ansprüche zum Monopolbereich ihrer Forschung ge¬PAAA,
R105124: RfR, Raumplanerische Möglichkeiten v. 15.7.1940, 10-19: Diskutiert wurde
ferner die Gliederung der Niederlande und Nordbelgiens in Holland, Brabant und Flandern.
s PAAA, RI05124: RfR, Raumplanerische Möglichkeiten v. 15.7.1940, 2, 7, 6.
59 Max Hildebert Boehm, Lothringerland: Anderthalb Jahrtausende Grenzlandschicksal zwischen
Argonnen und Vogesen (München: Bruckmann, 1942), 434.
60 ADM, 1W236, rote Mappe: Halber an [Leo] Just (Bonn) v. 15.3.1941.
61 BAKo, N1077/7: Boehm an Toepfer v. 25.2.1948; AN, AJ40 570/2, f. 96: Boehm an Toepfer
v. 8.5.1941; AN, AJ40 570/3, f. 21, 22: Telegramme OKVR Dr. Ernst Wermke (MBF-Bibliothekenschutz)
an Boehm v. 10.6.1941, Boehm an Wermke v. 16.6.1941; cf. Lionel Boissou,
„Les activités du .Bureau d’achat du capitaine Toepfer et Stahlberg et C'e“‘, Frankreich und
Deutschland im Krieg (November 1942 - Herbst 1944): Okkupation, Kollaboration, Résistance:
Akten des deutsch-französischen Kolloquiums La France et F Allemagne en Guerre (novembre
1942- automne 1944)/ Occupation, Collaboration, Résistance, veranstaltet v. Dt. Hist. Inst.
Paris u. d. C,re d’Etudes d’Hist. de la Défense, Vincennes, Zsarb. mit d. Inst. f. Zeitgeschichte,
München u. d. Inst. d’Hist. du Temps Présent, Cachan, Hg. Stefan Martens, Maurice Vaïsse,
Pariser Historische Studien, 55 (Bonn: Bouvier, 2000), 277-95; Karl Heinz Roth, „Alfred
Toepfer: Großkaufmann, Kulturimperialist und Kriegstreiber: Ein Dokument aus dem Jahr
1937“, 1999, 14 (1999), H. 2, 110-29; Kreis, „Toepfer“; Jan Zimmermann, „Ein Niederdeutscher
und Österreich: Zum kulturpolitischen Programm des Hamburger Kaufmanns Alfred
Toepfer und seiner Stiftung F.V.S. vor 1945“, Ms., Hamburg, 1997 (ich danke Herrn Zimmermann
für die freundliche Zusendung seines Manuskripts).
62 AN, AJ40 570/2, f. 95: Wermke an Best via Dahnke v. 20.5.1941. Unterstützt wurde Boehm
ferner von Loesch und vom Chef der Heeresbüchereien.
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