und der Moselle.’4 Die herausragenden Produkte aus dem ELI waren das dreibändige
Reichslandwerk und der Elsaß-Lothringische Atlas, nicht zu vergessen
die 22 Jahrgänge des Elsaß-Lothringischen Jahrbuches,* 35 Doch stand auch in
diesen Lothringen hinter dem Eisass zurück.
Lothringische Biographien waren die Spezialität Wentzckes.36 Seine Abhandlung
über „Charles de Villers“ aus dem Jahre 1934 verdient besondere Aufmerksamkeit.
Am Beispiel des vor der Französischen Revolution geflohenen lothringischen
Adligen, der Jahrzehnte lang an der Göttinger Universität lehrte, um schließlich
1814 von deutschen Nationalisten als Franzose entlassen zu werden, drückte
Wentzcke sublim seine Kritik an der nationalsozialistischen Vertreibung seiner
jüdischen Kollegen aus: „Kleinliche Eifersucht einiger Professoren und ein sinnloser
Haß leitender Beamten, die deutscher sein wollten als die Deutschen,
müssen zur Erklärung dieses schändlichen Verhaltens dienen.“37 Die Nationalsozialisten
beargwöhnten Wentzckes privaten Umgang „mit jüdisch versippten
Herren“.38 Vorbehalte gegen bestimmte Punkte der nationalsozialistischen Politik
hinderten Wentzcke aber nicht daran, sich ein paar Jahre später ohne Zwang in
den Dienst des nationalsozialistischen Imperialismus zu stellen, für den Kriegseinsatz
der deutschen Geisteswissenschaften zu veröffentlichen39 und im Rahmen
der WFG zur Beobachtung der geistigen Entwicklung in Westeuropa den Übersetzungs-
und Informationsdienst West, die Publikationsstelle Frankfurt, zu
errichten, mit der er sich gegen Ende des Zweiten Weltkrieges dem Reichssicherheitshauptamt
(RSHA) unterstellte.40
Im ethnozentristischen Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums wurde
Elsass-Lothringen in einem ausführlichen Artikel beschrieben.41 Werner Gley
4 Franz H. Hausen, „Elsaß-Lothringen in seiner heutigen wirtschaftlichen Entwicklung“,
Elsaß-Lothringisches Jahrbuch, 12 (1933), 297-316, hier 316.
35 Werner Gley, „Zur Bevölkerungsentwicklung in Elsaß-Lothringen: Ergänzungen zum Elsaß-Lothringischen
Atlas“, Elsaß-Lothringisches Jahrbuch, 12 (1933), 317-28; Musall, „Zur Entwicklung“,
571.
36 IfSFfm, Pers. 10531: Personalakte Wentzcke; StdADdf: Karteikarte Wentzcke.
7 Paul Wentzcke, „Charles de Villers: Ein Franzose im Bann deutscher Bildung“, Völkische
Wissenschaft [2] (1934/35), 357-61, hier 361; cf. id., Feldherr des Kaisers: Leben und Taten
Herzog Karls V. von Lothringen (1643-1690), Das Reich und Europa: Gemeinschaftsarbeit
deutscher Historiker (Leipzig: Koehler, 1943).
8 BDC, Wentzcke: Reichsamtsleiter an StF v. 21.6.1938.
39 Wentzcke, Feldherr, wurde vom „Kriegseinsatz der deutschen Geisteswissenschaften“
herausgebracht.
40 PAAA, RI00479, passim; BDC, Ordner 949 (Raum 3031): Akte Ahnenerbe B 264-791;
Winfried Krallert (23.01.1912), f. 3: Tagung des Kuratoriums mit den VFG und Publikationsstellen
in Prag am 9./10.3.1944; cf. IfSFfm, Mag. 6603/1, Bd. 2: Verhandlungen zum ELI
1935-55.
41 „Elsaß und Lothringen“, Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, Hg. Carl
Petersen, Otto Scheel, Paul Hermann Ruth, Hans Schwalm (Breslau: Hirt, 1937), 2: 311-432;
cf. Fahlbusch, „ Wo der deutsche“, 129-49; id., Wissenschaft, 147-56. Halber trug einige Teile
bei; BAKo, RI73/119: Chr. Halber, „Metz“.
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