deutschsprachigen Moselle, gefördert und damit ebenfalls der 1936 gegründete
Verein für lothringische Volkskunde, dessen Geschäfte Pinck als Generalsekretär
führte.23 Saarländische Wissenschaftler, allen voran sein Förderer Keuth, zogen
Pincks Forschungen als Beweis für das Deutschtum Lothringens heran, tauschten
sich mit ihm aus und unterstützten ihn materiell.24
Im September 1939 wurde Pinck mit den Bewohnern der Dörfer vor der Maginotlinie
in die Charente nach Südwestfrankreich evakuiert. Im Sommer 1940 trat er
offen für eine deutsche Annexion der Moselle ein.25 Nachdem er aber im Flerbst
aus der Evakuierung nach Hambach zurückgekehrt war, änderte der mittlerweile
schwer kranke Pinck seine Meinung über die Heimkehr Lothringens ins Reich.
Die brutale Praxis der deutschen Annexionsverwaltung zwang ihn kurz vor
seinem Tod zum Umdenken: „so haben wir es nicht gewollt“.26 Louis Pinck starb
am 8. Dezember 1940 in Saarbrücken.27
Deutsche Lothringen-Forschung
Schaute man in der Zwischenkriegszeit von Deutschland aus auf das ehemalige
Reichsland, stand die Moselle (und steht sie vielfach heute noch) immer im
Schatten des Eisass. Verschiedene Erklärungen bieten sich hierfür an: Das Eisass
hat mehr Einwohner und die größere Fläche, ist dichter besiedelt und wirtschaftlich
reicher als die Moselle. Aber vor allem ist es im höherem Maße germanophon.
Sprach man in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg von Elsass-Lothringen,
bezog man sich häufig bloß auf das Eisass. Gelegentlich kam aber auch der
umgekehrte Fall vor: Vom Eisass allein war die Rede, aber gedanklich war die
Moselle mitgemeint. In jedem Fall wurde Letztere stiefmütterlich behandelt. Die
wissenschaftliche Literatur zu Elsass-Lothringen machte da keine Ausnahme.28
PAAA, R60284, f. E061393: [Mayer], Jahresabrechung der WFG für 1938/39 v. 6.6.1939; cf.
Pierre Caron, Marc Jaryc, Répertoire des sociétés françaises de sciences philosophiques, historiques,
philologiques et juridiques, publié par la Fédération des Sociétés françaises de Sciences
philosophiques, historiques, philologiques et juridiques (Paris: Maison du Livre français, 1938),
105-06. Für die Zusendung von Fotokopien aus der Zeitschrift für lothringische Volkskunde danke
ich Herrn Professor François Roth (Nancy); Roth an den Verf. v. 20.3.1997.
~4 6 LASb, SM 116: Keuth an Landeskulturwart Schulrat Hardt (Saarbrücken) v. 10.11.1934; cf.
LASb, SM 37: Keuth an Pinck v. 4.5.1928; SM 52: Pinck an Keuth v. 8.10.1930, Keuth an
Pinck v. 9.10.1930; SM 44: Keuth an Pinck v. 22.3. u. 17.5.1934; HessHStA, 1150/68: Sante
an Josef Müller v. 11.7.1930.
7 Georg Kreis, „Alfred Toepfer und das Elsaß“, Alfred Toepfer: Stifter und Kaufmann - Bausteine
einer Biographie: Kritische Bestandsaufnahme, Hg. id. [et al.] (Hamburg: Christians, 2000),
85-185, hier 102; cf. Keuth, „Pinck“ 349.
6 Zit. nach H. Hiegel, „Pinck“, 260 n. 114.
'7 Mayer, „Betrachtungen,“ 65; F. Roth, Temps des journaux, 267.
'x Die deutschen und französischen wissenschaftlichen Arbeiten über die umstrittenen ostfranzösischen
Departements bis 1918 fasste Haubrichs, „Krieg der Professoren“, 213-48 zusammen.
Cf. Hendrik Thoß, Purifier - centraliser - assimiler1 - Reannexion und Vertreibung
im Elsaß und in Lothringen nach 1918“, Vertreibung und Minderheitenschutz in Europa, Hg.
Frank-Lothar Kroll, Matthias Niedobitek, Chemnitzer Europastudien, 1 (Berlin: Duncker &
Humblot, 2005), 281-96, hier 282.
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