Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Volksliedersammlungen,  die  es  je  gab.  Vier  Bände  wurden  von  Pinck  selbst
veröffentlicht,  der  fünfte  Band  posthum  1962  von  Josef  Müller-Blattau  herausgegeben.1’'
  Die  ersten  drei  Bände  erschienen  1926-33  in  Metz.  Für  den  vierten
Band  musste  Pinck  auf  den  Kasseler  Bärenreiter-Verlag  ausweichen.  Meier  und
die  DFG9 10  nahmen  1938  diesen  vierten  Band  als  „wertvolles  Denkmal  deutscher
Kultur“  unter  ihre  Fittiche.11  1937  brachte  Meiers  Volkskundeverband  eine
erschwingliche  Volksausgabe  der  Liedersammlung  heraus.12
Louis  Pinck
Der  bedeutendste  deutschlothringische  Forscher  seiner  Zeit  war  zweifellos  Pfarrer
Dr.  h.  c.  Louis  Pinck  (1873-1940).  Pinck  wurde  am  11.  Juli  1873  in  Lemberg  bei
Bitsch  (Bitche)  geboren.  1901  zum  Priester  geweiht,  nahm  Pinck  als  Domprediger
von  Metz  und  als  Chefredakteur  der  Lothringer  Volksstimme  auf  das  lokale  religiöse
  und  politische  Leben  Einfluss.  Nach  einem  die  Politik  Wilhelms  II.  missbilligenden
  Artikel  wurde  er  1908  in  die  Pfarrei  des  kleinen  lothringischen  Dorfes
Hambach  strafversetzt.  Hier  predigte  er  bis  zur  kriegsbedingten  Evakuierung  1939.13
Nach  der  Rückkehr  Lothringens  nach  Frankreich  blieb  Pinck  weiterhin  politisch
aktiv  und  bekämpfte  die  französische  Zentralpolitik,  die  die  deutsche  Sprache  und
Kultur  aus  Ostlothringen  verbannen  wollte.  Unter  der  Parole  „Los  von  Frankreich“
engagierte  er  sich  an  der  Seite  der  eisass-lothringischen  Autonomisten.14  Mit  Fritz
Spieser,  dem  Straßburger  Archivdirektor  Joseph  Brauner,  Marcel  Stürmei  oder
Joseph  Rossé  war  er  gut  bekannt.  Sein  Bruder,  der  Bankier  Emile  Pinck,  ebenfalls
ein  führendes  Mitglied  der  elsass-lothringischen  Heimat-  und  Autonomiebewegung,

9  Mayer,  „Betrachtungen“,  66.  Zu  Müller-Blattau:  John,  „Mythos“  168-79;  Kater,  „Antisemitismus“,
  132-45,
10  Laut  dem  Bärenreiter-Verlag  wurden  auch  schon  die  drei  ersten  Bände  der  Verklingenden
Weisen  mit  Unterstützung  der  DFG  herausgegeben;  BAKo,  R73/13644:  Bärenreiter  an  DFG  v.
10.11.1938.
11  BAKo,  R73/13644:  Meier  an  DFG  v.  25.11.1938,  cf.  DFG  an  Meier  v.  19.12.1938,  Bärenreiter
  an  DFG  v.  10.1  1.,  21.12.1938  u.  20.10.1939,  Mentzel  (DFG)  an  Bärenreiter  v.
19.12.1938,  Griewank  an  Bärenreiter  v.  9.10.1939.
12  Lothringer  Volkslieder:  Aus  den  ,,  Verklingenden  Weisen“,  Hg.  Louis  Pinck,  Landschaftliche
Volkslieder,  H.  31  (Kassel:  Bärenreiter,  1937  [Deckblatt:  1941]).
13  Laurent  Mayer,  Culture  populaire  en  Lorraine  francique:  Coutumes,  croyances  et  traditions:
Etude  réalisée  à  partir  des  „  Verklingende  Weisen  “  de  Louis  Pinck  (Strasbourg:  Salde,  2000),
23;  id.,  „Betrachtungen  über  Literatur  und  das  Volkslied  in  Ostlothringen“,  Literatur  an  der
Grenze:  Der  Raum  Saarland-Lothringen-Luxemburg-Elsaß  als  Problem  der  Literaturgeschichtsschreibung:
  Festgabe  Jur  Gerhard  Schmidt-Henkel  [Vorträge  des  Symposiums  Literatur  an  der
Grenze,  das  anläßlich  des  65.  Geburtstages  von  Prof.  Dr.  Gerhard  Schmidt-Henkel  am  6.  Juli
1990  von  der  Fachrichtung  Germanistik  an  der  Universität  des  Saarlandes  veranstaltet  wurde:
eine  Veröffentlichung  des  Archivs  für  die  Literaturen  der  Grenzregionen  Saar-Lor-Lux-Elsaß],
Hg.  Uwe  Grund,  Günter  Scholdt  (Saarbrücken:  SDV,  1992),  55-69,  hier  64-65.
14  AAE,  France  15,  f.  115-16:  Sonderkommissar  Bauer  (Bahnhof  Strasbourg)  an  die  Direction
des  Services  Généraux  de  Police  d’Alsace  et  de  Lorraine  beim  Präfekten  des  Dept.  Bas-Rhin  v.
5.11.1925;  cf.  François  Roth,  Le  temps  des  journaux:  Presse  et  culture  nationales  en  Lorraine
mosellane  1860-1940  (Metz:  Serpenoise/Nancy:  PU  de  Nancy,  1983),  267.

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