saarpfälzischen Auswanderung, sodass Bürckel umgehend seine Gauwissenschaftler
anwies, ihre Verbindungen nach Wien auszubauen/1’'
Die auslandsdeutsche Arbeit führte Hitlers imperialistische Aufträge aus. Schon
1935 erläuterte Hitler führenden Männern der Volksdeutschen Arbeit im Reich
seine außenpolitischen Vorhaben. Er wolle gedeckt durch die aufgerüstete Wehrmacht
das Selbstbestimmungs- und Minderheitenrecht der deutschen Volksgruppen
in Europa „mit größerem Nachdruck“ vertreten. Das Sudetenland würde er „ohne
Schwertstreich“ nur durch militärische Drohung erobern. Befreundete und
abhängige Staaten wolle er gewaltlos von den Rechten der deutschen Minderheiten
überzeugen.''94 Die Führungsspitzen der grenz- und auslandsdeutschen
Verbände gingen Hitler bei der Vorbereitung des faschistischen Angriffskrieges
zur Hand. Auch der Mittelstelle Saarpfalz erwuchsen ab 1938 neue Aufgaben:
„Bei den augenblicklichen Gegebenheiten der politischen Verhältnisse wird den
Massenauswanderungen im 18. Jahrhundert nach dem Südosten und nach Übersee
und im 19. Jahrhundert nach Übersee besondere Bedeutung beigemessen“,
deutete Braun an.595 Welche „besondere Bedeutung“, das hatten die Sudetendeutschen
demonstriert. Für die Expansionspolitik des Nationalsozialismus eingesetzt,
konnte eine politisierte Gruppe von Volksdeutschen einen fremden Staat von
innen zersetzen. Den Volksdeutschen in der verbliebenen Tschechoslowakei war
dieselbe Bestimmung zugedacht, weshalb Hitler ihnen die Auswanderung verbot.596
Dies wird Braun nicht verborgen geblieben sein, zumal die Saarpfalz durch ihren
Gauleiter direkt an der deutschen Politik gegen die „Rest-Tschechei“ beteiligt
war."97 Nach der Münchner Konferenz wandten sich die Balkanstaaten von den
Westmächten ab; Anfang 1939 banden Ungarn und Rumänien ihre Volkswirtschaften
durch weit reichende Abkommen in die deutsche kontinentale Großraumwirtschaft
ein.598 Mit der Besetzung Tschechiens und der Angliederung des
Memelgebietes erreichten die außenpolitischen Fährnisse Hitlers im Frühjahr
1939 ihren Vorkriegshöhepunkt und das nächste Eroberungsobjekt Polen war
HMP, G/Vbv., VDA: Kallbrunner an Bürckel v. 30.3.1938, RR Dr. Walter Hofmann an
Emrich v. 5.5.1938, cf. Braun an Emrich v. 12.5.1938.
7,4 R. Emst, Rechenschaftsbericht, 199-200.
797 BayHStA, MK 15553: [Braun] Aufgaben der Mittelstelle.
w> Jacobsen, Nationalsozialistische Außenpolitik, 443-44; Jörg K. Hoensch, „Hitlers ,Neue
Ordnung Europas1: Grenzveränderungen, Staatsneugründungen, nationale Diskriminierung“,
Der nationalsozialistische Krieg, Hg. Norbert Frei, Hermann Kling, Mitarb. Margit Brandt
(Frankfurt, M.: Campus, 1990), 238-54, hier 249; cf. Wendt, Großdeutschland, 147, 153.
>>1 Vaclav Kral, „Einleitung“, Das Abkommen von München 1938: Tschechoslowakische diplomatische
Dokumente 1937-1939, zsgest., Vorw. u. Anm. v. id., Übs. Adolf Schebek (Prag: Academia,
1968), 7-41, hier 38-39; Dieter Wolfanger, „Populist und Machtpolitiker: Josef Bürckel: Vom
Gauleiter der Pfalz zum Chef der Zivil Verwaltung in Lothringen“, Die Pfalz unterm Hakenkreuz:
Eine deutsche Provinz während der nationalsozialistischen Terrorherschaft, Hg. Gerhard Nestler,
Hannes Ziegler (Landau: PVA, 1993), 63-86, hier 71; Oldenhage, „Verwaltung“, 1134.
598 Eckart Teichert, Autarkie und Großraumwirtschaft in Deutschland 1930-1939: Außenwirtschaftliche
Konzeptionen zwischen Weltwirtschaftskrise und Zweitem Weltkrieg, Studien zur
modernen Geschichte, 30 (München: Oldenbourg, 1984), 47.
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