Full text : Volk, Reich und Westgrenze

volkspolitische,  biologische  u.  a.  Forschung“587  und  waren  damit  ein  unerlässliches
Hilfsmittel  für  den  Nachweis.  Was  die  Reichsstelle  für  Sippenforschung  beim
Reichsinnenministerium  für  die  Inlandsdeutschen  sei,  so  bekannte  man  stolz,  sei
die  DAl-Hauptstelle  für  Sippenkunde  für  das  gesamte  Auslandsdeutschtum.  In
regionaler  Untergliederung  nahm  sie  den  „Sippenbestand“  und  historische,
statistische  und  bibliographische  Daten  des  Auslandsdeutschtums  auf.588
Da  die  Balkanauswanderer  im  18.  Jahrhundert  von  der  kaiserlichen  Regierung
geworden  waren  oder  sich  vor  ihrer  Ansiedlung  in  Wien  zu  melden  hatten,  war
das  Wiener  Hofkammerarchiv  das  Herzstück  für  die  deutsche  Südostauswandererforschung.589
  Über  die  von  Hofkammerarchivdirektor  Dr.  Josef  Kallbrunner590
herausgegebenen  Quellen  zur  deutschen  Siedlungsgeschichte  in  Südosteuropa
hinaus  lagerten  im  Hofkammerarchiv  noch  viele  unverzettelte  Aktenbestände  zur
saarpfälzischen  Auswanderung,  um  die  sich  Brauns  Mittelstelle  bemühte.  Das
Material  wurde  vom  Mitarbeiter  des  Hofkammerarchivs  Dr.  Franz  Stanglica  und
vom  Pfälzer  Emil  Maenner  durchsucht.  Über  seinen  VDA-Kameraden  Maenner
schaltete  sich  1936  Braun  ein.'91  1937/38  bezahlte  die  Mittelstelle  Saarpfalz  eine
Stipendiatsstelle  am  Hofkammerarchiv.  Als  Gegenleistung  sandte  das  Hofkammerarchiv
  die  Abschriften  der  die  Saarpfalz  betreffenden  Namen  nach  Kaiserslautern/92
  Seine  Kontakte  zur  saarpfälzischen  Auswandererforschung  öffneten
Kallbrunner  im  Frühjahr  1938  die  Tür  zum  neuen  Reichskommissar  für  die
Wiedervereinigung  Österreichs  mit  dem  Deutschen  Reich  und  Gauleiter  von  Wien,
der  niemand  anderer  war  als  der  Gauleiter  der  Saarpfalz.  Kallbrunner  beeindruckte
Bürckel  mit  dem  umfangreichen  Aktenmaterial  des  Hofkammerarchivs  zur

587  BAKo,  R57neu/626:  Forkmann,  Karteien  der  HS  v.  9.6.1942.
588  Fritz  Braun,  „Sippenkartei  des  Außendeutschtums“,  Jahrbuch  des  Deutschen  Ausland-Instituts
  zur  Wanderungsforschung  und  Sippenkunde,  6  (1941/42),  258-62;  cf.  BAKo,  R57neu/626:
„Sippenkundliche  Arbeitsgemeinschaft".
589  Fritz  Braun,  „Landsleute  drinnen  und  draußen:  Wien  als  Tor  saarplalzischer  Auswanderung
in  den  Südostraum",  Unsere  Heimat:  Blätter  für  saarpfälzisches  Volkstum  (1937/38),  209-10.
590  Stanglica  bezeichnete  Kallbrunner  als  Mitglied  der  NSDAP;  BDC,  Stanglica:  Stanglica,
Lebenslauf  [ca.  1938]  [  1].  Kallbrunner  war  Mitglied  der  DA  und  der  SODFG;  Haushofer,
Leben  und  Werk,  2:  601;  Fahlbusch,  Wissenschaft,  133;  cf.  Michael  Fahlbusch,  „Die  ,Südostdeutsche
  Forschungsgemeinschaft4:  Politische  Beratung  und  NS-Volkstumspolitik“,  Deutsche
Historiker  im  Nationalsozialismus,  Hg.  Winfried  Schulze,  Otto  Gerhard  Oexle,  Mitarb.  Gerd
Helm,  Thomas  Ott,  Die  Zeit  des  Nationalsozialismus  (Frankfurt,  M.:  Fischer,  1999),  241-64;
Otto  Brunner,  „Josef  Kallbrunner  (1881-1951)  und  die  Erforschung  des  Südostdeutschtums“,
Josef  Kallbrunner,  Das  kaiserliche  Banat:  Einrichtung  und  Entwicklung  des  Banats  bis  1739,
Veröffentlichungen  des  Südostdeutschen  Kulturwerks,  R.  B:  Wissenschaftliche  Arbeiten,  11
(München:  Südostdt.  Kulturwerk,  1958),  7-8.
591  ÖStA  (HR  Dr.  Christian  Sapper)  an  den  Verf.  v.  11.1.2000;  HKA,  Archivverhandlungen,  ZI.
1.129/1936.
r'92  HMP,  G/Vbv.,  VDA:  Braun  an  Emrich  v.  12.5.1938;  cf.  Braun,  „Landsleute“,  Saarpfälzische
Abhandlungen,  2  (1938),  479;  Weinkauff,  „Jahrestagung  des  DAI“,  623.  Aus  den  Quellen  geht
nicht  hervor,  wer  das  Stipendium  der  Mittelstelle  erhielt.  Im  Finanz-  und  Hofkammerarchiv
konnten  in  den  Kurrentakten,  dem  Bestand  „Archivverhandlungen“  für  den  Zeitraum  1933  bis
1943  hierzu  keine  Unterlagen  ermittelt  werden;  ÖStA  an  den  Verf.  v.  11.1.2000.

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