Full text : Volk, Reich und Westgrenze

sich.  Diese  wurden  seiner  Hauptabteilung  Wanderungsforschung  und  Sippenkunde
  unterstellt,580  einheitlich  ausgerichtet  und  geschult  und  vermittelten  zwischen
  dem  DAI  und  den  Gauleitungen.  Die  Mittelstelle  Saarpfalz  blieb  wie  bisher
formell  nur  ihrem  eigenen  Beirat  verantwortlich,-81  nahm  allerdings  ab  Dezember
1938  einen  Vertreter  des  DA!  in  diesen  auf,  passte  ihre  Forschung  der  sippenkundlichen
  Zentralstelle  in  Stuttgart  an  und  unterstellte  ihre  Außenarbeit  den
Richtlinien  des  DAL582
Die  DAI-Hauptabteilung  Sippenkunde,  der  1940  28  Forschungsstellen  mit  95
Mitarbeitern  (davon  die  Hälfte  Akademiker)  angeschlossen  waren,  verband
wissenschaftliche  Forschungsarbeit  mit  praktischer  Betreuung.  Sie  erforschte  die
Aus-,  Ein-,  Weiter-  und  Rückwanderung,  erfasste  die  ausgewanderten  Volksgenossen
  und  ihre  Nachkommen  und  stellte  Beziehungen  zwischen  diesen  und
den  deutschen  Regionen  her.  Zu  Kriegsbeginn  zahlten  sich  die  auslandsdeutschen
Kontakte  aus.583  Der  Hauptabteilung  Sippenkunde  wurde  die  VoMi  der  SS  als
Reichsaufsichtsbehörde  übergeordnet,  von  der  sie  laufend  besondere  Aufgaben
erhielt.  Wegen  der  zunehmenden  politischen  Bedeutung  der  Forschungsstellen
schaltete  sich  die  VoMi  seit  Kriegsbeginn  in  die  Führung  ein.  1943  unterstellte  sie
sich  die  Forschungsstellen  direkt,584  um  die  deutschen  Minderheiten  als  „politische
  Dispositionsmasse“  gegen  deren  Heimatstaaten  einzusetzen.585
In  der  Hauptabteilung  Sippenkunde  des  DAI  arbeitete  Brauns  Mittelstelle  eng  mit
der  Hauptstelle  für  die  Sippenkunde  des  Deutschtums  im  Ausland  zusammen.  Die
Hauptstelle  wurde  von  dem  alldeutschen  Pfarrer  Manfred  Grisebach  geleitet  und
gab  zwischen  1937  und  1942  das  Jahrbuch  des  Deutschen  Ausland-Instituts  zur
Wanderungsforschung  und  Sippenkunde  heraus.586  Grisebach  war  für  die  Abstammungsnachweise
  der  Ausländsdeutschen  zuständig.  Deren  Nachfrage  war
angestiegen,  seitdem  auch  im  Ausland  nationalsozialistische  Organisationen  von
ihren  Mitglieder  den  Ariernachweis  forderten.  Die  von  der  DAI-Zentrale  und
ihren  Forschungsstellen  aufgebauten  Namenskarteien  von  Angehörigen  der  deutschen
  Volksgruppen  lieferten  „das  gebrauchsfähige  Material  für  sippenkundliche,

80  Wilhelm  Kohlhaas,  Chronik  der  Stadt  Stuttgart  1918-1933,  Veröffentlichungen  des  Archivs
der  Stadt  Stuttgart,  17  (Stuttgart:  Klett-Cotta  [ca.  1965]),  260-62;  Ritter,  Das  Deutsche
Ausland-Institut,  59,  69,  128-29;  R.  Emst,  Rechenschaftsbericht,  190-91,  cf.  194-95.
581  Cf.  BAKo,  R57neu/550:  Grisebach  u.  Keller  an  Mittelstelle  v.  11.11.1940.
BAKo,  R57neu/550:  Kölsch/Braun  u.  Csaki,  Vereinbarung  zur  Zusammenarbeit  zwischen
der  Saarpfälzischen  Mittelstelle  und  dem  DAI  v.  12.  u.  18.12.1938.
583  BAKo,  R57neu/1986:  Grisebach,  Hauptabteilung  Wanderungsforschung  und  Sippenkunde
des  DAI  (HS),  Bericht  der  HS  vom  1.9.1939  bis  31.12.1940,  cf.  BAKo,  R57neu/626:
Forkmann  (HS-Zentralkartei),  Karteien  der  HS  v.  9.6.1942.
84  Ritter,  Das  Deutsche  Ausland-Institut,  69.
85  Esch,  „Gesunde  Verhältnisse“,  30.
586 BAKo,  R57neu/626:  DAI-HS-Sachgebiete,  Verzeichnis  v.  1.4.1941;  Ritter,  Das  Deutsche
Ausland-Institut,  45-46,  68,  84-85.

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