Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Institut  Vorträge,  über  die  er  selbst  in  der  Gaupresse  berichtete."74  Anfang  1938
rief  er  dazu  auf,  die  Geschichte  der  Kolonisten  und  ihrer  Nachfahren  in  die
saarpfälzischen  Dorfbücher  aufzunehmen."75  Um  der  Allgemeinheit  die  „größere
Heimat  Saarpfalz“* 576 578  ins  Bewusstsein  zu  rufen,  wurde  für  Mitte  1940  ein
„Welttreffen  der  Saarpfälzer“  geplant.  Die  Idee  zu  diesem  Großprojekt  war  Braun
bei  den  Feiern  in  der  Batschka  gekommen,  die  selber  schon  „kleine  Welttreffen
saarpfälzischer  Landsleute“  gewesen  seien.  Der  Heimatbrief  propagierte  das
Vorhaben.  Braun  entwarf  eine  sich  über  mehrere  Wochen  hinziehende  und  über
das  ganze  Gaugebiet  erstreckende  Veranstaltung.  Mitte  Mai  1938  besprachen  in
Kaiserslautern  die  Vertreter  der  wichtigsten  saarpfälzischen  Kultureinrichtungen
die  Vorbereitungen  zum  Welttreffen."  Braun  rechnete  mit  fünf-  bis  zehntausend
Besuchern  aus  dem  übrigen  Reichsgebiet,  aus  Europa  und  Übersee.  Wieder
sollten  sich  Familie,  Volk  und  Reich  überschneiden:  Die  kulturelle  und  politische
Gestaltung  des  Welttreffens  solle  „den  Landsleuten  ein  umfassendes  Bild  von  den
starken  Kräften  des  neuen  Deutschland“  geben,  aber  den  Gästen  gleichermaßen
Zeit  für  den  Besuch  „ihrer  engeren  Heimat“  und  bei  ihren  Verwandten  lassen.  Der
Gauleiter  war  für  eine  politische  Rede  vorgesehen,  die  saarpfälzischen  Wissenschaftler
  sollten  über  historische  Auswanderung  unterrichten  und  die  Familienund
  Sippenforscher  ihre  Regionaltagung  abhalten.5  K  Aber  das  Welttreffen  fand
nicht  statt.  Weder  zeigte  die  Gaubevölkerung  genügend  Verständnis  für  die
Zusammengehörigkeit  von  Binnen-  und  Auslandsdeutschtum  noch  gingen  die
nötigen  Geldmittel  ein.  Die  deutschen  Kriegsvorbereitungen  und  die  Verschärfung
  der  internationalen  Lage  seit  dem  Herbst  1938  schlossen  jeden  weiteren
Gedanken  an  ein  Welttreffen  der  Saarpfälzer  aus.579
Das  Auslandsdeutschtum  in  der  deutschen  Aggressionspolitik
Ende  der  1930-er  Jahre  wurde  die  Mittelstelle  Saarpfalz  vom  DAI  immer  stärker
in  die  Kriegsplanung  einbezogen.  In  jenen  Jahren  profitierte  das  DAI  von  der
Führungskrise  im  VDA  und  zog  dessen  auslandsdeutsche  Forschungsstellen  an

''74  IpGV,  Verwaltung  1939-44:  „Die  größere  Heimat  Saarpfalz:  Vortrag  im  Institut  für  Landesund
  Volksforschung  in  Kaiserslautem“  v.  12.1.1939;  „Die  größere  Heimat  Saarpfalz:  Blutsbande
  um  die  ganze  Erde:  Vortrag  im  Institut  für  Landes-  und  Volksforschung  in  Kaiserslautem“
  aus  der  NSZ  Rheinfront  v.  14.1.1939.
575  Braun,  „1.  Arbeitsbericht  ...“,  258;  cf.  BayHStA,  MK  15552:  Anlage  1  zum  Bericht  über
die  Sitzung  d.  PGFW  v.  30.6.1938  [2].
576  So  der  Titel  eines  Vortrags  Brauns  am  11.1.1939  im  Spi;  LASp,  H  3/8009,  f.  81:  Einladung
Postius’  (Spi)  [an  d.  Reg.  d.  Pfalz]  vor  d.  9.1.1939.
5  7  HMP,  G/Vbv.:  Besprechung  zur  Vorbereitung  des  Welttreffens  der  Saarpfälzer  1940  am
16.5.1938  v.  20.5.1938:  anwesend  u.  a.  Kölsch,  Emrich  und  Christmann,  der  VDA,  die  KdF-Gaudienststelle,
  der  Landesverkehrsverband,  der  Volksbildungsverband  und  Braun.
578  HMP,  G/Vbv.:  Vorbereitungsbesprechung  am  16.5.1938.
579  Das  Welttreffen  tauchte  ab  Anfang  1939  nicht  mehr  in  Brauns  Berichten  auf;  BayHStA,  MK
15553:  [Braun]  Aufgaben  der  Mittelstelle  [Winter  1938/39];  BAKo,  R57neu/550:  Braun  an
DAI-HS  v.  11.5.1939.

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