französische Soldaten erkennen konnten, hätten die Auswanderer aus der Heimat
getrieben.'"'' Deren Nachkommen aber hätten ihre Tradition und ihre „grenzenlose
Liebe zu ihrem angestammten Volk“ bewahrt; ihr Blick sei immer nach Deutschland
gerichtet gewesen. Deutschland selbst habe die Bindungen zum Außendeutschtum
vergessen, bis die „Schule Adolf Hitlers“ alle Deutschen gelehrt habe,
„der Entwicklung unseres Außenvolkes mit einer inneren Bereitschaft zu folgen“.
Da die „blutsmäßige Verankerung in der Familiengemeinschaft das innigste Glied
[...] zum Aufbau und zur Belebung der Gemeinschaft aller Deutschen“ sei, stelle
die Mittelstelle die familiären, kommunalen und landsmannschaftlichen Bindungen
zwischen der Saarpfalz und den Nachkommen der Auswanderer wieder her und
baue sie aus. Daher stehe die Mittelstelle Saarpfalz im Dienste des Gesamtvolkes.555 556
Die „Brücke zu diesen vorgeschobenen Posten des Deutschtums“ schlug der jährliche
Heimatbrief.551 Die Heimatbriefe der nationalsozialistischen Auswanderungsforschungsstellen
dienten der auslandsdeutschen Schulung und Propaganda. In
einem breiten kulturellen Teil wurden stammesmäßige Gemeinsamkeiten betont
und deren Bewahrung gefordert, um die Verbundenheit der „Landsleute drinnen
und draußen“ zu festigen. An das häufig verbreitete Motiv der „großen Heimkehr“
in das erneuerte Mutterland schloss sich die Propagierung eines gemeindeutschen
Volksbewusstseins an.558 Jährlich lieferte der saarpfälzische Heimatbrief in einer
Auflage von 10 000 Stück den Ausländsdeutschen den Gau frei Haus. Einzelne
saarpfälzische Gemeinden schickten den Heimatbrief ihren „Söhnen und Töchtern
im Ausland“ direkt zu und mehrten so die persönliche Anhänglichkeit an den
Gau.559 Mit dem Überfall auf Polen wandelte sich Brauns Heimatbrief zu einem
Kriegspropagandaorgan, das vor den Ausländsdeutschen die nationalsozialistischen
Umsiedlungsmaßnahmen rechtfertigte.560 Durch die zahlreichen personellen
Querverbindungen zwischen dem Volksbildungsverband und dem Mittelstelle-Verein
entwickelte sich die Zeitschrift des Volksbildungsverbandes, Unsere Heimat,
zunehmend zum auslandsdeutschen Sprachrohr im Gau. Regelmäßig erschien
555 Fritz Braun, „1. Arbeitsbericht der Mittelstelle Saarpfalz in Kaiserslautern von der Gründung
am 15. Oktober 1936 bis zum 1. April 1938“, Unsere Heimat (1937/38), 257-69, hier 257.
556 Braun, „1. Arbeitsbericht“, 258.
557 StdAKl, AHI, 303/8d: NS-Gauamtsleiter für Kommunalpolitik an OB Kaiserslautern v.
15.3.1938; cf. Fritz Braun, „Landsleute drinnen und draußen, Mittelstelle Saarpfalz, Kaiserslautern“,
Saarpfälzische Abhandlungen zur Landes- und Volksforschung, 2 (1938), 478-79. Der
Heimatbrief kostete die Mittelstelle jährlich ca. RM 1000; BAKo, R57neu/550: Schlenz an
Mittelstelle v. 26.6.1940.
558 Ritter, Das Deutsche Ausland-Institut, 79-80; Kurt Kölsch, „Die grosse Heimkehr“, Heimatbrief
aus der Saarpfalz, 3 [1940] [2].
559 StdAKl, AII1, 303/8d: NS-Gauamtsleiter für Kommunalpolitik an OB Kaiserslautern v.
15.3.1938.
560 Heimatbrief aus der Saarpfalz, 3 [1940].
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