Full text : Volk, Reich und Westgrenze

und  von  Ramsauers  Doktorvater,  dem  Naturwissenschaftshistoriker  Wolf,  machte
sich  im  September  1937  der  Speyrer  Geschäftsstellenleiter  der  LPG  Saarpfalz  vor
Ort  ein  Bild  von  den  Untersuchungen,  besichtigte  einige  südpfälzische  Eisenerzgruben,
  in  denen  zwischen  dem  17.  und  dem  19.  Jahrhundert  beachtliche  Erzmengen
gefördert  worden  seien,  konnte  aber  nicht  klären,  ob  aus  den  Erzgängen  noch  bedeutende
  Mengen  zu  schürfen  seien.  Aus  grenzpolitischen  und  wirtschaftlichen  Erwägungen
  empfahl  er  dennoch  die  systematische  Weiterführung  der  Forschung.482
Die  Wiederinbetriebnahme  ehemaliger  deutscher  Quecksilberabbaustätten  versprach
  höheren  nationalökonomischen  Nutzen,  denn  bis  vor  kurzem  hatte  Deutschland
  seine  industrielle  Quecksilbernachfrage  noch  zu  100  Prozent  durch  den  Import
gedeckt.  In  absoluten  Zahlen  war  der  deutsche  Quecksilberbedarf  nicht  hoch,  aber
da  das  Metall  namentlich  für  den  Bau  von  Messinstrumenten  in  der  Luftfahrt
unerlässlich  war,483  wurden  die  pfälzischen  Untersuchungen  im  Rahmen  der
NS-Autarkie-  und  Rüstungspläne  relevant.  Ein  Bericht  von  Diplom-Ingenieur
H.  Dausch  über  die  Entwicklung  und  Produktion  in  drei  Anfang  der  1930-er  Jahre
wieder  in  Betrieb  genommenen  Quecksilber-Bergwerken  im  Gau  Saarpfalz
unterstützte  Emrichs  Antrag  bei  der  DFG  auf  Unterstützung  systematischer  Aufnahmen
  früherer  Quecksilberminen:  Die  bisher  erzielten  Erfolge  zeigten  die
Bedeutung,  die  diesen  Quecksilberlagerstätten  beizumessen  sei.  Dausch  erläuterte
die  Erschließungsmöglichkeiten  der  anderen  alten  pfälzischen  Bergwerke  und
empfahl  weitere  Vorarbeiten.484
Die  DFG  und  der  Reichsforschungsrat  rangen  sich  im  Sommer  1938  zur  finanziellen
  Unterstützung  der  Forschungen  durch.  Beide  Stelle  erbaten  sich  aber  eine
geologische  Aufsicht,  die  Julius  Ludwig  Wilser482  aus  Heidelberg  gewährleisten
sollte.486  Ramsauer  begann  die  wirtschaftshistorischen  Forschungen.487  Er  wertete

482  BayHStA,  MK  15552:  Emrich  an  BayKM  v.  15.2.1938,  2;  cf.  BayKM  an  PGFW  v.  26.2.1938;
HMP,  G/Institutssitzungen:  Emrich,  Spl:  Aufgabe  und  Arbeit  [5];  BABL,  RI  13/348,  f.  21:  Weber
(Vorsitzender  der  LPG  Saarpfalz)  an  Kerrl  v.  20.11.1936;  HMP,  G/Postius  1938:  Dipl.-Ing.
Nöldechen,  „Bereisung  des  südpfälzischen  Eisenerzgrubengebietes  am  1.9.1937“  v.  4.9.1937.
483  J.  Lamure,  H[enry]  Brusset,  „Mercure“,  Nouveau  traité  de  chimie  minérale,  t.  5:  Zinc  -
cadmium  -  mercure,  dir.  Paul  Pascale  (Paris:  Masson,  1962),  433-954,  hier  551;  H[enry]  Brusset,
Compléments  au  nouveau  traité  de  chimie  minérale,  9:  Mercure,  dir.  Afdolphe]  Pacault,  G[uy]
Pannetier  (Paris:  Masson,  1977)  95-96;  Wilhelm  Keppler,  „Mineralische  Rohstoffe  aus  deutschem
  Boden“,  Der  Vierjahresplan,  1  (1937),  454-55.  Lutz  Budraß,  Flugzeugindustrie  und  Luftrüstung
  in  Deutschland  1918-1945,  Schriften  des  Bundesarchivs,  50  (Düsseldorf:  Droste,  1998),
vergaß,  auf  die  aeronautische  Bedeutung  von  Quecksilber  hinzuweisen.
484  BAKo,  R73/10892:  Dausch  (Obermoschel),  Bericht  über  den  Quecksilberbergbau  im  Gau
Saarpfalz;  Emrich  an  DFG  v.  6.4.1938.
485  DBA  II,  1410:  447-48.
486  BAKo,  R73/10892:  Aktennotiz  Fischer  (DFG)  v.  14.9.1937  u.  v.  11.2.1938,  Emrich  an  DFG
v.  11.2.1938,  Friedrich  Karl  Drescher-Kaden  (Mineralog.-petrograph.  Inst.  d.  Univ.  Göttingen)
an  Beurlen  (Reichsforschungsrat)  v.  2.6.1938,  Beurlen  [an  5fG  v.  ca.  Mitte  Juni  1938],
Fischer  an  Emrich  (Spl)  v.  27.7.1938,  Mentzel  (DFG)  an  Emrich  v.  24.11.1938,  Emrich  an
DFG  v.  5.12.1938,  cf.  Fischer  an  Reichsarbeitsgemeinschaft  für  Raumforschung  v.  15.6.1938.
487  HMP,  G/Ramsauer  Briefe  bis  1939:  Ramsauer  an  StA  Wiesbaden  [u.  an  and.  Archive]  v.
20.9.1937.

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