Full text : Volk, Reich und Westgrenze

wurde  die  Suche  nach  Lagerstätten  interessant,  als  durch  die  Remilitarisierung
des  Rheinlandes  1936  die  Nähe  der  französischen  Grenze  an  Bedrohung  verlor.
Betraut  mit  der  Sonderaufgabe  Deutsche  Roh-  und  Werkstoffe,  erörterte  der  Wirtschaftsbeauftragte
  des  Führers  und  Reichskanzlers  Wilhelm  Keppler,  in  Görings
Vierjahresplanbehörde  für  die  „Erforschung  des  deutschen  Bodens“  zuständig,  die
Möglichkeiten  der  Goldgewinnung  in  den  Rheinniederungen.  Angesichts  der
traurigen  Lage  der  deutschen  Gold-  und  Devisenreserven  wog  jedes  Körnchen
Gold.478 *  Nachdem  Keppler  das  Problem  der  eventuellen  Goldgewinnung  in  der
badischen  Rheinebene  studiert  hatte,  wollte  er  seine  Forschungen  auf  das  linke
Rheinufer  ausdehnen  und  wandte  sich  Mitte  1937  an  den  Gau  Saarpfalz.  Er  bat
den  industrie-  und  bergbauarchäologisch  belesenen  Speyrer  Museumsdirektor
Sprater  um  Auskunft  über  den  „Goldgehalt  an  dem  pfälzischen  Ufer  des  Rheins“.474
Sprater  leitete  die  Bitte  an  Ramsauer  im  Saarpfälzischen  Institut  weiter,  der  gerade
mit  Dittler  zusammen  den  Bestand  der  historischen  Pfälzer  Erzabbaustätten  aufnahm.
  Zwar  war  die  Goldwäscherei  an  den  Rheinufern  nicht  ihr  Untersuchungsobjekt,
  doch  Ramsauer  erklärte  sich  bereit,  Keppler  mitzuteilen,  welche  pfälzischen
  Gebiete  „als  besonders  höffig  anzusehen“  seien.480  Die  Rheingoldsuche
verlief  im  Sande.  Selbst  für  die  niedrigen  Ansprüche  der  Vierjahresplanbehörde
war  ihre  Kosten-Nutzen-Rechnung  uninteressant.  Aber  es  gab  ja  noch  andere
interessante  Metalle.
Im  Sommer  1937  hielt  die  Gauleitung  das  Saarpfälzische  Institut  an,  durch  bergbauhistorische
  Forschungen  im  Gebiet  des  südpfälzischen  Eisen-  und  des  nordpfälzischen
  Quecksilbervorkommens  aufgegebene  Abbauplätze  in  ihrer  Ergiebigkeit
  zu  bewerten,  um  diese  gegebenenfalls  wieder  zu  erschließen.481  Ramsauers
und  Dittlers  Untersuchung  über  alte  Bergwerke  zielte  auf  die  umfassende  Bestandsaufnahme
  und  Kartierung  aller  im  saarpfälzischen  Raum  in  früheren  Zeiten
betriebenen  Erzgruben.  Die  Arbeit  hatte  neben  einem  wissenschaftlichen  Zweck
vor  allem  praktischen  Nutzen  im  Rahmen  des  Vierjahresplanes.  Begleitet  vom
Vertreter  der  NSDAP  Fritz  Schwitzgebel,  vom  halben  Saarpfälzischen  Institut
Foundations  of  Modem  History  (London:  Arnold,  1972),  49-65;  Hans-Erich  Volkmann,  „Die
NS-Wirtschaft  in  Vorbereitung  des  Krieges“,  Wilhelm  Deist  [et  al.],  Ursachen  und  Voraussetzungen
  der  deutschen  Kriegspolitik,  Das  Deutsche  Reich  und  der  Zweite  Weltkrieg,  1
(Stuttgart:  DVA,  1979),  175-368,  hier  269.
478  Hans-Erich  Volkmann,  „Politik,  Wirtschaft  und  Aufrüstung  unter  dem  Nationalsozialismus“,
  Hitler,  Deutschland  und  die  Mächte:  Materialien  zur  Außenpolitik  des  Dritten
Reiches,  Hg.  Manfred  Funke,  Nachdr.  Kronberg,  1976  (Düsseldorf:  Droste,  1978),  269-91,  hier
279-80;  Dieter  Petzina,  Autarkiepolitik  im  Dritten  Reich:  Der  nationalsozialistische  Vierjahresplan,
  Schriftenreihe  der  Vierteljahrshefte  für  Zeitgeschichte,  16  (Stuttgart:  DVA,  1968),
24-25,  58-59;  cf.  Enzyklopädie  des  Nationalsozialismus,  852;  Wendt,  Großdeutschland,  137.
474  HMP,  G/Ramsauer  Briefe  bis  1939:  Keppler  an  Sprater  v.  30.6.1937;  K.  Schultz,
„Fr.  Sprater“,  86.
480  HMP,  G/Ramsauer  Briefe  bis  1939:  Prof.  Arnold  Cissarz  an  Ramsauer  v.  8.7.1937,  Sprater
an  Ramsauer  v.  1.7.1937.
481  Wilhelm  Keppler,  „Die  Erforschung  des  deutschen  Bodens“,  Der  Vierjahresplan,  1  (1937),
131-32,  hier  131.

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