Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Haus,  nach  den  Vorfahren  des  Hausvorstandspaares,  Geschwistern  und  sonstigen
Verwandten.  Die  professionellen  Aussichten  der  ländlichen  Bevölkerung  wurden
durch  Fragen  nach  dem  Beruf  und  dem  Erwerbsort  der  Erwachsenen  und  den
Berufsvorstellungen  der  Jungen  ausgelotet.  Wieder  interessierte  man  sich  Für  die
wirtschaftlichen  Verhältnisse,  das  Einkommen,  die  Eigentumsverhältnisse  und
den  Betrieb.  Schließlich  fehlten  nicht  „die  biologischen,  rassischen  und  gesundheitlichen
  Fragen“,474  um  schon  wie  bei  der  städtischen  Sozialuntersuchung  die
unwillkommenen  Bevölkerungsgruppen  aussondern  zu  können.
Als  das  Ende  der  Akademie  für  Landesforschung  und  Reichsplanung  abzusehen
war  -  sie  wurde  Mitte  1937  aufgelöst  -,  wurde  der  Arbeitskreis  Saarpfalz  ganz
vom  Saarpfälzischen  Institut  übernommen.  Die  Zweigstelle  Saarbrücken  bestand
weiter  und  wurde  bis  zum  Juli  1938  von  der  Stadt  Saarbrücken  unterhalten.4"'  im
Herbst  1938  ließ  Emrich  die  Zweigstelle  schließen.  Der  im  Februar  1939  neu  gegründete
  Arbeitskreis  Saarbrücken  hatte  eine  gänzlich  andere  Aufgabenstellung
und  kann  nicht  als  eine  Fortsetzung  des  Arbeitskreises  Saarpfalz  angesehen  werden.
  Im  Spätwinter  1940  wurde  das  Saarpfälzische  Institut  ein  letztes  Mal  in  die
Landesplanung  eingeschaltet,  als  es  der  Regierungspräsident  der  Pfalz  zusammen
mit  der  LPG  Saarpfalz,  der  Landesbauernschaft  und  der  Reichsarbeitsgemeinschaft
für  Raumordnung  an  der  Universität  Heidelberg  in  die  Ermittlung  der  Aussiedlungsmöglichkeiten
  aus  dem  Gau  Saarpfalz  nach  dem  Osten  einschaltete.476  Bevor
Dittler  allerdings  konkrete  Untersuchungsergebnisse  beibringen  konnte,  wurde
diese  Planung  durch  die  Vertreibung  der  französischsprachigen  Landbevölkerung
aus  der  Moselle  und  deren  Ersetzung  durch  saarpfälzische  Bauern  hinfällig.
Rohstoffe  für  den  Vierjahresplan
Der  Übergang  zur  Autarkiepolitik  aus  Devisenmangel  und  Importbeschränkungen
zwang  das  Deutsche  Reich  dazu,  ohne  Rücksicht  auf  Kostenerwägungen  und
Wirtschaftlichkeitsgrundsätze  dringend  benötigte  Rohstoffe  im  Lande  selbst  zu
gewinnen.  Im  Dezember  1934  wurde  der  Reichswirtschaftsminister  mit  der  systematischen
  Erkundung  nutzbarer  Bodenschätze  beauftragt.477  Im  Gau  Saarpfalz

4  4  HMP,  G/Institutssitzungen:  „Ein  Dorf  wird  untersucht“,  Die  Kunkelstube,  Unterhaltungsbeilage
  zur  NSZ  [Rheinfront]  (2.7.1936);  cf.  HMP,  G/Vbv.:  Antrag  zur  kult.  Reichsgrenzlandfürsorge
  1937,  Anlage  zu  Spl  an  Reg.  der  Pfalz  v.  7.5.1937.
477  BayHStA,  MK  15552:  Emrich  an  BayKM  v,  15.2.1938,  [Roth-Lutra  u.]  Emrich,  Sitzung  des
Spl-Verwaltungsausschusses  am  22.6.1937,  5;  Meyer,  Rechnungsprüfung  der  PGFW  v.
13.11.1937,  10  u.  16;  StdASb,  Großstadt/3121:  Vermerk  Stützer  i.  A.  des  OB  Saarbrücken  v.
2.11.1938,  Dr.  Gaudig  (Abt.  XIV  beim  OB  Saarbrücken)  an  AK  des  Spl  v.  11.8.1938.
476  IpGV,  Verwaltung  1939-44:  Regpräs.  an  Spl  v.  12.3.1940.
4  7  Der  im  NS  geographisch  unscharfe  Begriff  Autarkie  bedeutet  hier  „die  militärisch  abgesicherte
  Selbstversorgung  des  Reiches  aus  einem  blockadesicheren  und  dem  Zugriff  fremder
Mächte  entzogenen  .GroßwirtschaftsraumBernd-Jürgen  Wendt,  Großdeutschland:  Außenpolitik
  und  Kriegsvorbereitung  des  Hitler-Regimes,  2.  Aufl.,  Deutsche  Geschichte  der  neuesten
Zeit  vom  19.  Jahrhundert  bis  zur  Gegenwart  (München:  dtv,  1993),  126,  cf.  125-34,  143-61;
William  Carr,  Arms,  Autarky  and  Aggression:  A  Study  in  German  Foreign  Policy,  1933-1939,

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