Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Produktion  des  Saarlandes  und  in  der  häuslichen  Lederverarbeitung  der  Pfalz  bot
die  Lösung.447
Für  die  Landesplanung  in  der  Saarpfalz  war  zuerst  die  Arbeitsgemeinschaft  der
Universität  Heidelberg  unter  dem  Volkswirt  Emst  Schuster  zuständig.  1936  erreichte
Bürckel  die  Gründung  einer  eigenen  Landesplanungsgemeinschaft  Saarpfalz  (LPG)
mit  Geschäftsstellen  in  Saarbrücken  und  Speyer.448  Fast  gleichzeitig  ergänzte
PGFW-Mitglied  Ludowici  das  Saarpfälzische  Institut  durch  den  Arbeitskreis  Saarbrücken
  seiner  Akademie  für  Landesforschung  und  Reichsplanung.449  Johann
Wilhelm  Ludowici,  Inhaber  der  größten  Ziegelei  Deutschlands,  hatte  seine  rechtsextreme
  Karriere  Anfang  der  1920-er  Jahre  beim  DvSTB  begonnen  und  1933  in  der
NSDAP  fortgesetzt.  Er  wurde  im  März  1933  Beauftragter  der  Partei  für  alle  Siedlungsaufgaben,
  im  Mai  1934  ehrenamtlicher  Stellvertreter  des  Reichskommissars
für  das  Siedlungswesen,  Siedlungsbeauftragter  beim  Stellvertreter  des  Führers  und
1935  Präsident  der  neu  gegründeten  Akademie  für  Landesforschung  und  Reichsplanung.450
 451  Ludowici  konnte  sich  allerdings  nicht  gegen  die  konkurrierenden  Raumordnungsämter
  durchsetzen,  die  Reichsstelle  für  Raumordnung  unter  Hanns  Kerrl
und  die  Reichsarbeitsgemeinschaft  für  Raumforschung  unter  Konrad  Meyer.  Nach
einem  Streit  mit  Robert  Ley  wurde  Ludowici  1937  abgesetzt.4M
Ludowici  übertrug  die  Führung  des  Arbeitskreises  Saarbrücken  an  Emrich,452  dem
er  im  Spätjahr  1936  seine  Ideen  zur  Raumplanung  und  -Ordnung  in  der  Westmark
vorstellte:453  Gesellschaft  und  Wirtschaft  sollten  durch  eine  umfassende  bodenständige
  Siedlung  entproletarisiert  werden.  Ludowici  hatte  einen  sehr  eigenen

447  „Unsere  Arbeiterbauern:  Bodenverwurzelt  und  lebensbejahend:  Das  Beispiel  der  Westmark:
Von  unserem  We.-Mitarbeiter“,  Metzer  Zeitung  am  Abend  (30.4./1.5.1943);  U.  Mai,  „Rasse
und  Raum  ",  223-33.
448  StdASb,  Großstadt/3120:  LPG  Saarpfalz,  Beitragsliste  Rechnungsjahr  1938  u.  Beiratsmitglieder;
  U.  Mai,  Ländlicher  Wiederaufbau,  25;  [Ernst]  Schuster,  „Baden  und  Saarpfalz:  Universität
Heidelberg  (Leiter:  Prof.  Dr.  Schuster)“,  Volk  und  Lebensraum:  Forschungen  im  Dienste  von
Raumordnung  und  Landesplanung,  Hg.  Konrad  Meyer,  Beiträge  zur  Raumforschung  und  Raumordnung,
  1  (Heidelberg:  Vowinckel,  1938),  535-40;  cf.  Heiligenthal,  „Baden  und  Saarpfalz:
Hochschule  Karlsruhe  (Leiter:  Prof.  Dr.-lng.  Heiligenthal)“,  ibid.,  540-44;  Friedrich  Metz,
„Baden  und  Saarpfalz:  Universität  Freiburg  (Leiter:  Prof.  Dr.  Metz)“,  ibid.,  526-35.
449  BayHStA,  MK  15552:  Emrich  an  BayKM  v.  15.2.1938.
4MI  Akten  der  Reichskanzlei:  Regierung  Hitler,  T.  1,  2:  1227,  Lammers  an  Heß  v.  29.3.1933;
DBA  II,  834:  427-31;  Stockhorst,  Fünftausend  Köpfe  (1967),  278.
451  Umlauf,  Zur  Entwicklungsgeschichte,  6;  Mechtild  Rössler,  „Wissenschaft  und  Lebensraum":
Geographische  Ostforschung  im  Nationalsozialismus:  Ein  Beitrag  zur  Disziplingeschichte  der
Geographie  (Berlin:  Reimer,  1990),  137,  141,  193;  cf.  Michael  G.  Esch,  „Gesunde  Verhältnisse":
Deutsche  und  polnische  Bevölkerungspolitik  in  Ostmitteleuropa  1939-1950,  Materialien  und
Studien  zur  Ostmitteleuropa-Forschung,  2  (Marburg:  Herder-Inst.,  1998),  34  Anm.;  Akten  der
Reichskanzlei:  Regierung  Hitler  1933-1945,  Bd.  2:  1934/35,  hg.  f.  d.  Historische  Kommission  bei
der  Bayerischen  Akademie  der  Wissenschaften  v.  Hans  Günter  Hockerts,  f.  d.  Bundesarchiv  v.
Friedrich  P.  Kahlenberg,  Bearb.  Friedrich  Hartmannsgruber  (München:  Oldenbourg,  1999),  120-22,
  155-57.
452  BayHStA,  MK  15552:  [Roth-Lutra  u.]  Emrich,  Vollsitzung  der  PGFW  am  22.6.1937,  6.
453  StdAKl,  All,  312:  Emrich  an  OB  Kaiserslautern  v.  30.11.193[6].

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